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Beklemmung nach der Wahl Der Zar ist nackt

Wladimir Putin zieht wieder in den Kreml ein. Doch weder imposante Kulisse noch Siegerposen können verbergen, wie hässlich das System ist. Zu offensichtlich sind die Lügen, zu abstoßend ist die archaische Zurschaustellung von Macht. Der Riss zwischen Putin und einem Großteil der Gesellschaft ist tief.

kehrt in den zurück. Doch seine triumphalen Posen sind verlogen, seine Tränen der Rührung sind aufgesetzt. Die Huldigungen jubelnder Statisten machen Angst. Denn das zeigt, wie sehr dieses System auf einer Lüge basiert. Russland hat sich verändert. Angesichts der Proteste ist das System gezwungen, sein wahres Gesicht zu zeigen. Und es ist nicht schön. Im Gegenteil.

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Putin liefen am Wahlabend die Tränen über die Wange.

(Foto: AP)

Am Wahlabend ist die Innenstadt Moskaus voll von Militär, Sondereinheiten und Polizei. Ganze Einheiten Uniformierter säumen die langen, mehrspurigen Straßen, die zum Kreml führen. Dicht an dicht stehen die Transportfahrzeuge der Sicherheitskräfte am Straßenrand. Weite Teile der Innenstadt sind abgesperrt. Angesichts dieser martialischen Zurschaustellung von Macht herrscht eine gespenstische, beklemmende Atmosphäre.

Auf dem Bolodnaja-Platz findet eine Pro-Putin-Kundgebung statt. An der Stelle, wo sich nach den manipulierten Duma-Wahlen Zehntausende versammelten, frieren zahlreiche Statisten, um die Wahl zu bejubeln. Die Moskwa ist auf der dem Kreml gegenüberliegenden Uferseite gesäumt von Dutzenden Reisebussen, die aus dem ganzen Land diese Menschen herangekarrt haben.

Es ist archaisch, wie dieser symbolbeladene Platz von der Macht besetzt wird. Doch das zeigt nur, wie tief der Riss zwischen Putin und einem Großteil der Gesellschaft ist: Nur in totalitären Regimen gehen Menschen auf die Straße, um für die Regierung zu demonstrieren. In Demokratien protestieren die Menschen gegen die Regierung.

Die Mehrheit der Bevölkerung mag Putin noch unterstützen. Doch der wichtigste Teil hat sich von ihm abgewandt: Die städtische will nichts mehr von ihm wissen. Sie hat er verloren. Es sind die Menschen, die das Rückgrat dieses Riesenreichs sein wollen. Es sind die Jungen, die Kreativen, die Gebildeten. Ohne sie sieht die Zukunft Russlands düster aus.

Diese Menschen haben die Scheidung eingereicht. Hoffentlich begreift Putin, dass diese Entfremdung endgültig ist. Es besteht andernfalls die Gefahr, dass sich die Proteste radikalisieren. Dann wird die Trennung ein schmutziger Scheidungskrieg.

Quelle: ntv.de