Politik

Ab wann sind Reiche reich? Scholz nennt sich "Sehrgut-Verdiener"

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Scholz fordert Steuern für Leute, die so viel verdienen wie er.

(Foto: imago images/Jan Huebner)

SPD-Spitzenmann Olaf Scholz kommt bei Fragen zur Selbsteinschätzung seiner wirtschaftlichen Lage ein wenig ins Schwimmen. Nachdem er sich mit einem monatlichen Salär von mindestens 15.000 Euro zunächst als nicht reich bezeichnet, findet er jetzt eine Kompromiss-Formulierung.

Vizekanzler Olaf Scholz hat sich auf Twitter als "Sehrgut-Verdiener" bezeichnet. Damit reagierte der Finanzminister und SPD-Kanzlerkandidat auf Kritik an einer Äußerung am Sonntagabend in der ARD-Sendung "Bericht aus Berlin".

Nach der Sendung beantwortete Scholz noch 20 Minuten lang Zuschauerfragen. Scholz antwortete auf die Frage, wie reich er persönlich sei: "Ich verdiene ganz gut, als reich würde ich mich nicht empfinden." Der Moderator hakte noch mit einem Seitenhieb auf CDU-Mann Friedrich Merz nach: "Obere Mittelschicht?" Scholz entgegnete: "Nein, so viel Geld wie derjenige, der das für sich qualifiziert hat, verdiene ich nicht und habe ich auch nicht als Vermögen."

Zahlreiche Internet-Nutzer sehen dies anders. Scholz, der - ohne Zuschläge - mehr als 15.000 Euro im Monat verdient, sei durchaus als reich zu bezeichnen, heißt es in Kommentaren unter dem ARD-Beitrag in den sozialen Medien. Dem SPD-Politiker wird unter anderem "Realitätsschwund" vorgehalten, schließlich gehöre er mit seinen Einkünften zur Spitzenverdiener-Gruppe.

Scholz will Steuererhöhungen für Reiche

Der SPD-Politiker schrieb nun dazu: "Um meine Sicht mal klarzustellen: Als Vizekanzler gehöre ich zu den Sehrgut-Verdienern in unserem Land - jede/r kann nachlesen, wie gut." Und weiter: "Und auch, dass wir höhere Sätze für Sehrgut-Verdiener wollen. Also auch für mich. Weil es gerecht ist. Dafür stehe ich als Kanzlerkandidat."

Ende August hatte Scholz für den Fall eines Wahlsiegs Steuererhöhungen für Besserverdienende angekündigt. Er hatte vorgeschlagen, Einkommen von jährlich über 200.000 Euro stärker zu besteuern. Besserverdienende sollten "einen etwas größeren Beitrag als heute zur Finanzierung des Gemeinwesens leisten", hatte er der "Welt am Sonntag" gesagt. Dabei gehe es weniger darum, die Steuereinnahmen des Staates zu erhöhen, sondern in erster Linie um Leistungsgerechtigkeit.

Die Aussagen Scholz zu Merz beziehen sich auf eine Debatte von vor zwei Jahren. Merz hatte sich damals als Angehöriger der "gehobenen Mittelschicht" bezeichnet. Später gab er dann an, jährlich "rund eine Million Euro" zu verdienen. Auch Merz wurde daraufhin vorgeworfen, abgehoben zu sein.

Quelle: ntv.de, jog/dpa