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Ein Foto aus besseren Tagen: US-Präsident Trump (rechts) und Justizminister Sessions.
Ein Foto aus besseren Tagen: US-Präsident Trump (rechts) und Justizminister Sessions.(Foto: dpa)
Donnerstag, 20. Juli 2017

Sessions "extrem unfair": Trump geht auf Distanz zu Justizminister

Er gilt als ein früher Unterstützer von Trump - nun muss Justizminister Jeff Sessions harsche Kritik des Präsidenten einstecken. Er bedauere, Sessions überhaupt nominiert zu haben, sagt Trump. Grund sei dessen Haltung zu den Russland-Ermittlungen.

US-Präsident Donald Trump ist öffentlich auf Distanz zu seinem Justizminister Jeff Sessions gegangen. In einem Interview der "New York Times" drückte Trump im Nachhinein sein Bedauern aus, Sessions überhaupt für den Posten nominiert zu haben. Hintergrund ist die Entscheidung des Justizministers vom März, sich wegen Befangenheit aus den Russland-Ermittlungen des FBI rauszuhalten. Trump erhob zudem neue Vorwürfe gegen den ehemaligen FBI-Chef James Comey, den er im Mai gefeuert hatte.

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Der Präsident steht wegen der Russland-Affäre schwer unter Druck. Ein Sonderermittler und mehrere Kongressausschüsse untersuchen, ob es Absprachen zwischen Vertretern aus Trumps Wahlkampflager und Russland gab. US-Geheimdienste beschuldigen den Kreml seit Längerem, sich gezielt in den Wahlkampf eingemischt zu haben, um Trump zu helfen und seiner Konkurrentin Hillary Clinton zu schaden.

Sessions hatte sich während des Wahlkampfes mit dem russischen Botschafter Sergei Kisljak getroffen. In einer Anhörung verneinte er solche Kontakte aber unter Eid. Deswegen erklärte er im März, sich aus den Ermittlungen des FBI raushalten zu wollen. Als Justizminister hat er die Aufsicht über die Bundespolizei.

Trump kritisierte seinen Minister mit harschen Worten. "Sessions hätte sich niemals wegen Befangenheit zurückziehen sollen, und wenn er sich zurückziehen wollte, hätte er es mir sagen sollen, bevor er den Job angenommen hat. Dann hätte ich jemand anderen ausgewählt", sagte der Präsident der "New York Times".

Bruch mit früherem Unterstützer

"Jeff Sessions nimmt den Job an, tritt den Job an, zieht sich wegen Befangenheit zurück, was offen gesagt sehr unfair gegenüber dem Präsidenten ist", erklärte er weiter. "Wie kann man einen Job annehmen und sich dann wegen Befangenheit zurückziehen?" Sessions habe sich "extrem unfair" verhalten.

Der öffentliche Bruch ist auch deswegen bemerkenswert, weil Sessions für Trump ein wichtiger Unterstützer im Wahlkampf war. Er war der erste Senator, der sich hinter den politischen Quereinsteiger stellte.

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Trump nutzte das Interview auch, um erneut gegen den früheren FBI-Chef Comey auszuteilen. Dieser habe ihm nur von einem kompromittierenden Dossier erzählt, um klarzumachen, dass er etwas gegen ihn in der Hand habe. Das Dossier hatte ein ehemaliger britischer Geheimagent zusammengestellt, es enthält belastendes, aber nicht verifiziertes Material über Trump. Comey hatte vor einem Senatsausschuss ausgesagt, er habe Trump von dem Papier erzählt, weil er der Meinung gewesen sei, dass dieses bald von Medien enthüllt werde.

Trump hatte Comey im Mai überraschend entlassen. Vermutungen gehen dahin, dass sich der Präsident über die Russland-Ermittlungen des FBI-Direktors geärgert hatte. Trump hat dies selbst in einem Interview angedeutet. In diesem Zusammenhang wird untersucht, ob Trump sich der Justizbehinderung schuldig gemacht hat.

Familien-Finanzen sind "rote Linie"

Trump ging in dem Interview auch auf die Untersuchung von Sonderermittler Robert Mueller ein. Der Präsident bejahte die Frage, ob Mueller eine "rote Linie" überschreiten würde, sollte er über mögliche Verbindungen zu Russland hinaus auch die finanziellen Beziehungen der Trump-Familie untersuchen. Die Affäre hatte in den vergangenen Tagen neuen Auftrieb erhalten, nachdem ein Treffen zwischen Trumps ältestem Sohn und einer russischen Anwältin bekannt geworden war. Donald Trump Jr. stimmte einem Gespräch zu, weil ihm belastende Informationen über Hillary Clinton versprochen wurden. In einer an ihn gerichteten E-Mail ist von einem Versuch der russischen Regierung die Rede, seinem Vater im Wahlkampf zu helfen. Die Nachricht gilt als bisher klarstes Indiz, dass Mitglieder aus Trumps-Wahlkampfteam bereit gewesen sein könnten, mit Russland zusammenzuarbeiten.

Bei dem Treffen waren neben Trump Jr. auch Trumps Schwiegersohn Jared Kushner und Wahlkampfchef Paul Manafort anwesend. Alle drei sollen in der kommenden Woche in Ausschüssen im Senat aussagen. Kushner erklärte sich bereit, sich am Montag den Fragen des Geheimdienstkomitees zu stellen. Der Justizausschuss setzte für Mittwoch eine Sitzung mit Trump Jr. und Manafort an.

Die Russland-Affäre belastet Trump seit Monaten und schürt Bedenken, dass sie seine Handlungsfähigkeit einschränkt. Nahezu täglich tun sich neue Entwicklungen auf. Am Dienstag und Mittwoch etwa sorgte für Wirbel, dass es während des G20-Gipfels ein zweites, bislang nicht bekanntgewordenes Gespräch mit Russlands Präsident Wladimir Putin gab. Dieses habe etwa 15 Minuten gedauert, sagte Trump der "New York Times". Es sei überwiegend um "Nettigkeiten" gegangen. Der Präsident des Beratungsunternehmens Eurasia Group, Ian Bremmer, hatte dagegen angegeben, das Gespräch während eines Abendessens habe fast eine Stunde gedauert.

Quelle: n-tv.de

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