Politik

"Alarmstart" der NATO in Litauen Russische Jets unterbrechen Truppenbesuch

Während einer Pressekonferenz von Spaniens Premier Sánchez und Litauens Präsident Nauseda auf einem litauischen Militärflughafen tauchen plötzlich russische Kampfjets am Himmel auf. Innerhalb weniger Minuten steigen NATO-Jets in die Luft, um die Maschinen abzufangen.

Ein Alarm wegen zwei russischen Militärflugzeugen hat ein Treffen von Litauens Staatspräsident Gitanas Nauseda und Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez unterbrochen. In Windeseile mussten die beiden Politiker auf dem litauischen Militärflughafen in Siauliai ihre Plätze vor den Kampfjets räumen, zu denen plötzlich Piloten und Techniker eilten, wie auf einem von der litauischen Präsidialkanzlei veröffentlichtem Video zu sehen ist. "Wir haben einen Alarmstart", ist aus dem Hintergrund zu hören, bevor die Pressekonferenz abgebrochen wird.

Nach Angaben eines litauischen Militärsprechers waren die beiden russischen Jets vom Typ Suchoi SU-24 ohne elektronische Kennung im internationalen Luftraum über der Ostsee unterwegs. Auch hätten die beiden russischen Piloten weder einen Flugplan übermittelt noch Funkkontakt mit der Flugsicherung gehalten, sagte der Sprecher.

Deshalb seien Kampfjets zu einem Abfangmanöver aufgestiegen, um die Maschinen zu sichten und zu identifizieren. "Sie sehen, alles funktioniert super. Ich kann bestätigen, dass der Abfangjäger in weniger als 15 Minuten abgehoben hat", sagte Nauseda dem litauischen Rundfunk zufolge nach Wiederaufnahme der für eine knappe halbe Stunde unterbrochenen Pressekonferenz. "Wir sind jetzt vergewissert worden, wie unsere Luftüberwachung funktioniert." "Dies ist ein echter Fall, der die Bedeutung unserer Präsenz hier zeigt", sagte Sánchez.

Nach litauischen Angaben sind gegenwärtig sieben Eurofighter und 130 Soldaten aus Spanien in Siauliai im Einsatz, um den Luftraum über den baltischen Staaten zu überwachen. Estland, Lettland und Litauen haben keine eigenen Luftstreitkräfte. Die NATO sichert deshalb bereits seit 2004 von Militärstützpunkten in Ämari (Estland) und Siauliai (Litauen) aus den baltischen Luftraum. Dazu verlegen die Verbündeten im regelmäßigen Wechsel Kampfflugzeuge samt Soldaten in die an Russland angrenzenden Ostseerepubliken. Nähern sich russische Flugzeuge, ohne sich zu identifizieren, den Grenzen der baltischen Staaten, gibt die NATO das Kommando zum Start einer Alarmrotte.

Gebildet wird diese aus zwei bewaffneten Kampfjets, die innerhalb von 15 Minuten in der Luft sein müssen - das ist NATO-Vorgabe beim "Alpha Scramble" genannten Alarmstart. Russlands Verteidigungsministerium betonte, dass die Kampfjets der Luftabwehr rechtmäßig eine Übung über neutralen Gewässern der Ostsee absolviert hätten. Es seien keine Grenzen verletzt worden, teilte das Ministerium in Moskau mit.

Quelle: ntv.de, jhe/dpa

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