Politik

"Nimmt uns die Luft zum Atmen" Varoufakis beschwert sich über EZB

Der griechische Finanzminister Varoufakis beklagt sich mit markigen Worten über die Europäische Zentralbank. Und er spricht über sein Verhältnis zu Wolfgang Schäuble - das sei zwar konstruktiv, aber keineswegs vertrauensvoll.

Griechenlands Finanzminister Yanis Varoufakis hat erneut gegen die Rolle der Europäischen Zentralbank (EZB) im Schuldenstreit gewettert. Er warf ihr vor, zu viel Druck auf seine Regierung auszuüben. "Aus meiner Sicht verfolgt die EZB eine Politik gegenüber unserer Regierung, die ihr die Luft zum Atmen nimmt", sagte Varoufakis dem griechischen Fernsehsender Mega. Die anderen Staaten der Eurozone und der Internationale Währungsfonds (IWF) sollten so gezwungen werden, eine Übereinkunft mit Griechenland zu erzielen, warf der Athener Politiker der EZB vor.

Die griechischen Banken sind auf die Unterstützung der Frankfurter Notenbank angewiesen - zuletzt hatte EZB-Präsident Mario Draghi aber betont, dass diese Hilfen nicht immer weiter ausgeweitet werden könnten. Vertreter der EZB, der EU-Kommission und des IWF haben sich auf eine Wiederaufnahme der Reformgespräche mit der Regierung in Athen verständigt. Sie muss bis Ende April darlegen, welche alternativen Reformvorschläge sie der Euro-Zone macht.

"Ich hatte nie das Vertrauen der Deutschen"

Varoufakis äußerte sich auch zu seinem Verhältnis zu Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble. "Wir sprechen immer sehr zivilisiert und konstruktiv", sagte er. Zugleich betonte er: "Bei einem Treffen, das ich mit Herrn Schäuble hatte, sagte er mir, ich hätte das Vertrauen der deutschen Regierung verloren. Und ich sagte ihm: Ich hatte es nie, ich bin Mitglied einer Regierung der radikalen Linken." Er halte es für offensichtlich, dass er nicht das Vertrauen der Bundesregierung besitze. "Aber ich habe das Vertrauen des griechischen Volkes." Er bemühe sich aber auch, in Deutschland Vertrauen zu gewinnen.

Varoufakis bestätigte, dass in Athen Beamte der sogenannten Institutionen - der ehemaligen Troika - die Umsetzung der Sparauflagen überprüfen. Sie würden sich jedoch in einem Hotel aufhalten, und man werde ihnen die verlangten Unterlagen dorthin bringen. Die Kontrolleure sind bei der griechischen Bevölkerung extrem unbeliebt und waren in der Vergangenheit auch Anfeindungen ausgesetzt.

Quelle: ntv.de, fma/dpa/rts