Politik

Nach Kritik am Flüchtlingsdeal Türkei bestellt deutschen EU-Diplomaten ein

72 Bedingungen muss die Türkei erfüllen, dann gilt die vereinbarte Visa-Freiheit für türkische Bürger in der EU. Das gefällt Ankara jedoch gar nicht. Als der deutsche EU-Diplomat Haber Kritik äußert, läuft das Fass über: Er muss zum Rapport antreten.

Im Streit um den Flüchtlingspakt zwischen der Türkei und der EU verschärfen sich offenbar die Spannungen: Wie aus Diplomatenkreisen in Ankara verlautete, wurde der deutsche Chef der EU-Delegation in der Türkei, Hansjörg Haber, ins Außenministerium in Ankara zitiert. Dies sei eine Reaktion auf türkische Medienberichte über heftige Kritik Habers am Verhalten Ankaras während der Verhandlungen über das Flüchtlingsabkommen.

Den Diplomatenkreisen zufolge wurde Haber am Dienstag ins Außenministerium zitiert. Dort sei ihm gesagt worden, dass seine Bemerkungen "Empörung" ausgelöst hätten und ausdrücklich von der türkischen Regierung verurteilt und als beleidigend empfunden würden.

Nach Angaben der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu soll Haber bei einem Treffen mit Journalisten in der vergangenen Woche über die Flüchtlingsverhandlungen in etwa gesagt haben: "Wir haben ein Sprichwort: Wie ein Türke starten und wie ein Deutscher enden. Aber hier ist es andersherum." Diese Äußerung wurde von der EU-Delegation in Ankara nicht bestätigt.

Ankara und die EU streiten derzeit vor allem über die im Flüchtlingsdeal vereinbarte Visa-Freiheit für türkische Bürger. Diese hatte die EU eigentlich ab Juli zugesagt - wenn die Türkei bis dahin 72 zuvor festgelegte Bedingungen erfüllt. Derzeit ist unklar, ob Ankara diese Bedingungen erfüllt. Vor allem über die von der EU geforderte Reform des türkischen Anti-Terror-Gesetzes wird gestritten. Die türkische Regierung hat mehrfach gedroht, den Flüchtlingspakt aufzukündigen, sollte Brüssel keine Visafreiheit gewähren.

Quelle: ntv.de, hla/AFP