Politik

Zukunftsdiskussion bei Lanz "Rosig sieht das gar nicht aus"

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"Wir müssen über Junge und Alte sprechen", sagt Arbeitsminister Heil.

(Foto: imago images/Future Image)

Jungwähler trifft auf Politiker - die Kombination hat sich bei Markus Lanz schon mehrfach bewährt. Doch diesmal geht das Konzept nicht so richtig auf, zu zurückhaltend bleibt der geladene Aktivist gegenüber Arbeitsminister Heil. Eine interessante Generationendiskussion können die Zuschauer trotzdem erleben.

Die Idee ist interessant: Man nimmt eine Erstwählerin oder einen Erstwähler, und dann kommt ein Politiker dazu. Mit etwas Glück gibt es einen spannenden Schlagabtausch. Das hat wunderbar funktioniert, als sich die Klimaaktivistin Luisa Neubauer mit dem CDU-Politiker Friedrich Merz stritt. Auch die Diskussion zwischen der Studentin Tabea Engelke und Ex-Bundesinnenminister Thomas De Maizière war sehenswert. So etwas hatte sich Markus Lanz bei seiner ZDF-Sendung am Dienstagabend offenbar wieder gewünscht. Doch daraus wurde nichts. Mit Bundesarbeitsminister Hubertus Heil war ein harter und gewiefter Politik-Performer auf der einen Seite. Sein Herausforderer war der Student Moritz Piepel, der dem SPD-Politiker nicht nur nicht gewachsen war, der auch verglichen mit seinen Mitstreiterinnen aus den letzten Generationendiskussionen bei Lanz recht blass wirkte.

Piepel stammt aus Münster, ist aber für sein Physikstudium nach Dresden gezogen. Der 22-Jährige ist Sprecher des Jugendrates der Generationen Stiftung. Das ist eine von Aktivistinnen und Aktivisten, Politikern, Christen, Wissenschaftlern und Künstlern geförderte Stiftung, die sich eigentlich für einen Generationenvertrag einsetzt.

Höhere Steuern, niedrigere Renten

Moritz Piepel hat Angst um seine Rente. "Rosig sieht das gar nicht aus", sagt er. Darum fordert er, das Renteneintrittsalter auf 68 Jahre zu erhöhen. Zur Sicherung von Renten verlangt Piepel, die Rentenhöhe zu deckeln. Bei welchem Betrag, weiß er nicht so recht. Hauptsache, dass Vielverdiener nicht automatisch hohe Renten bekommen. Außerdem will er die Beitragsbemessungsgrenze erhöhen, eine Vermögenssteuer einführen und die Erbschaftssteuer anheben. Das hat er in einem Interview mit der "Taz" gesagt. Leider nicht bei Markus Lanz. Da hat er vor allem beklagt, dass Politiker bei ihren Gesetzen zu wenig an die junge Generation denken. Den Grund sieht er darin, dass die Wähler immer älter werden, darum würde "die Politik" zunächst die älteren Wähler bedienen.

"Arbeitsmarkt entscheidet über Sicherheit der Rente"

Ein Vorwurf, den Bundesarbeitsminister Heil nicht auf sich sitzen lassen will. "Wir müssen über Junge und Alte sprechen", verlangt er. Die Lebensleistung müsse im Alter eine Rolle spielen, sagt der Minister. Und er fügt hinzu: "Ich sage nicht "Die Renten sind sicher", sondern wir müssen daran arbeiten, dass die Rente sicher bleibt." Und: "Der Arbeitsmarkt entscheidet über die Sicherung der Renten."

Heil setzt dabei vor allem auf die Entwicklung am Arbeitsmarkt. Dazu gelte es zunächst, den Niedriglohnsektor durch bessere Tarife "zurückzuschrauben". Zudem müssten Menschen besser für die Arbeit qualifiziert werden. Jedes Jahr verlassen laut Heil 50.000 Jugendliche die Schule ohne Abschluss; 1,3 Millionen Empfänger von Arbeitslosengeld 2 haben keine berufliche Erstausbildung. "An diese Menschen müssen wir in Zeiten des Fachkräftemangels ran, um den Arbeitsmarkt zu stabilisieren", so Heil.

Piepel hält das für keine gute Idee. "Dazu haben wir zu wenig Kinder", meint er. Doch auch dafür hat Heil eine Lösung: Zuwanderer. Tatsächlich hat die Bundesregierung in dieser Legislaturperiode das sogenannte "Fachkräfteeinwanderungsgesetz" beschlossen. Heil fordert denn auch mehr Weltoffenheit und weist darauf hin, dass zum Beispiel IT-Fachkräfte auch aus Rumänien oder Indien kommen könnten.

Drastische Herabsenkung des Mindestwahlalters

Um endlich mehr Politik für junge Menschen zu machen, hat Moritz Piepel einen spannenden Vorschlag. Während sich Heil für die Senkung des Wahlmindestalters auf 16 Jahre ausspricht, reicht dem Generationen-Sprecher das lange nicht aus. Er setzt sich dafür ein, dass Kinder schon mit 14 Jahren zur Wahl gehen dürfen - oder noch darunter. Eine Idee, auf die Heil nicht eingehen möchte.

Dafür kommt er nicht drum herum, sich zum Impfthema zu äußern - Markus Lanz will es so. Dabei unterstützt er die Gesundheitsminister, die am Montag beschlossen haben, Kindern ab 12 Jahren ein Impfangebot zu machen. Dabei handele es sich nicht um eine Impfpflicht, so der Minister. Aber: Auch wenn die meisten Kinder nicht schwer an Corona erkranken, könnten sie das Virus weitergeben. Doch das wichtigste Ziel müsse sein, dass sich möglichst alle Erwachsenen impfen lassen. Oder um es mit den Worten des Ministers zu sagen: "Bitte lasst Euch impfen - bitte, bitte, bitte!"

Quelle: ntv.de

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