Politik

"Er macht Europa Hoffnung" Papst Franziskus wird mit Karlspreis geehrt

Es sind schwierige Zeiten für Europa, doch mutmachende Worte kommen immer wieder von Papst Franziskus. Dafür erhält er in Rom den Internationalen Karlspreis. Die Preisverleihung nutzen EU-Politiker für mahnende Worte.

EU-Parlamentspräsident Martin Schulz hat Papst Franziskus bei der Karlspreisverleihung in Rom als Kirchenführer gewürdigt, der der Menschheit wichtige Werte vermittle. "Frieden, Solidarität und gegenseitiger Respekt - das was wirklich wichtig ist, zu vertiefen, nicht was uns trennt, sondern was uns einigt", dafür stehe Franziskus, sagte Schulz bei einem Festakt in der Sala Regia im Vatikan. Er hielt seine Rede anfangs auf Spanisch, dann auf Deutsch.

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(Foto: dpa)

Europa erlebe stürmische Zeiten, stehe vielleicht sogar vor einer Zerreißprobe, so der Vorjahres-Preisträger. Die Flüchtlingsfrage sei eine "epochale Herausforderung", denn seit dem Zweiten Weltkrieg seien zu keiner Zeit mehr Menschen weltweit auf der Flucht gewesen als heute.

Europa erlebe aber auch eine Solidaritätskrise, in der die gemeinsame Wertebasis des Kontinents ins Wanken gerate, warnte Schulz. Es sei deshalb Zeit, für Europa zu kämpfen. "Papst Franziskus macht uns Hoffnung, dass dies gelingen kann", sagte Schulz. Die Helfer in der Flüchtlingskrise zeigten Europas gutes Gesicht, Europas menschliches Gesicht.

Mahnung an die Mächtigen

Zuvor hatte bereits der Vorsitzende des Karlspreis-Direktoriums, Jürgen Linden, aus der Verleihungs-Urkunde zitiert, dass Franziskus für sein herausragendes Engagement "für Frieden, Verständigung und Barmherzigkeit in einer europäischen Gesellschaft der Werte" geehrt wird. An der Zeremonie, der eine Messe vorangegangen war, nahmen neben Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und anderen früheren Preisträgern auch die Spitzenvertreter der EU teil, darunter Schulz und Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker.

Das Karlspreis-Direktorium hatte im Dezember bekanntgegeben, dass der Pontifex die renommierte Auszeichnung erhält. Franziskus sende eine Botschaft der Hoffnung aus und gebe den Europäern Orientierung, hieß es damals zur Begründung. Der Papst sei "eine Stimme des Gewissens, die uns mahnt, bei all unserem Tun den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen".

Franziskus hatte im November 2014 eine viel beachtete Rede vor dem Europaparlament gehalten und den Mächtigen die Leviten gelesen. Dabei verglich er Europa mit einer Großmutter, sprach von einem müden und gealterten Kontinent. Er warb für ein gemeinsames Europa, das sich nicht nur um die Wirtschaft dreht, sondern vor allem solidarisch mit Armen und Alten ist. Zudem forderte er eine gemeinsame Politik zur Rettung der Migranten im Mittelmeer. Erst im April hatte Franziskus die griechische Insel Lesbos besucht und die internationale Gemeinschaft eindringlich dazu aufgerufen, mit Menschlichkeit auf die Flüchtlingskrise zu reagieren. Dies gelte besonders für die Europäer, mahnte er.

Der Karlspreis wird seit 1950 an Persönlichkeiten und Institutionen vergeben, die sich um die Einigung Europas verdient gemacht haben. Zu den ersten Preisträgern zählten der britische Premierminister Winston Churchill und der langjährige Bundeskanzler Konrad Adenauer. Eigentlich wird der Preis stets im Aachener Rathaus verliehen. Nun fand die Zeremonie zum zweiten Mal im Vatikan statt: 2004 hatte Papst Johannes Paul II. dort einen "außerordentlichen Karlspreis" entgegengenommen. Franziskus ist der 58. Karlspreisträger.

Quelle: ntv.de, sba/dpa