Politik

Geheimpakt mit Dschihadisten USA: Assad unterstützt IS

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Bomben der syrischen Luftwaffe treffen immer wieder Wohngebiete.

(Foto: REUTERS)

Erstmals sprechen die Amerikaner deutlich aus, was Beobachter ebenfalls vermuten: Wenn das syrische Regime Bomben abwirft, verschont es die Stellungen des IS. Der Iran richtet etwa zeitgleich schwere Vorwürfe an die westlich-arabische Koalition.

Die USA werfen der syrischen Armee vor, die radikale IS-Miliz beim Sturm auf die Rebellenhochburg Aleppo zu unterstützen. Es lägen Berichte vor, wonach die syrische Luftwaffe bewusst Stellungen der Islamisten vor der Stadt verschone. Stattdessen würden Angriffe so geflogen, dass sie die Miliz stärkten, hieß es in einem Tweet der US-Botschaft in Syrien.

Die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana meldete dagegen, das Militär habe mehrere IS-Kämpfer im Raum Aleppo ausgeschaltet und auch einige Fahrzeuge der Gruppe zerstört. Die syrische Führung hat wiederholt Vorwürfe zurückgewiesen, gezielt den IS zu unterstützen, um so andere Regierungsgegner zu schwächen.

Tatsächlich ist es ein offenes Geheimnis, dass der IS und die syrische Armee vielerorts nach einem unausgesprochenen Nichtangriffspakt agieren, da sie zu einem großen Teil dieselben Feinde haben. Beide Seiten profitieren davon, allerdings hat die syrische Armee in den vergangenen Wochen einige Rückschläge hinnehmen müssen. Die Dschihadisten des IS brechen dieses informelle Abkommen allerdings häufiger ohne Vorwarnung und machen so per Überraschungseffekt bedeutende Geländegewinne. Mitte Mai fiel so etwa die Stadt Palmyra in die Hände des IS.

Auf der Twitter-Seite der US-Botschaft heißt es, das syrische Militär helfe dem IS zulasten der syrischen Bevölkerung. Präsident Baschar al-Assad habe seit langem seine Legitimation verloren und werde "niemals ein wirkungsvoller Partner bei der Bekämpfung des Terrorismus sein". Die USA haben den Betrieb ihrer Botschaft in Damaskus 2012 eingestellt, veröffentlichen aber nach wie vor Mitteilungen über den Twitter-Feed der Vertretung.

Iran sieht Hauptschuld bei westlich-arabischem Bündnis

Aus dem Iran kam indes ein schwerer Vorwurf, der sich an arabische und westliche Regierungen richtet. Diese seien einer "Fehlkalkulation" bei der Unterstützung moderater syrischer Rebellen unterlegen. Dadurch sei das Erstarken des IS erst begünstigt worden, sagte Präsident Hassan Ruhani, als er den syrischen Parlamentspräsidenten Dschihad al-Lahham in Teheran empfing. Iran ist der wichtigste Verbündete für das syrische Regime und unterstützt dieses im Kampf gegen Oppositionelle.

"Nach vier Jahren des Widerstands ist der Plan der Feinde Syriens nicht aufgegangen", sagte Ruhani. Einige Länder hätten geglaubt, "Terrorgruppen wären ein Mittel zum Erreichen der eigenen Ziele", wird Ruhani auf der Internetseite der Regierung zitiert. "Früher oder später wurden sie aber immer von der Geißel des Terrorismus selbst eingeholt."

Vergangene Woche war auf einer englischsprachigen Internetseite der Artikel eines britischen Journalisten erschienen, der nach Auswertung von Pentagon-Dokumenten zu dem Schluss kam, die USA hätten die Entwicklung des IS aktiv mitbefördert. Darin hätten sie einen Weg gesehen, wie Assad möglicherweise gestürzt werden könnte.

Derzeit beraten die beteiligten Staaten der internationalen Koalition gegen desn IS in Paris über die weitere Strategie. US-Außenminister John Kerry sprach von einem "mehrjährigen Kampf", den die Koalition noch vor sich hätte.

Quelle: ntv.de, nsc/rts/AFP

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