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Jungwähler an die Urnen! Wahlrecht mit 16 wäre ein mutiges Signal

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Bei den Jusos ist die Begeisterung für Kanzlerkandidat Martin Schulz groß.

(Foto: picture alliance / Kay Nietfeld/)

16-Jährige haben kein Interesse an Politik und sind nicht reif genug zum Wählen, behaupten Kritiker. Dabei könnte das Wahlrecht ab dem 16. Lebensjahr die Politik vielfältiger machen und die Demokratie beleben.

Das volle Wahlrecht ab dem 16. Lebensjahr ist eine gute Idee. Die Grünen fordern es schon länger, die SPD zieht nun nach. Es könnte schon bei der übernächsten Bundestagswahl gelten. Die CDU ist strikt dagegen, vermutet sie doch lediglich einen Stimmenfang der Sozialdemokraten und der Grünen.

Dabei geht es um etwas ganz anderes: Das Wahlrecht ab 16 wäre vielmehr ein Signal, dass Politiker junge Menschen ernst nehmen, auch wenn sie in einer alternden Gesellschaft eine Minderheit sind. Das Wahlrecht in Zeiten der gesellschaftlichen Polarisierung und des Populismus für Jugendliche zu öffnen wäre ein mutiges Zeichen für mehr Demokratie. Denn Jugendliche sind die Bürger von morgen. Je früher sie sich mit Politik beschäftigen und sich einbringen, desto qualifiziertere Entscheidungen können sie auf lange Sicht treffen. Wer mit 16 Jahren darüber nachdenken muss, welcher Partei er seine Stimme gibt, muss sich aktiv mit Politik auseinandersetzen und das hat einen positiven Effekt auf die Gesellschaft.

Das Argument, Jugendliche seien nicht reif genug zum Wählen, zieht an dieser Stelle nicht. Denn ein Unterschied zwischen 16- und 18-Jährigen ist selten spürbar - und mit 18 Jahren ist man wahlberechtigt. Daher sollte die die Reife, politische Entscheidungen zu treffen, nicht vom Alter abhängig gemacht werden. So ist ein 16-Jähriger aufgrund seiner schulischen Vorbildung, dem Diskurs mit Eltern oder Freunden sowie dem eigenen Interesse in politischen Belangen manchmal besser geschult als ein Erwachsener. Zwar müssten Lehrpläne an ein Wahlrecht ab 16 speziell angepasst werden, dennoch lernen Jugendliche in Fächern wie Sozialkunde und Politikwissenschaft grundsätzlich auch schon vorher, wie der deutsche Staat und die Demokratie funktionieren. Generell gilt aber: Wer sich im Alter von 16 Jahren für Politik interessiert, der möchte ein Mitspracherecht haben und gehört werden. Wer kein Interesse hat, geht auch nicht wählen - ganz wie bei Erwachsenen.

Identifizierung mit der Demokratie

Findet eine aktive Beteiligung der potenziellen Jungwähler am politischen Leben statt, erfolgt oftmals auch eine stärkere Identifizierung mit den Grundwerten der Demokratie. Kritiker halten dagegen, dass Jugendliche häufiger zu Extrempositionen neigen. Eine extreme Meinung zu vertreten, ist grundsätzlich nicht negativ, kann sich aber von linken oder rechten Gruppierungen zunutze gemacht werden. Dennoch sollte den 16-Jährigen genug Urteilsvermögen zugetraut werden, um sich davor zu schützen. Zudem sind grundsätzlich alle Wählergruppen davon betroffen. Hat jemand das Gefühl, die eigenen Anliegen würden nicht wahrgenommen, tendiert er zum Gegenteil derer, die gerade regieren. Die Gruppe der 16-Jährigen sollte Politiker daher motivieren, das eigene Themenspektrum zu erweitern.

Wer bereits in frühem Alter an sein Wahlrecht herangeführt wird, nimmt dieses laut der Bertelsmann-Stiftung langfristig häufiger wahr. Die Wahlbeteiligung geht durch 16-jährige Wähler, die ihr Stimmrecht nicht wahrnehmen, allenfalls kurzfristig zurück. Eine Statistik der Bundeszentrale für politische Bildung zeigt außerdem, dass die Wahlbeteiligung bei der Bundestagswahl 2013 in der Altersgruppe unter 21 Jahren mit 64,2 Prozent höher war als bei den 21- bis 25-Jährigen (62,4 Prozent) und sogar höher als in der Sparte zwischen 25 und 30 Jahren (60,3 Prozent).

Zwar macht die Altersgruppe unter 20 Jahren laut statistischem Bundesamt nur einen Bevölkerungsanteil von 18,3 Prozent aus. Dennoch sind gerade die jungen Wähler eine Gruppe, die in der Politik unterrepräsentiert ist. Mit dem Wahlrecht ab 16 wären Parteien gezwungen, neben Renten- und Familienpolitik auch jene Themen in ihre Wahlprogramme aufzunehmen, die junge Menschen interessieren. Schließlich geht es darum, wie diese Generation einmal leben wird. Gerade deshalb sollte ihr die Möglichkeit zur Mitbestimmung gegeben werden.

 

Quelle: ntv.de