Politik

"Singt Hymne nicht mit" Petry enttäuscht von Özil

62453953.jpg

(Foto: picture alliance / dpa)

Nach AfD-Vize Alexander Gauland äußert sich nun AfD-Chefin Frauke Petry über einen Fußball-Nationalspieler. Sie kritisiert, dass Mesut Özil seine Reise nach Mekka öffentlich "zelebriert" und vermutet, dass Özil nicht nach den Regeln der Scharia lebe.

Ganz Fußball-Deutschland freut sich in diesen Tagen auf die anstehende Europameisterschaft. Ganz Fußball-Deutschland? Nein. Zumindest die Parteispitze der AfD scheint an Jogis Mannschaft wenig Freude zu haben.

Nach den umstrittenen Äußerungen von AfD-Parteivize Alexander Gauland über den Nationalspieler Jérôme Boateng und seiner Kritik an dem muslimischen Fußball-Nationalspieler Mesut Özil im "Spiegel", legt nun AfD-Chefin Frauke Petry nach. In der "Welt am Sonntag" sagte sie: "Es ist schade, dass Mesut Özil als Identifikationsfigur für so viele Kinder und Jugendliche die Nationalhymne nicht mitsingt." Özil hatte dies bereits vor Jahren in der "Bild" damit begründet, dass er sich in diesem Moment auf das Spiel konzentriere und für sich und seine Mitspieler bete. Und er stellte klar: "Auch für mich ist die Nationalhymne ein sehr emotionaler Moment, der mich stolz macht."

Die AfD-Politikerin nahm auch Bezug auf das kürzlich von dem Fußballspieler unter anderem auf seiner Facebook-Seite gepostete Foto, das ihn bei seiner Pilgerreise nach Mekka zeigt. Die Parteichefin stellt die "öffentlich zelebrierte Reise nach Mekka" zur Diskussion. Diese Pilgerreise gehöre zwar bekanntlich zu den religiösen Pflichten eines Muslims. "Ob man sie aller Welt präsentieren muss, steht dahin", sagte Petry. Man könne Özil fragen, ob er mit diesem Bekenntnis auch eine politische Aussage treffen wolle.

Auf dem Facebook-Foto ist Özil im traditionellen Gewand in der Heiligen Moschee in Mekka zu sehen. Zehntausende Facebook-Fans hatten das Bild geteilt und dem Nationalspieler Respekt dafür gezollt. Auch über das Privatleben des Fußballers spekulierte die Politikerin. Sie vermutet, dass Özil "nicht nach den Regeln der Scharia" lebe. "Die Frauen, mit denen er sich öffentlich zeigt, tragen jedenfalls kein Kopftuch."

"Letztlich eine Geldfrage"

Bereits seit Tagen wird in der AfD heftig über den multikulturellen Hintergrund einiger Spieler diskutiert. Im "Spiegel" nennt Gauland Özils Pilgerreise "sehr gewöhnungsbedürftig" für eine Partei, die den Islam nicht als Teil Deutschlands betrachte. Für Gauland dienen die Spieler mit Migrationshintergrund nicht als Beweis dafür, dass Deutschland ein Einwanderungsland sei. "Ich glaube nicht, dass die Nationalmannschaft dafür das passende Symbol ist", sagte er.

Über den Profifußball sagte der AfD-Politiker, dieser sei "keine Frage der nationalen Identität mehr", sondern "letztlich eine Geldfrage". "Eine deutsche oder eine englische Fußball-Nationalmannschaft sind schon lange nicht mehr deutsch oder englisch im klassischen Sinne". Auch das Lebensgefühl der meisten Deutschen sei nicht "so multikulti". "Da gibt es noch immer eine starke Verbundenheit zu Land und Leuten und Geschichte und Tradition. Sie fieberten zwar beim Fußball mit, aber diese multikulturelle Welt ist den meisten noch immer fremd."

Vor einer Woche hatte die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" Gauland mit einem Satz über Nationalspieler Jérôme Boateng zitiert: "Die Leute finden ihn als Fußballspieler gut. Aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben." Der AfD-Politiker bestritt zunächst die Äußerung, räumte jedoch später ein, das Zitat "mag gefallen sein", sei aber falsch interpretiert worden.

Die Kritik am AfD-Politiker kam prompt: Bundeskanzlerin Angela Merkel nannte die Äußerungen "niederträchtig". Bundesjustizminister Heiko Maas sagte sie seien "schlicht rassistisch". Mittlerweile stößt die Parteispitze mit ihrer Haltung auch in der Bevölkerung und gar bei den eigenen Anhängern auf wenig Zustimmung. Die meisten Deutschen hätten den Fußball-Nationalspieler Boateng einer Umfrage zufolge gerne zum Nachbarn. In einer aktuellen Emnid-Erhebung  sprachen sich 82 Prozent der Befragten dafür aus. Bei den AfD-Wählern lag die Zustimmung sogar bei 87 Prozent.

Quelle: ntv.de, sde