Politik
Bundesweit gehen fast inzwischen fast alle Kinder in eine Kita.
Bundesweit gehen fast inzwischen fast alle Kinder in eine Kita.(Foto: dpa)
Mittwoch, 29. Juni 2016

Klassenprimus Baden-Württemberg: Studie: Bundesweit fehlen 107.000 Erzieher

Die Betreuung der Kinder in Krippen und Kitas steht und fällt mit ausreichend qualifiziertem Personal. Und hier sieht die Bertelsmann-Stftung teils noch erheblichen Nachholbedarf. Das beste Zeugnis bekommt ein von Grünen regiertes Land.

Bundesweit fehlen nach Erhebung der Bertelsmann-Studie 107.000 vollzeitbeschäftigte Fachkräfte in Kitas und Krippen. Nur so ließe sich der als pädagogisch sinnvoll erachtete Personalschlüssel verwirklichen. So empfiehlt der "Ländermonitor Frühkindliche Bildungssysteme", dass in Kitas eine Erzieherin 7,5 Kinder und in Krippen 3 Kinder betreut. Die erforderlichen Zusatzkosten geben die Studienmacher mit jährlich 4,8 Milliarden Euro an. Dies wären knapp 30 Prozent höhere Kosten als derzeit.

"Bundeseinheitliche Rahmenbedingungen für Kitas sind für mehr Chancengerechtigkeit notwendig. Die Akteure im Kita-System müssen sich dafür auf kindgerechte Standards für die Personalausstattung verständigen. Deren Finanzierung erfordert eine gewaltige Kraftanstrengung, die von Bund, Ländern, Kommunen, Trägern und Eltern nur gemeinsam zu stemmen ist“, sagt Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung.

Ein Viertel der Zeit nicht für Kinder

Bundesweit Spitzenreiter bei der Personalausstattung im Bereich frühkindlicher Bildung ist Baden-Württemberg. Während in den Kindergärten eine Fachkraft rechnerisch 7,3 Kinder betreut, ist sie in Krippen für drei Kinder unter drei Jahren zuständig, wie aus dem Ländermonitor der Bertelsmann Stiftung hervorgeht. Schlusslicht ist im Bereich der Kitas Mecklenburg-Vorpommern (1:14,1) und bei den Krippen Sachsen (1:6,4). Im Vergleich zur vorhergehenden Erhebung hat sich der Betreuungsschlüssel bundesweit verbessert.

Der Studie zufolge war zum Stichtag 1. März 2015 in Kindergärten eine vollzeitbeschäftigte Fachkraft für durchschnittlich 4,3 ganztags betreute Krippen- oder 9,3 Kindergartenkinder zuständig. Vor drei Jahren kamen auf eine Erzieherin noch 4,8 Krippen- beziehungsweise 9,8 Kindergartenkinder. Die Studienmacher werten dies als Verbesserung der Qualität bei gleichzeitigem Ausbau der Plätze.

Allerdings verdecke der rechnerisch ermittelte Personalschlüssel das tatsächliche Betreuungsverhältnis im Kita-Alltag. Denn den Studienmachern zufolge wird mindestens ein Viertel der Arbeitszeit für Team- und Elterngespräche, Dokumentation und Fortbildung aufgewendet. Darüber hinaus verzerrten zunehmend längere Betreuungszeiten sowie längere Öffnungszeiten der Kitas die Betreuungsrelationen. "Der Kita-Besuch allein verbessert nicht die Bildungschancen der Kinder. Es kommt auf die Qualität der Angebote an", sagte Dräger.

Ost-West-Gefälle

Mit Blick auf die einzelnen Bundesländer haben sich im Vergleich zu 2012 die Betreuungsschlüssel in Kitas vor allem in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Hamburg und Nordrhein-Westfalen verbessert. Dagegen stagnierten sie in Brandenburg und Thüringen. Im Bereich der Krippen haben Sachsen-Anhalt und Hamburg den Personalschlüssel am stärksten verbessert. Unverändert blieb das Verhältnis von Kind und Betreuer dagegen in Thüringen und im Saarland. In Bremen habe sich die Situation sogar leicht verschlechtert.

Einmal mehr macht die Erhebung das große Ost-West-Gefälle deutlich. Ist eine ostdeutsche Erzieherin für 6,1 Krippenkinder zuständig, muss ihre westdeutsche Kollegin im Schnitt nur für 3,6 Kleinkinder betreuen. Immerhin besuchen zwischen Kap Arkona und Fichtelberg 47 Prozent der unter Dreijährigen eine Krippe, während im Westen nur knapp jedes vierte Kind derartige Einrichtungen besucht. Ähnliche Unterschiede macht die Studie beim Kita-Personalschlüssel zwischen Ost und West aus (1:8,6 und 1:12,3). Allerdings besuchen bundesweit fast alle Kinder in allen Bundesländern eine Kita.

Bundesweit waren der Studie zufolge zum Stichtag bundesweit knapp 374.000 Erzieher in Krippen und Kitas beschäftigt.

Quelle: n-tv.de