Politik
Der Rassist Lutz Bachmann gründete Pegida und Tausende folgten ihm.
Der Rassist Lutz Bachmann gründete Pegida und Tausende folgten ihm.(Foto: REUTERS)
Donnerstag, 22. Januar 2015

Nach Bachmann-Rücktritt: Wem seid ihr da nur hinterhergelaufen?

Ein Kommentar von Christoph Herwartz

Die Pegida-Demonstranten wollen nicht rassistisch sein und sind doch einem Rassisten gefolgt. Das wäre doch mal ein Anlass, über Grundsätzliches nachzudenken.

Die Selbstgerechtigkeit des Lutz Bachmann war für Außenstehende schon immer schwer auszuhalten. Der Mann hatte offenbar nie versucht, sich produktiv in gesellschaftliche Debatten einzubringen, aber dann stellte er sich vor tausende Menschen und pöbelte über Politiker und Journalisten. Was sollten die Politiker, was sollten die Journalisten von so jemanden halten?

In Deutschland engagieren sich zigtausende Menschen für ein gutes Miteinander in dieser Gesellschaft. Nicht nur Spitzenpolitiker beschäftigen sich mit Zuwanderung und Integration, sondern die Ortsgruppen der Parteien, Vereine und viele Menschen einfach so. Die steigende Zahl an Flüchtlingen forderte sie in den vergangenen Monaten besonders. Lokalpolitiker mussten Wohnraum schaffen, in den überfüllten Erstaufnahmeeinrichtungen meldeten sich Ärzte, Dolmetscher und Anwohner mit Kleiderspenden.

Es gibt viele gute Geschichten darüber, wie die Deutschen mit ihren Gästen umgehen. Aber sie werden nicht mehr erzählt, weil eine andere Gruppe Krawall macht. Weil die Bachmanns dieses Landes behaupten, das Volk zu vertreten und weil es einige Wochen brauchte, bis das Volk zeigte, was es davon hält.

Was ist das für ein Unfug, angesichts von ein paar Tausend Kriegsflüchtlingen aus Syrien von einer "Islamisierung des Abendlandes" zu sprechen! Was ist das für eine Peinlichkeit, wenn Menschen bei einer politischen Debatte aufstehen und die Anhänger des Islams pauschal als "Islamisten" bezeichnen! Warum, liebe Pegida-Demonstranten, bemüht ihr euch nicht darum, ein paar von den Menschen kennenzulernen, gegen die ihr demonstriert?

Dass sich Lutz Bachmann erzwungenermaßen als Rassist outen musste, ändert für viele Demonstranten nichts an ihrer Einstellung. Die Anti-Islamisierungs-Demos sind ohnehin längst zu einem Sammelbecken für Unzufriedenheiten aller Art geworden. Aber wer nun seit Wochen in Dresden mitmarschiert, der könnte den Rücktritt Bachmanns zum Anlass nehmen, sich diese Fragen einmal zu stellen: "Wem sind wir da eigentlich hinterhergelaufen? Und welches Signal haben wir damit unseren muslimischen Mitbürgern gesandt?"

Quelle: n-tv.de