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Kliniken gegen feste Quote Spahn verordnet Herzchirurgie mehr Pfleger

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Auf Intensivstationen gelten die strengen Pflegequoten bereits. Nun sollen auch andere Abteilungen mehr Pfleger pro Patient garantieren müssen, plant Gesundheitsminister Spahn.

(Foto: picture alliance/dpa)

Krankenhäuser müssen künftig eine Mindestbesetzung mit Pflegekräften garantieren. Gesundheitsminister Spahn plant solche Personaluntergrenzen nun auch für Herzchirurgie und Neurologie. Die Kliniken fürchten, dass sie die Vorgaben nicht erfüllen können und deshalb Betten stilllegen müssten.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will die Personalvorgaben für Krankenhäuser verschärfen, damit Klinik-Patienten künftig in weiteren wichtigen Abteilungen auf eine feste Mindestbesetzung mit Pflegekräften zählen können. Zum 1. Januar 2020 sollen verpflichtende Untergrenzen auch für Herzchirurgie, Neurologie, neurologische Frührehabilitation und in Spezialstationen für Schlaganfall-Patienten ("Stroke Unit") kommen. Das sieht ein Verordnungsentwurf des CDU-Politikers vor. Die Verordnung war notwendig geworden, weil Vertreter der Krankenkassen und Klinken sich untereinander nicht auf neue Untergrenzen einigen konnten.

"Eine angemessene Personalausstattung in der Pflege im Krankenhaus ist für die Qualität der Patientenversorgung und die Arbeitssituation der Beschäftigten unabdingbar", heißt es in dem Entwurf des Ministers. Die Zahl der Pfleger habe zwar deutlich zugenommen, dies habe aber mit dem wachsenden Bedarf nicht Schritt halten können. Die Untergrenzen sollen für Bereiche der Krankenhäuser gelten, in denen Patienten besonders auf Pflege angewiesen sind.

Quoten gelten bereits für Intensivstationen: Kliniken fürchten Stilllegungen

Bereits seit diesem Jahr gelten solche Vorgaben für Intensivstationen sowie Abteilungen für Kardiologie, Geriatrie und Unfallchirurgie. Konkret soll die neue Verordnung zum Beispiel vorschreiben, dass in Intensivstationen in der Tagschicht eine Pflegekraft für höchstens 2,5 Patienten da sein muss, nachts für 3,5 Patienten. Ab 1. Januar 2021 soll sich tagsüber eine Pflegekraft um höchstens zwei Patienten kümmern, nachts um maximal drei. Dabei gilt in der Regel die Zeit von 6.00 Uhr bis 22.00 Uhr als Tagschicht.

In der Neurologie für die Behandlung von Nerven-Erkrankungen soll ab 1. Januar 2020 tagsüber eine Pflegekraft für höchstens zehn Patienten da sein, nachts für bis zu 20 Patienten. In der Herzchirurgie soll sich tagsüber eine Pflegekraft um bis zu sieben Patienten kümmern, nachts um 15 Patienten. Geregelt wird auch, dass überwiegend höher qualifizierte Fachkräfte präsent sein müssen. Der Anteil von Hilfskräften darf in Intensivstationen vorerst noch bis zu acht Prozent betragen - ab 2020 dürfen es nur noch Fachkräfte sein.

Die Grenzen sind in der Branche umstritten. Einerseits sollen sie die Behandlungsqualität der Patienten sichern, andererseits legen Klinken nun vielfach Betten aus Personalmangel still und können deshalb weniger Patienten versorgen. Nach einer Umfrage der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) mussten 37 Prozent der Kliniken schon Betten auf Intensivstationen unbesetzt lassen, um die Grenzen einhalten zu können. Die DKG warnte vor Einschränkungen bei der Versorgung besonders bei der flächendeckenden Notfallversorgung.

Quelle: n-tv.de, mau/dpa/AFP

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