Politik
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Sonntag, 11. Januar 2015

"Warum muss friedliebend rein?": Pegida-Anführer hetzen auf Facebook

Offiziell geben sich die "patriotischen Europäer" aus Dresden friedfertig. Mit Rassismus und Rechtsextremisten hätte Pegida nichts zu tun, beteuern die Organisatoren immer wieder. Jetzt wird klar: Intern schlagen sie einen anderen Ton an.

Die Organisatoren der islam- und fremdenfeindlichen Pegida haben seit Beginn ihrer Bewegung rassistische Parolen und Hitler-Zitate eingesetzt, um Anhänger zu mobilisieren. Das berichtet der "Spiegel" in seiner neuesten Ausgabe. Demnach erhielt das Magazin Einblick in eine geschlossene Facebook-Gruppe der "Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes". Darin soll sich unter anderem das zehnköpfige Organisationsteam der Pegida an Diskussionen beteiligt haben.

So beschimpfte einer der Organisatoren, Sigfried Däbritz, Muslime als "mohammedanische Kamelwamser" oder "Schluchtenscheißer". Zudem seien Kurden für ihn eine "genauso große Gefahr für das zivilisierte Europa/ Deutschland wie alle anderen Strömungen innerhalb der Mohammedaner." Dabei scheint es der ehemalige FDP-Politiker mit der Wahrheit nicht so genau zu nehmen. So sind Kurden keine "Strömung" des Islams. Vielmehr handelt es sich um eine ethnische Gruppe, innerhalb derer viele verschiedene Religionen, darunter auch das Christentum und das Judentum, vertreten sind.

Ein weiteres Mitglied des zehnköpfigen Organisationsteams, Thomas Tallacker, ist schon seit längerem für seine rassistischen Äußerungen bei Facebook bekannt. Bereits im August 2013 hetzte er in einem Beitrag gegen Asylsuchende in Deutschland: "Was wollen wir mit dem zu 90% ungebildeten Pack was hier nur Hartz 4 kassiert und unseren Sozialstaat ausblutet." Zu diesem Zeitpunkt war Tallacker Stadtrat der CDU in Meißen. Aufgrund der Äußerungen musste er seinen Posten räumen. Daraus gelernt hat er offenbar nicht. Nach Berichten über eine Messerstecherei mutmaßte er kürzlich: "Bestimmt wieder ein in seiner Entwicklung gestörter oder halbverhungerter Ramadan Türke." Medienanfragen wollten weder Däbritz noch Tallecker beantworten.

Nach außen geben sich die Pegida-Anführer aus Dresden betont friedfertig. Es handle sich lediglich um eine Initiative "besorgter Bürger". Gerade wurde bekannt, dass sie die Gemeinnützigkeit für Pegida e.V. beantragten, um in den Genuss von steuerlichen Vorteilen zu gelangen. Zeitgleich kommt es immer wieder zu Berichten über einzelne Übergriffe und strafrechtlich relevante Aktionen der Pegida-Anhänger.

Aus einer internen Facebook-Diskussion geht hervor, dass sich die Initiatoren zunächst nicht auf einen Namen für ihre Bewegung einigen konnten. Ursprünglich sollte Pegida "Friedliche Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes" heißen. Das stieß aber bei einigen auf Widerstand. So kritisiert ein Mitglied der Facebook-Gruppe: "Ich finde den Namen viel zu nett und gutmenschenfraktionskompatibel. Haben wir das nötig?? Warum muss unbedingt friedliebend rein? Europäer? Ich bin deutscher... NATIONAL ist das Wort."

Quelle: n-tv.de