Politik

Gedenken in Auschwitz Überlebender: Merkel-Besuch wichtige Geste

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(Foto: imago/Ulli Winkler)

Erst zwei deutsche Bundeskanzler haben das ehemalige Konzentrationslager Auschwitz besucht. Nun reist erstmals auch Angela Merkel dorthin. Für Überlebende sind solche Besuche von enormer Symbolkraft.

Erstmals wird Kanzlerin Angela Merkel heute das ehemalige deutsche Konzentrationslager Auschwitz besuchen. Anlass ist das zehnjährige Bestehen der Stiftung Auschwitz-Birkenau, die sich für den Erhalt der Gedenkstätte auf dem Gelände des ehemaligen Lagers einsetzt. Angesichts der historischen deutschen Verantwortung stellen Bund und Länder für die Erhaltung der Gedenkstätte zusätzlich insgesamt 60 Millionen Euro zum Kapitalstock der Stiftung zur Verfügung.

Die Kanzlerin will im früheren Stammlager Auschwitz an der sogenannten Schwarzen Wand eine Gedenkminute abhalten. Dort wurden Tausende Häftlinge erschossen. Anschließend wird Merkel das ehemalige deutsche Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau besuchen. Dort will sie in Anwesenheit des polnischen Ministerpräsidenten Mateusz Morawiecki und weiterer geladener Gäste eine Rede halten. Danach ist ein Gang durch das NS-Vernichtungslager geplant.

Das nationalsozialistische Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau im von Deutschland besetzten Polen gilt weltweit als Symbol für den Holocaust. Nach Schätzungen starben dort mehr als eine Million Menschen, die meisten von ihnen Juden.

Was wird von Merkel erwartet?

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Der polnische Auschwitz-Überlebende Marian Turski wertet den Besuch der Kanzlerin als wichtige Geste. Allein die Tatsache, dass Merkel dorthin fahre, habe für ihn Bedeutung, sagte er in Warschau. "Manchmal reicht eine Geste. Wie bei Brandt, dessen Kniefall wichtiger ist als alle Reden." Auch Polens Oberrabiner Michael Schudrich sieht in dem Besuch ein wichtiges Zeichen.

Der 93-jährige Turski wurde 1944 nach Auschwitz deportiert. Der Journalist ist Mitbegründer des Museums der Geschichte der polnischen Juden in Warschau. "Angela Merkel hat sich schon oft mit großem Mut zur deutschen Vergangenheit geäußert", sagte Turski. Für ihn sei es daher weniger entscheidend, was die Kanzlerin in Auschwitz genau sagen werde. Allerdings könnten viele Polen Erwartungen an eine solche Rede haben.

Turski verwies auf die Reden, die Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bei der Weltkriegsgedenkfeier am 1. September in Wielun und Warschau gehalten hatte. Steinmeier hatte Polen um Vergebung für die historische Schuld gebeten. Oberrabbiner Schudrich sagte, er sei bewegt, dass Merkel nun nach Auschwitz komme. Merkel habe viel getan, um Antisemitismus und jede Form von Rassismus und Hass zu bekämpfen.

Quelle: ntv.de, ino/dpa