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Krieg in Syrien Russland fliegt erneut Angriffe in Grenznähe

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Am Dienstag schoss die türkische Armee einen russischen Kampfjet ab, einer der Piloten kam dabei ums Leben.

(Foto: AP)

Nach Angaben von syrischen Aktivisten greift die russische Luftwaffe in Syrien erneut Ziele nahe der türkischen Grenze an. Unterdessen verlangt Russlands Präsident Putin eine Bestrafung der "Verbrecher", die den russischen Kampfjet am Dienstag abgeschossen hatten.

Syrischen Aktivisten zufolge haben russische Kampfjets an der Grenze zur Türkei erneut Rebellen bombardiert. Sie hätten unter anderem eine Bergregion nahe der Küste angegriffen, in der Angehörige der ethnischen Minderheit der Turkmenen leben, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit.

Auch eine Verbindungsstraße zwischen dem Ort Asas und dem Grenzübergang Bab al-Salama sei beschossen worden. Über mögliche Opfer gab es keine Angaben. Den Aktivisten zufolge, die in Opposition zum Assad-Regime stehen, hatte Russlands Luftwaffe das Gebiet um Asas bereits am Vortag bombardiert und vier Menschen getötet.

Moskau unterstützt seit Wochen mit Luftangriffen das syrische Regime im Kampf gegen Rebellen und die Terrormiliz Islamischer Staat. Am Dienstag hatte die türkische Armee im Grenzgebiet ein russisches Kampfflugzeug abgeschossen. Die Türkei sieht sich als Schutzmacht der Turkmenen.

Zwei Versionen

Über die Hintergründe des Abschusses gibt es widersprüchliche Angaben. Die türkischen Streitkräfte erklärten, sie hätten die Piloten gewarnt und veröffentlichten entsprechende Funksprüche. Unter Berufung auf das Militär stellte die türkische Nachrichtenagentur DHA eine entsprechende Sprachaufnahme ins Netz. Auf der Aufnahme ist die mehrmalige Warnung zu hören, nach Süden abzudrehen.

Der überlebende Pilot des abgeschossenen Kampfjets widersprach der türkischen Darstellung. "Es gab keine Warnungen, nicht per Funk, nicht visuell, wir hatten überhaupt keinen Kontakt", sagte Konstantin Murachtin der Agentur Interfax zufolge. Nach russischer Darstellung wurde die Maschine am Dienstag über syrischem Gebiet abgeschossen, nach türkischer Darstellung über türkischem Territorium. Berichten zufolge soll sie aber mehrere Sekunden lang im türkischen Luftraum gewesen sein. Einer der beiden Piloten kam bei dem Vorfall ums Leben. Nach russischen Angaben wurde er am Boden beschossen und getötet.

Putin verlangt Bestrafung der "Verbrecher"

Heute reist der französische Präsident François Hollande zu Gesprächen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin nach Moskau. Putin bekräftigte im Vorfeld des Treffens seinen Willen zur Bildung einer breiten Anti-Terror-Koalition. "Es sollte endlich eine einheitliche mächtige Kraft entstehen, die die Handlungen des russischen Militärs unterstützt, die erfolgreich gegen Terroristengruppen in Syrien vorgeht", sagte er.

An der Türkei übte Putin erneut scharfe Kritik. "Wir halten solche verräterischen Stöße in den Rücken von jenen, die wir im Kampf gegen den Terror als Partner und Verbündeten sahen, für absolut unerklärlich", sagte der Präsident. In Russland entstehe der Eindruck, dass die türkische Führung die bilateralen Beziehungen bewusst in eine Sackgasse treibe. Er erwarte von "höchster militär-politischer Stelle" in Ankara eine Entschuldigung sowie Vorschläge für einen Schadenersatz und die Bestrafung der "Verbrecher".

Ministerpräsident Dmitri Medwedew sagte bei einer Kabinettssitzung, die Regierung solle nach dem "aggressiven Akt" ein "System von Antworten" erarbeiten, das sich unter anderem auf den Handel, Tourismus und den Flugverkehr beziehe. Landwirtschaftsminister Alexander Tkatschew hatte zuvor verschärfte Kontrollen landwirtschaftlicher Produkte aus der Türkei angekündigt.

Quelle: n-tv.de, hvo/dpa/AFP

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