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Debatte um Sterbehilfe Dieser Vorschlag ist am wenigsten falsch

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(Foto: picture alliance / dpa)

Ein Richtig oder Falsch gibt es in der Debatte um Sterbehilfe nicht. Und doch muss der Bundestag entscheiden. Sechs Abgeordnete haben einen Vorschlag vorgelegt, der weniger falsch ist als andere.

Soll es Ärzten erlaubt sein, einem sterbenskranken Patienten beim Suizid zu helfen? Es gibt einen Satz, der signalisiert, ob ein Mensch über diese Frage wirklich nachgedacht hat: "Es gibt hier kein Richtig und Falsch." Dieser Satz fiel auch bei der Pressekonferenz von Bundestagsvizepräsident Peter Hintze und seinen fünf Mitstreitern.

Die meisten Abgeordneten dieser Gruppe sagten, dass es ihnen um ein "Sterben in Würde" gehe, um "Selbstbestimmung" oder gar um "Selbstbestimmung bis zuletzt". Das klingt sehr viel radikaler als es ist.

Denn Hintze und Co. betonen auch, in welchen Fällen Suizidbeihilfe nicht möglich sein soll: Minderjährige, gesunde Alte und psychisch Kranke sollen von ihrer Regelung ausgenommen werden. Nur "in Fällen einer irreversibel zum Tode führenden Erkrankung und einer daraus resultierenden extremen Leidenssituation des Patienten" kommt aus Sicht der Gruppe ein ärztlich assistierter Suizid in Betracht.

Der SPD-Abgeordnete Burkhard Lischka erzählte, er habe eine 85 Jahre alte Mutter. Wenn die ihn eines Tages um Suizidbeihilfe bitten sollte, dann werde er alles tun, um ihr das auszureden. Er betonte auch, der Staat dürfe es den Menschen nicht zu leicht machen, ihr Leben zu beenden. Dennoch wolle er seine persönliche Meinung niemandem aufzwingen. Ihm gehe es um einen "Freiraum für mitfühlende ärztliche Entscheidungen".

Trotz ihrer starken Betonung der "Selbstbestimmung" lehnt die Gruppe organisierte Sterbehilfe strikt ab. Wenn im Bundestag ein Verbot von Sterbehilfevereinen zur Abstimmung gestellt würde, wären sie die ersten, die das unterstützen würden, sagte der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach. Noch ist unklar, ob ein solches Verbot rechtlich möglich ist. Die Haltung der sechs zu diesen Vereinen macht allerdings deutlich, dass ihre Position alles andere als radikal ist.

Für ein Verbot der Suizidbeihilfe, wie es beispielsweise Gesundheitsminister Hermann Gröhe fordert, gibt es viele gute Gründe - und doch gilt auch hier der Satz, dass es kein Richtig und kein Falsch gibt. Falsch wäre es allerdings, wenn der Bundestag ein Sterbehilfeverbot beschließt, dass eine große Mehrheit der Bürger ablehnt. Peter Hintze, Burkhard Lischka und ihre Mitstreiter haben eine Position formuliert, die das Zeug zu einem klugen Kompromiss hat. Ihr zentrales Argument - "Selbstbestimmung bis zuletzt" - sollten sie allerdings überdenken. So radikal wie es klingt, ist es nicht gemeint.

Quelle: n-tv.de

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