Politik

Granit-Aktion vor Rügens Küste Verbot? Greenpeace macht einfach weiter

619a0af2bddb5b11cd281e9ddf8e6262.jpg

Platsch! Ein Grantiblock plumpst ins Wasser - Greenpeace will damit den Meeresboden vor Grundschleppnetzen schützen.

(Foto: dpa)

Weil die Umweltaktivisten von Greenpeace ein Meeresschutzgebiet in der Ostsee bedroht sehen, versenken sie dort Granitblöcke - auch nachdem das verboten wurde. Die Polizei hält sich noch zurück.

Die Besatzung eines Greenpeace-Schiffs trotzt weiter einem Verbot und der Drohung mit Strafe und versenkt Granitsteine vor der Küste Rügens. So wollen die Umweltaktivisten das Schutzgebiet Adlergrund vor der Zerstörung retten - das Fischen mit Grundschleppnetzen bedrohe dieses, heißt es von der Organisation. Das Bundesamt für Seeschifffahrt hat Greenpeace aber verboten, die Brocken in die Ostsee zu kippen. "Verschmutzung" sei das, sagte eine Sprecherin des Bundesamtes. Die Umweltorganisation verstoße gegen das "Hohe-See-Einbringungsgesetz". Bei Zuwiderhandlung könnte ein Bußgeld bis 50.000 Euro verhängt werden.

cd6ca88bf6cc99b538ef73c245eb94df.jpg

Um solche Granitblöcke geht es.

(Foto: dpa)

Trotz des Verstoßes ist die zuständige Bundespolizei See nicht im Einsatz. Ein Sprecher der Wasserschutzpolizei des Landes Mecklenburg-Vorpommern teilte jedoch mit, dass sie die Personalien der Besatzung feststellen werden, wenn das Greenpeace-Schiff wieder nah genug an die Küste herankommt.

Der Greenpeace-Meeresbiologe Thilo Maack sagte: "Was uns weitermachen lässt, ist unser Verständnis, dass wir der Natur ihr Recht auf Unversehrtheit geben." Mit der Aktion wollen die Umweltschützer verhindern, dass der Boden im Meeresschutzgebiet von Fischern mit Schleppnetzen "durchpflügt" wird - auch wenn dies legal ist. Die Bundesministerien für Umwelt und Landwirtschaft hätten bereits im Frühjahr 2019 angekündigt, unter anderem im Adlergrund die Grundschleppnetzfischerei verbieten zu wollen. Bisher sei aber nichts passiert. Deutschland habe zwar seit 2007 fast 50 Prozent seiner Meeresgebiete unter Schutz gestellt, doch den Schutz gebe es nur auf dem Papier. Noch immer seien in den Schutzzonen von Nord- und Ostsee Grundschleppnetze und Stellnetze erlaubt, ebenso die Förderung von Öl sowie der Sand- und Kiesabbau.

Aktion geht erstmal weiter

Seit Sonntag haben Greenpeace-Aktivisten an Bord nach eigenen Angaben rund 60 teils tonnenschwere Steine 14 Seemeilen östlich von Rügen versenkt. Behörden und Fischer seien über die Koordinaten der Findlinge informiert worden, die für die Schifffahrt aber kein Hindernis darstellten.

Greenpeace-Aktivisten versenken vor der Ostsee-Insel Rügen große Granitblöcke im Meer. Foto: Stefan Sauer/dpa

Greenpeace-Aktivisten versenken vor der Ostsee-Insel Rügen große Granitblöcke im Meer.

(Foto: Stefan Sauer/dpa)

Maack zufolge wurde vor der Aktion bei Tauchgängen im Adlergrund festgestellt, dass von Steinen der Bewuchs mit Miesmuscheln und Algen "abrasiert" war. Daten des Thünen-Instituts für Ostseefischerei belegten eine Fangtätigkeit deutscher, polnischer und dänischer Fischer in dem Schutzgebiet zwischen 2013 und 2017. Für den Adlergrund werden Maack zufolge Granit-Findlinge verwendet, die natürlicherweise in der Ostsee vorkommen. "Wir haben eine Verträglichkeitsprüfung machen lassen", sagte er. Wie viele Steine noch abgelegt werden sollen, ist noch offen.

Die Aktion ähnelt einem Fall, bei dem Greenpeace schon einmal Steine vor Sylt in der Nordsee deponiert hatte, was auch untersagt worden war. Greenpeace hatte nach eigenen Angaben dagegen geklagt. Das Bundesverwaltungsgericht (BVerwG) Leipzig ließ die Frage der Rechtmäßigkeit offen. Eine Strafe wurde nicht gezahlt. Greenpeace wies darauf hin, dass es mehrere EU-Naturschutzprojekte zum Wiederaufbau von Steinriffen in den Meeren gibt.

Dagegen forderte der für den Wahlkreis zuständige Bundestagsabgeordnete und Landessprecher der AfD, Leif-Erik Holm, das Greenpeace-Schiff zu beschlagnahmen und die Mannschaft festzunehmen. Die Fischer würden seit 30 Jahren nicht mehr im Adlergrund mit Schleppnetzen fischen. Dann gebe es für die Fischer ja keinen Grund zur Aufregung, entgegnete Maack.

Quelle: ntv.de, vpe/dpa