Politik

Nach Dementi nun doch Taliban benennen neuen Anführer

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Haben die Taliban einen neuen Anführer? Die afghanischen Sicherheitskräfte sind unruhig und filzen jeden, der des Wegs kommt.

(Foto: REUTERS)

Der Anführer ist tot, das bestätigen jetzt auch die Taliban. Jedenfalls ein Teil der zerstrittenen Bewegung. So wie es unterschiedliche Vorstellungen über die Nachfolge gibt. Die Friedensgespräche mit der afghanischen Regierung sind vorerst abgebrochen.

Die Taliban haben nun doch bestätigt, dass ihr langjähriger Anführer Mullah Omar tot ist. Das berichtet die Nachrichtenagentur AP unter Berufung auf "Quellen". Auch der in Katar ansässige arabische Nachrichtensender Al-Dschasira berichtet, die Taliban hätten den Tod ihres Chefs eingeräumt.

Auch ein neuer Chef soll bereits gewählt worden sein. Sein Name lautet Mullah Akhtar Mansur. Er war vier Jahre lang der Stellvertreter Omars. Talibanvertreter aus Kandahar bestätigten die Personalie. Mansur war bisher der politische Führer der Taliban und ein Befürworter der Friedensgespräche mit der afghanischen Regierung.

Diese Friedensgespräche stehen jetzt offenbar auf der Kippe. Ein Sprecher sagte, die Führung der Taliban sei von keiner neuen Gesprächsrunde unterrichtet worden. Nur über Medien habe man vernommen, dass bald eine zweite Runde in China oder Pakistan beginnen solle.

Talibangruppen zerstritten

Fraglich ist, ob die Taliban mit einer Stimme sprechen. Verschiedene Gruppierungen innerhalb der radikalislamischen Bewegung sind zerstritten. Der neuen Todesnachricht, die am Mittwoch um die Welt ging, hatten Sprecher aus Afghanistan widersprochen. Reuters berichtet, ein ranghoher Kommandeur in Pakistan habe gesagt, eine Fraktion wolle einen von Mullah Omars Söhnen zum Anführer machen. Omar wurde in der Vergangenheit schon öfter totgesagt, was sich dann als unwahr herausstellte.

Die jüngste Meldung war von der afghanischen Regierung als glaubwürdig eingestuft worden. Die USA stimmten dieser Einschätzung zu. Demnach war Mullah Omar bereits vor mehr als zwei Jahren - vermutlich im April 2013 - in einem Krankenhaus im pakistanischen Karatschi gestorben. Seine letzten Jahre soll der Afghane im Untergrund in Pakistan verbracht haben. Die italienische Agentur Ansa meldet unter Verweis auf den TV-Sender 1TvNews, es gebe auch Berichte, dass Omar ermordet worden sei.

In Afghanistan breiten sich die Taliban nach dem Rückzug der meisten dort stationierten amerikanischen Truppen wieder aus. In der für ihre Opium-Produktion bekannten Provinz Helmand eroberten die Kämpfer nach Angaben der Provinz-Verwaltung nach zweitägigen Kämpfen den Bezirk Now Sad.

Die Taliban werden inzwischen auch vom Islamischen Staat (IS) herausgefordert, der ebenfalls nach Zentralasien strebt.Mitte Juni warnte Mansur IS-Chef Abu Bakr al-Baghdadi in einem Brief, sich nicht in den Heiligen Krieg der Taliban in Afghanistan einzumischen.

Quelle: ntv.de, nsc