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Zehntausende US-Drogentote Trumps Maßnahmen greifen - ein bisschen

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Etwa eine Stunde lang stand US-Präsident Donald Trump auf der Bühne in Atlanta.

(Foto: dpa)

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Vor eineinhalb Jahren ruft US-Präsident Trump wegen der Opioid-Krise den nationalen Gesundheitsnotstand aus. Weiterhin sterben jeden Monat Tausende Menschen an einer Überdosis. Trump lobt seine Gegenmittel.

In den USA spielt sich seit Jahren ein tödliches Drama ab. Im Jahr 2017 starben dort mehr als 72.000 Menschen an einer Drogenüberdosis, davon mindestens zwei Drittel im Zusammenhang mit Opioiden. Es ist die höchste Zahl, die je in den USA registriert wurde. Seit dem Jahr 2000 sind insgesamt 700.000 Menschen gestorben. Etwa zwei Millionen noch lebende sind aktuell abhängig, gibt die US-Regierung an.

US-Präsident Donald Trump hatte wegen der Opioid-Krise, des Missbrauchs von Betäubungsmitteln, im Jahr 2017 den nationalen Gesundheitsnotstand ausgerufen. Nun sind er und seine Frau Melania geladen zu einer Konferenz über Arzneimittel- und Heroinmissbrauch im US-Bundestaat Georgia. Seit 2012 gibt es die Veranstaltung. Verbessert hat sich die Situation im Land nicht. Im Gegenteil.

Der Präsident stellt sich ans Rednerpult und verweist auf das im Oktober 2018 gemeinsam von Republikanern und Demokraten im Kongress verabschiedete Gesetzespaket ("Support for Patients and Communities Act"), um die Lage in den Griff zu bekommen. Das Ziel ist laut Trump sogar, "die Opioid-Krise ein für allemal zu beenden."

Im Oktober 2017 hatte der US-Präsident auch versprochen, die Zahl der Verschreibungen von Medikamenten auf Basis von Oxycodon zu senken. "Wir haben fünf Prozent der Weltbevölkerung, aber wir benutzen 80 Prozent der verschreibungspflichtigen Opioide", kritisierte er damals.

Die Verschreibungen von Opioiden haben tatsächlich abgenommen. Die Menschen sterben trotzdem. Der Zusammenhang von Schmerzmitteln zu Heroin ist einfach: Ärzte verschreiben ihren Patienten die Opioide, sie werden davon abhängig und greifen dann zu Heroin, weil es günstiger ist.

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Trumps Frau Melania flog mit nach Georgia - und kündigte auf der Bühne den Auftritt ihres Mannes an.

(Foto: dpa)

Trump lobt sich dafür, dass inzwischen weniger Menschen stürben. Von September 2017 bis zum gleichen Monat 2018, über diesen Jahreszeitraum gibt es die bislang neuesten offiziellen Schätzungen, waren es rund 70.000, rund 2300 Todesfälle weniger als in den zwölf Monaten vor November 2017. Auch wenn es laut Weißem Haus in einzelnen Bundesstaaten viel deutlichere Verringerungen gibt, etwa in Pennsylvania (minus 21 Prozent) oder Ohio (minus 22 Prozent); eine nationale Trendwende bedeutet das nicht. Trump verbucht die abgeflachte Kurve als Erfolg - und zählt weitere Errungenschaften auf, die das Gesetzespaket gebracht haben soll. Sie wirken wie viele kleine positive Änderungen, die aber keinen großen Effekt haben.

Ab Oktober 2017 flössen über den Zeitraum von zwei Jahren sechs Milliarden Dollar gegen die Krise, sagt der Präsident. Das ist schwer nachzuprüfen, da es Dutzende (teilweise neue) Gesetze gibt, auf deren Basis der Kongress immer wieder in einzelnen Teilen Gelder bewilligt oder im Jahresvergleich womöglich sogar kürzt. Sicher ist jedoch: Es reicht nicht. Um die Krise schnell zu beenden, wären auf einen Schlag jedes Jahr Dutzende Milliarden Dollar nötig, sagten Experten im März 2018. Das Geld müsste vor allem verlässlich fließen - etwa, um entsprechende Kliniken sicher zu finanzieren.

Erste juristische Konsequenzen

Die Bekämpfung auf mehreren Ebenen ergibt Sinn, denn dort findet sie auch statt: in der ganzen Gesellschaft. Da sind etwa Tausende schmerzmittelsüchtige Mütter, die abhängige Babys zur Welt bringen. Da sind die Jugendlichen, die Opioide verschrieben bekommen und irgendwann an einer Überdosis Heroin verenden. Da gibt es die Veteranen, die in Militäreinsätzen menschliche Feinde bekämpfen, dann ihre inneren mit Schmerzmitteln und irgendwann auch diese. Und selbstverständlich gibt es Unternehmen, die von all dem profitieren.

Die New Yorker Staatsanwaltschaft hatte etwa bekannt gemacht, dass sie gegen hochrangige Pharma-Manager vorgeht. Der Arzneimittelgroßhändler Rochester soll zwischen 2012 und 2017 die Verkäufe der süchtig machenden und verschreibungspflichtigen Schmerzmittel Fentanyl und Ocycodon "exponentiell gesteigert" haben. In mindestens 2000 Fällen hätten Verkäufe an die Antidrogenbehörde DEA gemeldet werden müssen, was aber nicht geschah. Zwei Managern drohen deshalb Gefängnisstrafen zwischen zehn Jahren und lebenslang. Die entsprechenden Medikamente "verheeren dieses Land", sagte der New Yorker Staatsanwalt. Es wird demzufolge der erste große Prozess gegen Mitverantwortliche der Opioid-Krise in den USA.

In Atlanta macht sich Trump diese Meldung zu eigen und sagt: "Wir ziehen Big Pharma zur Verantwortung." Auch bei diesem Auftritt denkt der Präsident schon an die kommende Wahl 2020. Sollte Rochester für seinen Wahlkampf spenden, würde er das Geld nicht annehmen. Trump macht zudem deutlich, dass er an die "Kraft des Gebets" glaube und holt einen Verantwortlichen einer "glaubensbasierenden Initiative" aus Tennessee ans Rednerpult. Der Präsident hofiert damit seine religiöse Wählerbasis.

Selbstverständlich kommt er deshalb auch auf eines seiner Lieblingsthemen zu sprechen: Migration an der US-Südgrenze zu Mexiko. Er lobt die Beschlagnahmungen von Drogen und preist sein Mauerprojekt, das er mit der Ausrufung des Nationalen Notstands finanziert. 400 Meilen Mauer bis Ende kommenden Jahres würden gebaut und den Drogenfluss in die USA verringern - 90 Prozent der Drogen kämen derzeit über die südliche Grenze ins Land. Und das meiste illegale Fentanyl, mit dem Heroin gestreckt werden kann, sagt Trump, komme aus China in die USA. Der dortige Präsident Xi Jinping habe ihm versprochen, den Schmuggel zu einem Kapitalverbrechen zu machen auf den "die ultimative Strafe" stehe.

Wegen dieser Maßnahmen kündigt Trump für die kommenden Monate einen "großen Unterschied" an. Was das bedeuten soll, ist nicht ganz klar. Aber zum Abschluss seines einstündigen Auftritts ruft Trump ein noch größeres Ziel aus, als die Opioid-Krise zu beenden, auch wenn es utopisch ist: "Ein drogenfreies Amerika".

Quelle: n-tv.de

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