Politik

Der Kriegstag im Überblick Schoigu erklärt Kiews Offensive zum Debakel - Ungarn bestellt mehr Gas aus Russland

imago0167588310h.jpg

Die Ukraine beginnt ihre Offensive im Süden: Ein Wandgemälde in der Hauptstadt huldigt dem Kriegsmythos "Geist von Kiew".

(Foto: IMAGO/Ukrinform)

Die Ukraine startet ihre lange angekündigte Offensive im Süden. Es werden Frontdurchbrüche und heftige Kämpfe gemeldet. Der angeschlagene russische Verteidigungsminister Schoigu lässt mitteilen, der Vorstoß sei gescheitert. Die internationalen Atomexperten sind auf dem Weg nach Kiew und Ungarn bestellt mehr Gas aus Moskau. Der 187. Kriegstag im Überblick:

Südoffensive: Russen auf dem Rückzug

Das ukrainische Militär hat an der südlichen Front nach eigenen Angaben mit einer seit Langem erwarteten Gegenoffensive begonnen. Das zuständige Militärkommando rief die Zivilbevölkerung am Mittag dazu auf, Gebiete, in denen Kämpfe drohten, zu verlassen. Im Gebiet Cherson durchbrachen ukrainische Truppen die russischen Frontlinien, teilte die Pressesprecherin der Südgruppe der ukrainischen Armee, Natalija Humenjuk, mit. Einheiten der Donezker Separatisten und unterstützender russischer Marineinfanterie sollen demnach zum Rückzug gezwungen worden sein.

Bewohner sollen sich in Sicherheit bringen

Russische Medien berichteten von einem Aufruf in Nowa Kachowka. Demnach habe die regionale Militärverwaltung alle Bewohner des Ortes aufgerufen, in Kellern und Luftschutzbunkern Schutz zu suchen. Die Stadt würde massiv durch ukrainische Truppen beschossen, heißt es. Nowa Kachowka zählt vor dem Krieg gut 45.000 Einwohner. Die Stadt liegt etwa 65 Kilometer östlich der Großstadt Cherson.

Neuerliche Angriffe auf Brücke von Cherson

Am Abend meldete das ukrainische Militär die Rückeroberung der Ortschaft Sukhyi Stavok. Auch russische Social-Media-Accounts bestätigen dies. Zahlreiche unbestätigte Berichte wiesen darauf hin, dass sich russische Truppen aus ihren Stellungen zurückziehen. Auch Angriffe auf die Antoniwkabrücke in Cherson und die von den Russen angelegte Pontonbrücke wurden gemeldet.

Verteidigungsministerium in Moskau: "Erbärmlich gescheitert"

Nach russischer Darstellung blieben die ukrainischen Offensiven im Süden des Landes ohne Erfolg. Die ukrainischen Soldaten hätten bei ihren Vorstößen in den Regionen Mykolajiw und Cherson signifikante Verluste erlitten, zitierte die Nachrichtenagentur RIA das Verteidigungsministerium in Moskau. "Die versuchte Offensive des Feindes ist erbärmlich gescheitert", hieß es weiter.

London: Schoigu verliert Respekt

Aus Sicht britischer Geheimdienste befindet sich Russlands Verteidigungsminister Sergej Schoigu zunehmend in einer Position der Schwäche. Es sei wahrscheinlich, dass Offiziere und Soldaten den Minister wegen eines ineffektiven und realitätsfernen Führungsstils nicht mehr ernst nähmen, hieß es in einem Bericht, der in London veröffentlicht wurde. Schoigu habe den Großteil seiner Karriere vor der Berufung zum Minister im Bausektor und anderen Bereichen verbracht. Ihm fehle militärische Erfahrung.

Es sei sehr wahrscheinlich, dass der russische Präsident Wladimir Putin und Schoigu mindestens sechs Generäle entlassen hätten, weil ihnen der Vormarsch nicht schnell genug gegangen sei, hieß es in der Mitteilung weiter. Die Frage ist, wie viele Entlassungen es noch geben wird, bis Schoigu selbst auf der Abschussliste des Kreml-Chefs landet.

