Politik

Behörden räumen Lager Über Tausend Flüchtlinge verlassen Idomeni

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Eine Familie trägt ihr weniges Hab und Gut mit sich, als sie das Lager verlassen muss.

(Foto: AP)

Ruhig, langsam und ohne Gewalt verlaufe die Räumung des wilden Flüchtlingslagers in Idomeni bisher, so die Behörden. Mit Bussen werden die Menschen nun in andere Lager gefahren. Dabei gibt es dort gar nicht für alle von ihnen einen Platz.

Die griechischen Behörden haben mit der Räumung des Flüchtlingslagers Idomeni vor der Grenze zu Mazedonien begonnen. 700 Sicherheitskräfte riegelten das Gelände ab, ein Hubschrauber kreiste am Himmel. Die Räumung verlaufe "ruhig und langsam", die Sicherheitskräfte müssten keine Gewalt anwenden, sagte ein Regierungssprecher. Bis zum Nachmittag wurden laut Polizei rund 1500 der verbliebenen 8400 Menschen in Bussen in Auffanglager bei Thessaloniki gebracht. Vorrang haben Kinder und Familien mit nur einem Elternteil. 6000 Plätze sollen bereitstehen. Reporter zählten bis zum Nachmittag mindestens 25 Busse, die das Lager verließen und ins Landesinnere fuhren.

Die Polizei veröffentlichte am Nachmittag Videoaufnahmen, die von ihrem Hubschrauber aus gedreht worden waren. Deutlich zu sehen waren Migranten, die koordiniert und ohne Gewaltanwendung in Busse stiegen und das Lager verließen.

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen bestätigte den ruhigen Verlauf der Räumung, beklagte aber, es würden viele Helfer blockiert, was die Versorgung der verbleibenden Flüchtlinge erschwere. Am Mittag begannen Bagger mit der Entfernung von Zelten. Binnen zehn Tagen soll das Lager den griechischen Behörden zufolge geräumt sein.

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Bis zu zehn Tage soll es dauern, bis das gesamte Lager abgerissen worden ist.

(Foto: AP)

Auf das Gelände wurden nur Vertreter von Staatsmedien gelassen. Auf ihren Bildern war zu sehen, wie sich lange Schlangen vor den Reisebussen bildeten. Viele Flüchtlinge trugen ihre Habseligkeiten in riesigen Müllsäcken herbei, andere schoben vollbepackte Kinderwagen. Ein Junge mühte sich in einem Rollstuhl über die zerfurchte Wiese zu den Bussen.

Probleme auch in neuen Lagern

Die Organisation Save the Children appellierte an die Behörden, besonders die Kinder zu schützen. Vor allem diejenigen, die allein unterwegs seien, hätten schon zu viel Stress und Leid durchgemacht.

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Busse bringen die Menschen in Auffanglager.

(Foto: dpa)

"Die Räumung muss vor allen Dingen im Sinne der Kinder umsichtig gehandhabt werden, damit die Mädchen und Jungen nicht noch weiter traumatisiert werden", erklärte Teamleiterin Amy Frost. Auch in den neuen, offiziellen Camps fehlte es an Toiletten, Wasch-, Schutz- und Spielräumen sowie an Unterkünften für allein reisende Kinder.

Bis zu 15.000 Flüchtlinge im Lager

Am Vortag hatten Augenzeugen dutzende Migranten beobachtet, die das Lager von Idomeni verließen, um sich offenbar in der Region zu verstecken. Aktivisten hatten sie über die bevorstehende Räumungsaktion informiert. Andere Migranten, in ihrer Mehrheit Familien, fuhren freiwillig in andere Lager.

Zudem sperren einige Migranten die wichtige Eisenbahnverbindung Griechenlands nach Norden. Mehr als 300 Güterwaggons sind auf beiden Seiten der Grenze zwischen Griechenland und Mazedonien steckengeblieben. Die Importeure und Exporteure beklagen Verluste in Millionenhöhe.

Das Lager in Idomeni war im vergangenen Jahr von Hilfsorganisationen als Provisorium für höchstens 2500 Menschen eingerichtet worden: So lange die Balkanroute offen war, verbrachten die Flüchtlinge aus Syrien und anderen Krisenregionen nur kurze Zeit dort, bis sie ihre Reise Richtung Deutschland oder Schweden fortsetzen konnten. Mitte Februar machte Mazedonien seine Grenze dicht, um nicht selbst zur Endstation der Flüchtlinge zu werden.

Daraufhin harrten bereits im März bis zu 15.000 Menschen in der Region aus. Sie hofften, dass die Balkanroute wieder aufgemacht wird, damit sie nach Mittel- und Nordeuropa weiterreisen können. Medien berichteten von Drogenhandel und Prostitution in dem, wie sie es nannten, "Ghetto" von Idomeni.

Quelle: n-tv.de, bdk/hul/dpa/AFP

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