US-Wahl 2020

"It's Joe Time" Murdoch-Zeitung liest Trump die Leviten

91e185ff633951456058c2fac8be5cca.jpg

Selbst die "New York Post" heißt das Verhalten von Trump nicht gut.

(Foto: AP)

Das Verhältnis zwischen Donald Trump und den Medien darf allgemein als angespannt bezeichnet werden. In seiner Amtszeit konnte sich der abgewählte Präsident allerdings auf konservative Zeitungen und Sender wie die "New York Post" und Fox News verlassen. Das ist nicht mehr so.

Die konservative Zeitung "New York Post" wendet sich im Streit über das Wahlergebnis in den USA von Präsident Donald Trump ab. In einem Artikel schrieben die Kommentatoren der Zeitung zwar, dass Trump viel für das Land getan habe - doch mit der Verschwörungstheorie der "gestohlenen Wahl" aufhören müsse, wenn er seine eigene Stimme nicht "marginalisieren" wolle.

Zugleich veröffentlichte die Zeitung einen ungewohnt positiven Artikel über den neu gewählten Präsidenten Joe Biden mit dem Titel "It's Joe Time" ("Es ist Zeit für Joe"). Noch vor wenigen Wochen hatte die "New York Post" einen der vernichtendsten Artikel über Joe Bidens Sohn Hunter veröffentlicht. Er basierte auf fragwürdigen Quellen und brachte dem Blatt landesweit Kritik ein.

Die Zeitung hatte in mehreren Artikeln versucht, Joe Biden mit früheren Geschäften seines Sohnes Hunter Biden in der Ukraine und in China in Verbindung zu bringen. Das Blatt veröffentlichte E-Mails, die belegen sollten, dass Hunter Biden damals versucht habe, Profit aus dem Amt seines Vaters als Vizepräsident zu schlagen. Die Zeitung wertete die Mails auch als Beleg dafür, dass Joe Biden entgegen seiner Aussage von den umstrittenen Auslandsgeschäften seines Sohnes gewusst habe.

Joe Biden bestreitet, dass er sich etwas zuschulden habe kommen lassen. Die Authentizität der Mails ist nicht bestätigt. Fragwürdig ist auch, wie die Mails ihren Weg an die Öffentlichkeit fanden. Sie sollen auf einem Laptop in einer Reparaturwerkstatt gefunden worden sein. Die "New York Post" bekam nach eigenen Angaben eine Kopie der Festplatte von Rudy Giuliani, dem langjährigen persönlichen Anwalt und engen Vertrauten von Trump. Die Kopie sei vom Besitzer der Reparaturwerkstatt angefertigt worden, bevor der Laptop im Dezember 2019 von der Bundespolizei FBI beschlagnahmt worden sei, berichtete die Zeitung.

Auch sein "Haus und Hof"- Sender wendet sich ab

Mehr zum Thema

Hunter Biden war zwischen 2014 und 2019 Mitglied im Aufsichtsrat des Gaskonzerns Burisma. Trump bezichtigte Biden unter anderem, sein Amt als Vizepräsident in der Regierung von Barack Obama (bis 2017) genutzt zu haben, um zu versuchen, seinen Sohn vor der ukrainischen Justiz zu schützen. Biden weist das zurück. Trump wollte dazu Ermittlungen in der Ukraine erreichen. Der Konflikt brachte ein Amtsenthebungsverfahren gegen den Republikaner ins Rollen, das im Februar an der republikanischen Mehrheit im Senat scheiterte.

Die "New York Post" gehört Medien-Mogul Rupert Murdoch, der auch das TV-Netzwerk Fox besitzt. Der einflussreiche Nachrichtensender Fox News gilt als "Haus und Hof"-Sender von Trump. Viele seiner Moderatoren bezeichnet der amtierende Präsident als "Freunde". Doch auch Fox-News ließ eine entschiedenere Linie gegenüber Trump erkennen und titelte: "Präsident Trump hat sich dem gewählten Präsidenten nicht geschlagen gegeben." Zuvor hatte der Sender bereits bei der Stimmenauszählung früher als die Konkurrenz den Bundesstaat Arizona Biden zugeschrieben und damit den Zorn von Trump auf sich gezogen.

Quelle: ntv.de, fzö/dpa