Ukrainischer Kollaborateur erschossen

Ein zu Russland übergelaufener ukrainischer Abgeordneter wurde in der besetzten Südukraine ermordet aufgefunden. Der Parlamentarier Olexij Kowaljow sei vorläufigen Erkenntnissen zufolge in seinem Haus erschossen worden, teilten die russischen Strafermittlungsbehörden im Nachrichtenkanal Telegram mit. Auch die Freundin des 33-Jährigen sei dem Anschlag zum Opfer gefallen. Ukrainischen Angaben nach starb sie infolge einer Messerverletzung im Krankenhaus. Bereits Anfang Juni hatte die Ukraine Kowaljow wegen Hochverrats angeklagt. Einen Sprengstoffanschlag hatte er noch überlebt.

Saporischschja-Inspekteure auf dem Weg

Die Experten der Internationalen Atomenergie-Behörde (IAEA) werden nach Angaben des ukrainischen Außenministeriums in Kiew erwartet. Sie seien aus Wien aufgebrochen, schrieb ein Sprecher des Ministeriums am späten Nachmittag auf Facebook. Die US-Regierung begrüßte die anstehende Inspektion des russisch besetzten Kernkraftwerks Saporischschja. Der Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrates, John Kirby, appellierte an Russland, den Inspektoren einen sicheren und ungehinderten Zugang zu gewähren. Erneut plädierte Kirby dafür, eine entmilitarisierte Zone rund um das Kraftwerk einzurichten.

Russland muss viel Gas abfackeln

Russland dürfte nach Einschätzung des Chefs der Internationalen Energieagentur IEA, Fatih Birol, in den kommenden Monaten verstärkt Gas abfackeln, da sich die Gasspeicher des Landes immer mehr füllten. Dennoch werde Russland die Energieschlacht nicht gewinnen, sagte Birol auf einer Veranstaltung in Norwegen. Russland habe weltweit unter den Kunden viel Vertrauen verloren. Russland hat im Zuge des Ukraine-Kriegs seine Gasexporte gen Westen reduziert.

Ungarn verhandelt mit Gazprom

Im Gegensatz zu anderen EU-Staaten bemüht sich die ungarische Regierung um eine Erhöhung der Gaslieferungen aus Russland. "Es gibt ein Angebot, um die Gaslieferungen zu erhöhen", sagte der ungarische Außenminister Peter Szijjarto. "Wir werden uns in den nächsten Tagen mit Gazprom abstimmen." Der russische Energieriese Gazprom hatte Mitte August seine Lieferungen an Ungarn über die Turkstream-Pipeline bereits erhöht. Ungarn ist zu etwa 85 Prozent von russischem Gas abhängig.

Tschechien und Deutschland machen Panzer-Ringtausch perfekt

Deutschland und Tschechien brachten beim Prag-Besuch von Bundeskanzler Olaf Scholz den geplanten Waffen-Ringtausch zugunsten der Ukraine unter Dach und Fach. Er habe den Ringtausch jetzt "ganz konkret" mit dem tschechischen Regierungschef Petr Fiala besprochen, sagte Scholz nach einem Treffen mit Fiala in Prag. Tschechien habe T72-Kampfpanzer aus sowjetischer Produktion an die Ukraine abgegeben und erhalte dafür von Deutschland 14 "Leopard"-Panzer und einen Bergepanzer "Büffel".

Scholz plädiert für europäische Luftabwehr

Scholz kündigte in Prag an, gemeinsam mit europäischen Nachbarn ein neues Luftverteidigungssystem aufbauen zu wollen. Als wahrscheinliche Option gilt bei der Bundeswehr die Anschaffung des israelischen Systems Arrow 3.

Weitere Texte zum Ukraine-Krieg:

Alle weiteren Entwicklungen können Sie in unserem Liveticker nachlesen.

Quelle: ntv.de, mau/dpa/rts

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen