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In Georgensgmünd schoss der "Reichsbürger" auf mehrere Polizisten - und verletzte einen tödlich.
In Georgensgmünd schoss der "Reichsbürger" auf mehrere Polizisten - und verletzte einen tödlich.(Foto: dpa)
Freitag, 28. Oktober 2016

Nach tödlichen Schüssen auf Polizei: Waffen von "Reichsbürger" entdeckt

Ein Zeuge findet mehrere Kisten Munition und Waffen. Die Polizei kann den Besitzer ermitteln: Sie gehören dem "Reichsbürger", der in Franken einen Polizisten tödlich verletzt hat. Nun bitten die Beamten um Mithilfe.

Gut eine Woche nach einem tödlichen Schusswechsel mit einem "Reichsbürger" in Mittelfranken sind unweit des Tatorts mehrere Kisten mit Munition sowie mehrere Waffen entdeckt worden. Sie seien etwa 20 Kilometer von seinem Wohnort Georgensgmünd im Landkreis Roth südlich von Nürnberg gelagert gewesen, teilten die Behörden mit.

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Bereits am Montagmorgen habe ein Zeuge zwischen Rednitzhembach und Schwanstetten den "Zufallsfund" gemacht, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft in Nürnberg. Über die Waffenbesitzkarte hätten die Langwaffen durch die Soko "Reichsbürger" zweifelsfrei dem 49 Jahre alten "Reichsbürger" zugeordnet werden können. Sie hätten auf den Munitionskisten gelegen.

Wie viel Munition und wie viele Langwaffen genau nun gefunden wurden, wollte die Sprecherin nicht sagen. Der 49-Jährige habe rund 30 Waffen besessen, sagte die Sprecherin - jedoch nur ein Teil davon sei bei der Razzia in seinem Haus sichergestellt worden.

"Muss jemand anders dort abgestellt haben"

Die Polizei gehe davon aus, dass die Kisten und Waffen erst kurz vor dem Fund am Montagmorgen dort abgestellt wurden. "Die Kisten waren nicht zu übersehen", sagte die Sprecherin. Sie seien nicht versteckt gewesen. Andernfalls wären sie wohl schon früher entdeckt worden. Der 49-Jährige könne die Kisten daher nicht selbst an den Fundort gebracht haben, denn er wurde am Tag der Razzia festgenommen. "Das muss jemand anders dort abgestellt haben", sagte die Sprecherin.

Die Ermittler suchen nun dringend nach Zeugen, die in den frühen Morgenstunden des 24. Oktober am Fundort verdächtige Menschen oder Fahrzeuge gesehen haben. Die Kisten wurden an einer Kreisstraße am Waldrand in der Nähe des Main-Donau-Kanals gefunden.

Der Mann hatte vor gut einer Woche auf mehrere Polizisten geschossen und einen 32-jährigen Beamten eines Spezialeinsatzkommandos tödlich verletzt. Ein Beamter wurde schwer, zwei weitere leicht verletzt. Die Polizei war zu dem Haus gefahren, um Dutzende Waffen des Mannes zu beschlagnahmen - woraufhin dieser das Feuer eröffnete.

Gedenkgottesdienst für Polizisten

An diesem Samstag findet in Nürnberg ein Gedenkgottesdienst für den getöteten Polizisten statt. Zu Beginn des Gottesdienstes soll die Arbeit der Einsatzkräfte in Bayern eine Minute lang ruhen. Auch Kollegen aus Berlin und Baden-Württemberg nehmen an der Schweigeminute teil.

Der 49-Jährige sitzt derzeit in Untersuchungshaft in Nürnberg. Gegen ihn wurde ein Haftbefehl wegen Mordes erlassen. Laut der Nürnberger Staatsanwaltschaft werden ihm zudem versuchter Mord und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Der "Reichsbürger" äußerte sich bislang weder bei der Polizei noch vor dem Ermittlungsrichter zu den Vorwürfen.

Die "Reichsbürger", die zum Teil rechtsextremen Gruppen nahestehen, lehnen die Bundesrepublik und damit auch ihre Gesetze und Institutionen wie die Polizei ab. Sie gehen davon aus, dass das Deutsche Reich in den Grenzen von 1937 noch existiert. Seit dem Vorfall wird über einen schärferen Umgang mit "Reichsbürgern" diskutiert. Allerdings gilt dies als schwierig, weil es sich nicht um eine homogene Gruppe handelt.

Quelle: n-tv.de