Politik

Tories suchen neuen Premier Sie wollen Cameron beerben

David Cameron hinterlässt nach verlorenem Brexit-Votum ein Machtvakuum. Boris Johnson will es nicht füllen, es verbleiben fünf Kandidaten für die Führung von Partei und Regierung - mit unterschiedlichen Chancen.

Nach einem Donnerstagvormittag in London voller Überraschungen hat der scheidende britische Premierminister David Cameron fünf Anwärter auf seine Nachfolge als Chef der regierenden Konservativen und damit auch als Regierungschef. Nicht dabei ist der ursprüngliche Favorit Boris Johnson. Das Bewerberfeld wird nun zunächst per Abstimmung der Tory-Abgeordneten verkleinert. Über die verbleibenden zwei Kandidaten sollen dann die rund 150.000 Parteimitglieder per Briefwahl abstimmen. Voraussichtlich am 9. September soll der neue Regierungschef bekannt gegeben werden. Diese Kandidaten stehen zur Wahl:

Theresa May

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(Foto: imago/i Images)

May steht seit sechs Jahren an der Spitze des Innenministeriums. In der Einwanderungspolitik gilt sie als Verfechterin einer harten Linie, in der Vergangenheit hatte sie sich mit einer EU-skeptischen Haltung profiliert. Vor dem Brexit-Referendum warb sie für einen Verbleib Großbritanniens, spielte aber während der Kampagne keine prominente Rolle. May könnte sich der zerstrittenen Partei als Figur des Ausgleichs empfehlen. Ihr Stil in Politik- wie auch in Kleidungsfragen brachte ihr Vergleiche mit der "eisernen Lady" Margaret Thatcher ein, der bislang einzigen britischen Premierministerin.

Michael Gove

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(Foto: dpa)

Der 48-jährige Justizminister hat mit seiner Kandidatur für die Nachfolge des scheidenden Premierministers für eine Überraschung gesorgt. Der ehemalige "The Times"-Journalist war unter Cameron bis 2014 Bildungsminister, nach der Wahl 2015 leitete er das Justizressort. Gove ist ein enger Freund und langjähriger Weggefährte Camerons - seine Entscheidung, dem Brexit-Lager beizutreten, war ein schwerer Schlag für den Tory-Chef. Im Gespann mit Brexit-Wortführer Boris Johnson galt Gove als der nüchternere, intellektuellere Vertreter der "Leave"-Kampagne. Sein Überraschungscoup dürfte ein Grund für den Verzicht Johnsons auf seine eigene Kandidatur ein.

Stephen Crabb

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(Foto: dpa)

Auch wenn er als erster seine Kandidatur bekannt gab, werden dem 43-jährigen Arbeitsminister wenige Chancen auf Camerons Nachfolge eingeräumt. Der Befürworter für einen EU-Verbleib ist erst seit dem Rücktritt von Iain Duncan Smith im März im Amt, davor war er als Minister für Wales zuständig. Crabb stammt aus Wales, er wuchs als Sohn einer alleinerziehenden Mutter in einer Sozialwohnung auf - ein ungewöhnlicher Lebenslauf in einer Partei, die von manchen als elitär kritisiert wird. Seine Kollegen schätzen den bekennenden Christen als liebenswürdig und gewissenhaft, zweifeln aber an seinen Führungsqualitäten.

Liam Fox

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(Foto: AP)

Der ehemalige Verteidigungsminister und notorische Euroskeptiker gehört dem rechten Lager der Tories an. 2011 musste er wegen zweifelhafter Beziehungen zu einem befreundeten Lobbyisten sein Amt niederlegen. Vor elf Jahren hatte sich Fox schon einmal für das Amt des Premierministers beworben, den Sieg trug allerdings Cameron davon. Der 54-jährige ehemalige Arzt gilt als Außenseiter, kann aber auf die Unterstützung einiger Hardliner bei den Tories zählen.

Andrea Leadsom

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Die Staatsekretärin im Energieministerium kündigte ihre Kandidatur auf Twitter unter dem Hashtag #FreshStart (Neustart) und mit der Aufforderung an, das "Beste aus den Möglichkeiten des Brexit" zu machen. Die 53-jährige ehemalige Bankerin und Fondsmanagerin gehörte zu den führenden Vertreter des "Leave". Nach dem Votum vom 23. Juni rief sie zur Feier von Großbritanniens "Unabhängigkeit" auf.

Quelle: n-tv.de