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"Mauschelei" bei NRW-Listenwahl? Whatsapp-Chat bringt Pretzell in Bedrängnis

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Marcus Pretzell will nicht Mitglied der Whatsapp-Gruppe gewesen sein.

(Foto: picture alliance / dpa)

Ist bei der Wahl der NRW-Liste der AfD nicht alles mit rechten Dingen zugegangen? Die Parteigranden Gauland und Höcke vermuten das angesichts eines Berichts - und nutzen die Gelegenheit, um Parteichefin Petry und deren Partner Pretzell anzugreifen.

In der AfD ist der Machtkampf zwischen Anhängern von Parteichefin Frauke Petry und ihren Gegnern wieder offen ausgebrochen. Die Landesvorsitzenden von Brandenburg und Thüringen, Alexander Gauland und Björn Höcke, beklagten "Mauscheleien in Hinterzimmern" und "Tricksereien", die dem Co-Landesvorsitzenden von Nordrhein-Westfalen und Lebensgefährten Petrys, Marcus Pretzell, zugeschrieben werden.

Das Magazin "Stern" berichtete, Pretzell und seine Anhänger hätten bei der Aufstellung der nordrhein-westfälischen Kandidaten für die Bundestagswahl mit Absprachen ihnen genehme Parteimitglieder durchgesetzt. Im Bundesvorstand gelten Petry und Pretzell als isoliert. Allerdings soll Petry von allen Spitzenfunktionären den größten Rückhalt an der Basis haben.

Der "Stern" berief sich in seinem Bericht auf eine Whatsapp-Chatgruppe. Demnach wurden Wahlparteitage in NRW über WhatsApp gesteuert. Die Delegierten seien dabei "lenkbares Stimmvieh" gewesen und hätten geheime Anweisungen der Gruppe bekommen, die sich aus Landesvorständen und anderen Funktionären zusammengesetzt habe. Es seien nur Kandidaten protegiert worden, die Pretzell gewogen seien.

AfD-Mitglied Detlef Küsters soll dem Bericht zufolge an die Mitglieder der Chat-Gruppe geschrieben haben: "Was rennen bei uns nur für Vollpfosten rum" und "was haben wir nur für Pappnasen in der Partei."

Höcke und Gauland fordern Schiedsgericht

Eine Sprecherin der NRW-AfD sagte, der Landesvorstand beschäftige sich mit den umfangreichen Protokollen. Bisher gebe es keine Anhaltspunkte dafür, dass man die Landesliste in Frage stellen müsste. Nach vorläufiger Einschätzung sei weder gegen Parteirecht noch gegen Satzungen verstoßen worden. Stil und Umgangston seien äußerst fragwürdig. Es handele sich aber nach erster Bewertung überwiegend um nachträgliche Kommentare zu den bereits vollzogenen Wahlvorgängen. "Wie wir damit in der politischen Bewertung umgehen, da sind wir noch in der Diskussion."

Pretzell selbst erklärte auf dpa-Anfrage, er sei nicht Mitglied dieser Gruppe. Der AfD-Landeschef war Anfang September in Soest mit 54 Prozent der Delegierten-Stimmen zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl am 14. Mai gewählt worden. Die AfD-Sprecherin kündigte an, Pretzell wolle sich noch auf Facebook äußern.

Gauland und Höcke kritisierten: "Mit Befremden haben wir die Berichte über die Vorgänge bei der Wahl der NRW-Landtagskandidaten zur Kenntnis genommen." Es werde das Bild eines tief gespaltenen Landesverbandes gezeichnet, bei dem von einer Seite wohl unlautere Mittel eingesetzt würden. Die Protokolle seien ein erschütterndes Zeugnis der Instrumentalisierung der AfD für eigene Karriereziele.

"Diese Gruppe äußert sich in herablassender und in einer der innerparteilichen Debatte unwürdigen Art und Weise über andere AfD-Mitglieder", kritisierten Gauland und Höcke. Sie arbeite lieber mit Tricksereien, statt mit Argumenten zu überzeugen. "Angesichts der vorliegenden Dokumente vom Listenparteitag scheint fraglich, ob bei der Kandidatenwahl alles mit rechten Dingen zugegangen ist", hieß es in der gemeinsamen Erklärung. "Darum sollte die Listenwahl von einem Schiedsgericht überprüft werden."

Quelle: n-tv.de, jog/rts/dpa

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