Politik

Überfahrt bei schlechtem Wetter Schlepper bieten Winter-Rabatt

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Sie haben es geschafft: Ein Boot aus der Türkei legt auf der griechischen Insel Lesbos an.

(Foto: imago/ZUMA Press)

Mindestens 21 Flüchtlinge sind am Wochenende ertrunken, als sie versuchten, von der Türkei nach Griechenland überzusetzen. Weil die Überfahrt im Winter gefährlicher ist, senken Schlepper ihre Preise.

Schlepper in der Türkei bieten Flüchtlingen für die Überfahrt nach Griechenland einen Winter-Rabatt an. Das berichtet der britische "Independent".

"Im Sommer haben wir 1200 oder 1300 Euro pro Person genommen", sagte ein syrischer Schlepper namens Abu Fuad der Zeitung in der türkischen Küstenstadt Izmir. "Im Winter werden es 1000 oder 900 Euro sein – billiger, aber auch gefährlicher." Mindestens 21 Flüchtlinge sind am Wochenende in der Ägäis ertrunken, darunter mehrere Kinder.

Im Winter ist die Überfahrt über das Mittelmeer gefährlicher, weil es stürmischer ist und die See dadurch sehr viel unruhiger. Abu Fuad zufolge wollen die Schlepper trotzdem weiter die Schlauchboote oder abgetakelten Holzkähne einsetzen, mit denen sie auch im Sommer Flüchtlinge auf die griechischen Inseln fahren ließen.

Normalerweise, schreibt der "Independent", würden die Preise für Überfahrten im Winter steigen. Abu Fuad und zwei seiner Kollegen hofften jedoch, dass ihr Sonderangebot ärmere Flüchtlinge dazu verleitet, die riskante Fahrt zu wagen.

Das Blatt zitiert einen syrischen Flüchtling: "Sie sagen, der Preis liegt bei 900 Euro pro Person und dass wir nach sechs Stunden in Griechenland sind. Das ist viel billiger und viel länger als wir dachten." Obwohl der 25-Jährige sich Sorgen macht, will er die Überfahrt wagen: "Ich traue keinem von denen, aber wenn wir nichts besseres finden, werden wir das Angebot annehmen müssen."

Israelis retten Syrer und Iraker

Eine Gruppe israelischer Segler hat elf syrische und irakische Flüchtlinge aus dem Mittelmeer gerettet. Die israelische Nachrichtenseite ynet berichtete, sie hätten die Menschen im Bereich zwischen dem türkischen Badeort Kas und der griechischen Insel Kastelloriso vor dem Ertrinken bewahrt. Unter den Flüchtlingen, deren Boot gesunken war, seien auch vier Kinder gewesen.

"Wir haben ihnen Wasser gegeben und sie per Handy mit ihren Familien telefonieren lassen", erzählte der Kapitän Schlomo Asban. "Wir haben ihnen gesagt, dass wir Juden aus Israel sind, und sie haben uns geküsst und uns gedankt."

Eine junge Frau habe die Leiche ihres Babys bei sich getragen. "Die Mutter hat das tote Baby die ganze Nacht lang an sich gedrückt", erzählte Asban. Die Flüchtlinge seien später den griechischen Behörden übergeben worden, berichtete ynet.

Quelle: ntv.de, hvo/dpa