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Seien wir ehrlich Legen Sie los, Herr Tsipras!

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Weder Griechenland noch die Eurozone wird untergehen, wenn Syriza-Chef Alexis Tsipras Ministerpräsident wird.

(Foto: AP)

Der neue griechische Ministerpräsident heißt wohl Alexis Tsipras. Kehrt mit ihm an der Macht die Eurokrise zurück? Mitnichten. Sie war nie weg. Tsipras könnte Europa dazu zwingen, dass es sich endlich unangenehmen Wahrheiten stellt.

Vertrauenserweckend ist das Wahlprogramm von Alexis Tsipras wirklich nicht. Er will mit seinem Linksbündnis Syriza das "Spardiktat" beenden, Schulden nicht zurückzahlen, Privatisierungen stoppen. Er kündigt milliardenschwere Sozialprogramme an und will jede Mengen Stellen im öffentlichen Dienst schaffen. Dabei ist Griechenland faktisch bankrott. Tsipras vollmundige Versprechen klingen nach ökonomischem Selbstmord. Wäre da nicht die Eurozone, die das alles bezahlen soll. Sein Argument: Die Troika wird Griechenland weiter finanzieren - aus Angst, dass eine Pleite viel zu riskant ist. Wenn er sich da mal nicht irrt.

Statt Angst vor einem Populisten zu haben, sollte die Eurozone den Mann als Chance begreifen und sich unangenehmen Wahrheiten stellen: Trotz milliardenschwerer Rettungspakete ist Griechenland pleite. Die Schulden sind erdrückend und können niemals zurückgezahlt werden. Das geliehene Geld ist weg. Denn ohne Schuldenschnitt kommt Griechenland nicht auf die Beine.

Erst dann hat das Land eine Chance. Die müssen die Griechen allerdings nutzen. Das bedeutet, dass auch sie sich den Realitäten stellen. Sie müssen ihr Land zum Funktionieren bringen - und zwar ohne Dauersubventionen aus dem Norden der Eurozone.

Für die Misere in Griechenland sind weder Angela Merkel noch die Troika verantwortlich. Die Gründe sind hausgemacht: aufgeblähter Staatssektor, lähmende Bürokratie, Vetternwirtschaft, Korruption, miese Steuerverwaltung. Das Land hat sich an ein Leben auf Pump gewöhnt.

Ob Tsipras das ändert? Unwahrscheinlich. Doch Antonis Samaras ist die Garantie dafür, dass es bestimmt genauso weitergeht wie bisher. Er verkörpert mit seiner Nea Dimokratia das System, dass die eigene Klientel versorgt. Samaras schiebt Reformen nur widerwillig an, wenn die Troika droht, die Zahlungen einzustellen. Er setzt die Sparmaßnahmen so um, dass sie vor allem die Ärmeren und die Mittelschicht treffen. Da wird Rentnern die Pension und Lehrern das Gehalt gekürzt, während die Reichen weiter fröhlich Steuern hinterziehen.

Die Griechen spüren in ihrem Alltag nichts von den Milliardenhilfen und leiden unter jahrelanger Rezession, ohne dass Besserung in Sicht ist. Für viele von ihnen verkörpert Tsipras die Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Sie wollen ihr Schicksal wieder in die eigenen Hände nehmen. Das ist richtig so. Denn dann müssen sie auch mit den Konsequenzen ihrer Entscheidungen leben.

Quelle: ntv.de

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