Politik

Weiterer Schritt auf Karriereleiter Spahn wird Finanz-Staatssekretär

Jens Spahn könne einem manchmal ganz schön auf die Nerven gehen, sagte Wolfgang Schäuble einmal. Aber der Bundesfinanzminister schätzt den 35-Jährigen dennoch sehr. Nun wird Spahn Parlamentarischer Staatssekretär bei Schäuble.

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Jens Spahn sitzt bereits im CDU-Präsidium.

(Foto: picture alliance / dpa)

Jens Spahn ist ein Politprofi, trotz seiner erst 35 Jahre. Seit fast 13 Jahren sitzt der CDU-Politiker schon im Bundestag. Er gilt als ausgewiesener Gesundheitsexperte. Der gelernte Bankkaufmann hat sich aber auch als Finanzpolitiker profiliert und ist stellvertretendes Mitglied im Haushaltsausschuss des Bundestags. Jetzt setzt Spahn, der einer der profiliertesten jungen Unionspolitiker ist, zu einem weiteren Karrieresprung an: Er soll Parlamentarischer Staatssekretär ins Bundesfinanzministerium werden.

Spahn soll dort Nachfolger von Steffen Kampeter werden, der kommende Woche zur Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) wechseln will. Von seinem künftigen Chef Wolfgang Schäuble bekam Spahn schon vor einiger Zeit Vorschusslorbeeren. Spahn sei ihm "als einer der Streitlustigeren in der Partei und im Parlament aufgefallen", sagte der Finanzminister im vergangenen November in einem gemeinsamen Interview mit dem "Spiegel". "Damit kann er einem manchmal ganz schön auf die Nerven gehen, aber das gefällt mir."

Von Schäuble erhielt Spahn damals auch Rückendeckung für seine Kampfkandidatur um einen Posten im CDU-Präsidium. Spahn setzte sich auf dem Parteitag im Dezember durch - von der Parteispitze war das so zunächst nicht vorgesehen. Doch mit einem unermüdlichen Wahlkampf in eigener Sache, unzähligen Interviews und einem engagierten Auftritt vor den Parteitagsdelegierten konnte Spahn schließlich genug Unterstützung gewinnen. Spahn steht für eine Verjüngung der CDU-Spitze, aber auch für mehr Wirtschaftsfreundlichkeit der Partei.

Einnahme von markanten Positionen

Geboren und aufgewachsen ist Spahn im nordrhein-westfälischen Ahaus. Der Heimat fühlt er sich noch immer tief verbunden - und versammelt auch in Berlin Exil-Münsterländer regelmäßig zu Sommerfesten und Grünkohlessen. Bodenständigkeit und Lokalpatriotismus verknüpft Spahn mühelos mit Weltoffenheit und Fortschrittsbegeisterung. Er schwärmt von Reisen nach Spanien oder Australien, er bloggt, twittert und sendet auf "spahntv".

Der Mann mit der auffälligen Brille nimmt gerne markante Positionen ein. Als Querulant will der Münsterländer dabei nicht gesehen werden, eher als konsequenter Verfechter seiner Überzeugungen. Der bekennende Schwule machte sich in der Gruppe "Wilde 13" für die steuerliche Gleichstellung der Homo-Ehe stark, er wettert gegen die Burka und forderte eine Reform des Wahlrechts zu Gunsten der jüngeren Generation. Und er gehört zu denen in der CDU, die immer mal wieder den Aufstand gegen zu viel Sozialdemokratisierung der Partei wagen und eine Reformagenda 2020 fordern.

Als nach dem Referendum der Iren Anfang Juni auch in Deutschland die Debatte über die Homo-Ehe neu entbrannte, sprach sich Spahn vehement für eine Öffnung der Ehe auch für homosexuelle Paare aus - und stellte sich damit gegen die offizielle Position der CDU-Spitze.

"Politik ist keine Frage des Alters"

Inhaltliche Überzeugung, Lust an der Rebellion und Spaß am Spiel mit der Öffentlichkeit mischen sich bei Spahn. Geschmerzt haben dürfte ihn, dass er bei der Postenvergabe nach der Bundestagswahl zunächst leer ausging - dabei war er durchaus einmal als möglicher Gesundheitsminister gehandelt worden. Um die Gesundheitspolitik kümmert er sich seit seinem Einzug in den Bundestag. Nicht nur auf diesem Feld fühlt er sich den Interessen der jungen Generation verpflichtet. Er fordert auch Generationengerechtigkeit bei Finanz- und Haushaltsfragen.

Seine Expertise kann Spahn nun im Bundesfinanzministerium unter Beweis stellen. Als Newcomer sieht er sich jedenfalls nicht mehr. "Politik ist keine Frage des Alters, sondern eine Frage von starken Nerven", schrieb Spahn schon 2011 in einem Beitrag für seinen Blog.

Quelle: n-tv.de, Ellen Hasenkamp und Andrea Hentschel, AFP