Politik

Installation vor Frauenkirche Pegida schreit Kunstwerk-Einweihung nieder

Krieg, Zerstörung und Tod haben Dresden 1945 und Aleppo in den vergangenen Jahren heimgesucht. Ein Kunstwerk soll das verdeutlichen. Der Dresdner Pegida-Bewegung passt das nicht. Sie stören die Einweihung und drohen mit Mord.

Rechte Demonstranten haben die Einweihung eines umstrittenen Kunstwerkes vor der Dresdner Frauenkirche massiv gestört. Gut 100 Anhänger des islam- und fremdenfeindlichen Pegida-Bündnisses schrien gegen Oberbürgermeister Dirk Hilbert an, der eine Rede zu der Installation des deutsch-syrischen Künstlers Manaf Halbouni hielt. Hilbert sagte, manchmal bedürfe es ungewöhnlicher Mittel, um das Weltgeschehen im wörtlichen Sinne vor Augen zu führen. 

Das aus drei aufrechtstehenden ausrangierten Linienbussen bestehende Kunstwerk "Monument" soll an das Leid der Zivilbevölkerung im umkämpften Aleppo erinnern und zwei Monate auf dem Neumarkt stehen. Im Ostteil der Stadt hatten damals Zivilisten Buswracks wie eine Mauer zum Schutz vor Scharfschützen aufgerichtet. Es ist Teil des Gedenkens an die Zerstörung Dresdens im Zweiten Weltkrieg am 13. Februar.

Hilbert sagte, mit dem "Monument" wolle Halbouni wachrütteln und zwischen den unterschiedlichen Orten Dresden und Aleppo, zwischen unterschiedlichen Ereignissen wie der Zerstörung Dresdens im Zweiten Weltkrieg und der Zerstörung Aleppos im Syrienkrieg vermitteln. Die aufgebrachten Pegida-Anhänger skandierten: "Schande, Schande" und "Der Schrott muss weg." Hilbert wurde als "Heuchler" und "Volksverräter" beschimpft.

Hilbert unter Polizeischutz

Der FDP-Politiker war in den vergangenen Tagen auch im Netz heftig angegriffen worden und hatte sogar Morddrohungen erhalten, weil er im Hinblick auf das Gedenken am 13. Februar vor einem Opfer-Mythos gewarnt und Dresden als eine "alles andere als unschuldige Stadt" bezeichnet hatte. Seine Wohnung wird seither von der Polizei geschützt. Hilbert nannte die Anfeindungen "erschreckend". "Dass man Polizeischutz braucht, ist schon harter Tobak."

"Wir befinden uns in der Woche vor dem 13. Februar, in der die Sicherheitslage ohnehin immer etwas angespannter ist. Auch wenn wir keine unmittelbare Gefahr für die Gesundheit für Herrn Hilbert sehen, können wir andere Aktionen, insbesondere vor seiner Wohnung, nicht ausschließen", sagte der Dresdener Polizeipräsident Horst Kretzschmar der "Zeit".

Zwischen dem 13. und 15. Februar 1945 hatten alliierte Bomberverbände tausende Sprengsätze und Brandbomben über Dresden abgeworfen. Rund 25.000 Menschen wurden damals getötet, weite Teile der historischen Altstadt zerstört. Die später wieder aufgebaute Frauenkirche gilt heute als Symbol für Frieden und Versöhnung.

Quelle: ntv.de, bdk/dpa/AFP