Politik
Der Visum-Streit ist eine weitere Episode in der vergifteten Atmosphäre zwischen Russland und Großbritannien.
Der Visum-Streit ist eine weitere Episode in der vergifteten Atmosphäre zwischen Russland und Großbritannien.(Foto: imago/CTK Photo)
Samstag, 22. Oktober 2016

Visum-Streit mit Großbritannien: Russische Botschaft in London schrumpft

Verdeckter Schlagabtausch zwischen Großbritannien und Russland: Schauplatz ist dieses Mal die russische Vertretung in London. Die Botschaft läuft Gefahr, bald arbeitsunfähig zu sein. Die Diplomaten haben Mühe, ihren Personalbedarf zu decken.

Der Stab der russischen Botschaft in London schrumpft nach Angaben der Regierung in Moskau weiter. Grund seien verzögerte Visa-Genehmigungen durch die britischen Behörden. "Das Personal kann nicht ersetzt werden, weil keine Visa ausgestellt werden", klagte Botschafter Alexander Jakowenko.

Die Verzögerungen bestünden seit nunmehr über einem Jahr. Sollte die Lage anhalten, müsse die Botschaft weiter verkleinert werden. Unklar sei, ob Großbritannien überhaupt daran interessiert sei, dass genügend russische Diplomaten zur Verfügung stünden. Jakowenko warf Premierministerin Theresa May und Außenminister Boris Johnson zudem vor, "antirussische Erklärungen" abgegeben zu haben.

Eine Sprecherin des britischen Außenministeriums lehnte eine Stellungnahme ab. Die Spannungen zwischen Großbritannien und Russland haben sich zuletzt verstärkt, vor allem wegen des russischen Eingreifens in den Syrien-Krieg. Johnson hatte angesichts der russischen Luftangriffe dort vor einigen Tagen zu Demonstrationen vor der russischen Botschaft in London aufgerufen. Damit sorgte er international für Aufsehen: Ein solcher Appell ist für einen Außenminister höchst ungewöhnlich und zeugt nicht gerade von diplomatischem Feingefühl.

Streit gab es auch wegen der Ankündigung einer Tochtergesellschaft der Royal Bank of Scotland, mehrere Konten des staatlichen finanzierten russischen Auslandssenders RT zu schließen. Das Geldhaus ist mehrheitlich im Besitz der britischen Regierung. Russland hat angekündigt, es behalte sich Vergeltungsmaßnahmen vor.

Quelle: n-tv.de