Kommentare

Viel Zeit hat er nicht Merz muss seine Fans enttäuschen

a5ff44a9a82a5d3cc9ee45d30518d11e.jpg

Friedrich Merz muss nun eine zeitgemäße Alternative zur Politik der Ampel entwickeln und anbieten.

(Foto: AP)

Diese Entscheidung ist nicht ohne Risiken. Aber nachdem zwei CDU-Chefs vom Merkel-Flügel es nicht geschafft haben, die andere Hälfte der Partei einzubinden, ist ein CDU-Vorsitzender Merz folgerichtig. Der muss sein konservatives Image nun hinter sich lassen.

Die Gags schreiben sich fast von allein, nachdem die CDU-Mitglieder sich mit großer Mehrheit dafür entschieden haben, Friedrich Merz zu ihrem Parteichef zu machen - einen 66-Jährigen, der noch nie ein Regierungsamt und dessen politische Karriere ihren bisherigen Höhepunkt vor knapp zwanzig Jahren hatte.

Und natürlich ist ein Politiker im Rentenalter nicht unbedingt das, was man landläufig mit einem Neuanfang verbindet. Aber 62,1 Prozent bei zwei Gegenkandidaten und einer Wahlbeteiligung von immerhin 66 Prozent sind ein starkes Mandat. Alle Prognosen, die ihm und der Union nun ein Scheitern vorhersagen, sind vor allem eines: wohlfeil.

Natürlich ist es möglich, dass Merz sich in den kommenden Monaten einen Machtkampf mit Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus liefert. "Dass der Vorsitz der CDU und die Führung der Unionsfraktion in einer Hand liegen sollten, ist ein prinzipieller Satz, der gilt", hat Merz erst vor ein paar Tagen gesagt. Brinkhaus muss sich schon im April einer Wiederwahl stellen - wenn der neue Parteichef ihm sein Amt abnehmen will, dürften die unruhigen Zeiten für die CDU so schnell nicht enden.

Merz muss den umgekehrten Weg gehen

Ebenso ist es möglich, dass Merz und CSU-Chef Markus Söder sich öffentlich streiten statt gemeinsam die Union wiederaufzubauen. Dass die beiden sich nicht leiden können, ist bekannt. Merz hatte den Umgang der Unionsparteien miteinander "stillos, respektlos und streckenweise rüpelhaft" genannt, und es war klar, dass er damit nicht die CDU meinte. Söder wiederum hält Merz für einen Mann von vorgestern: Die Erfahrung, "die Friedrich Merz aus den 90er-Jahren als aktiver Politiker hat, hilft uns bestimmt", sagte er im Mai mit bissigem Unterton.

Aber vielleicht kommt auch alles ganz anders, vielleicht schafft Merz, was seinem Vorgänger Armin Laschet und dessen Vorgängerin Annegret Kramp-Karrenbauer nicht gelungen war: den gegnerischen Flügel einzubinden und die CDU mit sich selbst zu versöhnen. Denn Laschet und AKK, die beide aus dem Merkel-Lager kommen, sind zwar weit auf die Gegenseite zugegangen. Genutzt hat es ihnen nicht.

Merz muss nun den umgekehrten Weg gehen. Für viele seiner besonders eingefleischten Fans ist er die personifizierte Hoffnung auf eine Wiederkehr von Zeiten, die es in Wahrheit nie gegeben hat. Wenn er als Parteichef erfolgreich sein will, wird er solche Erwartungen enttäuschen müssen. Denn er muss eine zeitgemäße, eine moderne Alternative zur Politik der Ampel entwickeln und anbieten.

Viel Zeit hat er nicht, bereits im März wird im Saarland gewählt, im Mai in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen. Drei der nur noch vier verbliebenen CDU-Ministerpräsidenten wollen wiedergewählt werden. Diese Wahlen entscheiden, ob Merz erfolgreich ist - und ob er sich länger halten kann als Laschet und AKK.

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen