Politik

In Paris beim Weltkriegsgedenken Trump erinnert Europäer an Nato-Ausgaben

ed944edd940adc33d07d1f820be613fc.jpg

Trump und Macron in Paris.

REUTERS

Seinen Paris-Besuch beginnt US-Präsident Trump mit einer Verbalattacke gegen Gastgeber Macron. Bei ihrem Zusammentreffen im Élyséepalast demonstrieren die beiden Präsidenten dann aber Einigkeit.

Seinen Paris-Besuch hat US-Präsident Donald Trump für eine scharfe Attacke auf seinen Gastgeber, den französischen Präsidenten Emmanuel Macron, genutzt. Unmittelbar nach der Landung seiner Regierungsmaschine Air Force One äußerte sich Trump zu Macrons Vorschlag, eine eigene europäische Armee zum Schutz vor Russland aufzubauen. "Sehr kränkend", schrieb Trump auf Twitter. "Vielleicht sollte Europa zuerst seinen gerechten Anteil an der Nato bezahlen, die die USA erheblich bezuschussen!"

Macron hatte dem Sender Europe 1 am vergangenen Dienstag gesagt, Europa müsse sich gegen Russland militärisch wappnen und dazu eine eigene Armee aufstellen. Die Europäer dürften sich bei ihrer Sicherheit nicht nur auf die USA verlassen. In einer anderen Antwort - in der es nicht um den Aufbau der von Macron vorgeschlagenen Armee ging - hatte der französische Präsident gesagt, die Europäer müssten sich gegen Russland, China und sogar gegen die USA schützen.

Er sei für ein "starkes Europa" und wolle den europäischen Verbündeten dabei helfen, sicherte Trump bei seiner Begrüßung durch Macron im Élyséepalast zu. Allerdings müsse Europa  seinen fairen Beitrag bei der Verteilung der Lasten innerhalb der NATO leisten. "Derzeit geht die Verteilung weitgehend zu Lasten der Vereinigten Staaten", klagte Trump. Abseits dessen müssten beide Seiten ein Interesse an mehr Effizienz bei den Verteidigungsausgaben haben.

Macron unterstützte Trumps Forderungen. Im Élyséepalast sagte er: "Es ist unfair, dass die europäische Sicherheit heute nur durch die Vereinigten Staaten gewährleistet ist. Deshalb glaube ich, dass wir mehr europäische Kapazitäten, mehr europäische Verteidigung brauchen." Frankreichs Präsident äußerte sich auch zu seinem Vorstoß, zum Schutz vor Russland eine europäische Armee aufzubauen. "Ich teile die Ansicht von Präsident Trump, dass wir eine viel bessere Lastenverteilung innerhalb der Nato brauchen. Und deshalb glaube ich, dass meine Vorschläge für eine europäische Verteidigung damit vollständig übereinstimmen, weil das mehr Europa innerhalb der Nato bedeutet."

Zuvor hatte Macron bereits Verständnis für Trump geäußert. Er sei der Meinung, dass Europa mehr Verantwortung für seine eigene Sicherheit übernehmen müsse, sagte der französische Präsident. Er werde sich mit Trump über die Lastenverteilung innerhalb der Nato ebenso austauschen, wie über Fragen der Entwicklung von strategischen militärischen Fähigkeiten in Europa. Trump wirft europäischen Nato-Verbündeten seit Langem vor, nicht genug für ihren eigenen Schutz auszugeben und sich stattdessen auf die USA zu verlassen.

Gedenken im Wald

Der US-Präsident ist zu den Feierlichkeiten zum Ende des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren nach Paris gereist. Daran nehmen auch Bundeskanzlerin Angela Merkel, der russische Präsident Wladimir Putin, der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan und zahlreiche weitere Staats- und Regierungschefs teil. Macron und Merkel gedenken am Nachmittag gemeinsam des Endes des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren. Sie fahren zu einer Gedenkstätte in die Nähe der nordfranzösischen Stadt Compiègne, wo am 11. November 1918 auf einer Waldlichtung der Waffenstillstand in einem umgebauten Speisewagen unterschrieben worden war.

Am Sonntag beginnt dann der "Weltkriegs-Gipfel" in Paris. Höhepunkt wird eine große Gedenkfeier im Schatten des Pariser Triumphbogens sein. Am Nachmittag besucht die Kanzlerin ein Friedensforum, bei dem sie die Eröffnungsrede hält.

Das Spitzentreffen in Paris sei spannungsgeladen, meinten Diplomaten. Zu Verstimmungen zwischen den USA auf der einen und Frankreich und Deutschland auf der anderen Seite kam es spätestens mit Trumps einseitigem Ausstieg aus dem Atomabkommen mit dem Iran. Zudem entfachte Trump einen Handelskonflikt mit der EU und stieg aus dem Weltklimaabkommen aus. Für Trump ist es die erste Auslandsreise nach den US-Kongresswahlen.

Quelle: n-tv.de, sba/dpa/rts

Mehr zum Thema