Österreich-Newsletter

Österreicher, meidet euch! Kurz leitet den Lockdown ein

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Servus und herzlich willkommen zur neuen Ausgabe von "Jetzt ist schon wieder was passiert", dem Österreich-Newsletter bei ntv.de!

In dieser Woche, und wahrscheinlich nicht nur in dieser, ist eine Vorwarnung angebracht: Dieser Newsletter hat kein Mindesthaltbarkeitsdatum - in Zeiten von Corona ist die nächste Breaking News nur eine Pressekonferenz entfernt. Gerade erst hat Österreichs Regierung weitere Maßnahmen angekündigt: Teile des Einzelhandels werden zu Schließungen gezwungen, nur wenige Läden bleiben noch geöffnet.

In der aktuelle Ausgabe von "Jetzt ist schon wieder was passiert" versuchen wir uns an der Zusammenfassung einer bemerkenswerten Woche, in der Österreich viel striktere Maßnahmen beschlossen hat als etwa Deutschland. Außerdem zur Abwechslung noch ein bisschen Nicht-Corona-Content: das Problem mit den illegalen Teigtascherlfabriken.

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"Bist du deppert!": Ausruf der Verwunderung (etwa: Alter Schwede!)

Österreich macht dicht. Wie dicht, kann man im "Standard" lesen: Die Zeitung listete im Feuilleton alle Orte auf, "wo man trotz Corona Kultur erleben kann" - es war eine recht schmale Spalte.

Die großen Museen, Theater und Opernhäuser sind fast ausnahmslos geschlossen, die Staatsoper in Wien, das Burgtheater - aber auch die kleinen Clubs der Hauptstadt begeben sich in die unfreiwilligen Corona-Ferien. Ohne Besucher muss auch der Tierpark in Schönbrunn auskommen, die Skisaison findet in immer mehr Gebieten ein vorzeitiges Ende. Die Fußball-Liga pausiert, im Eishockey wurde die Meisterschaft mitten in den Play-offs abgebrochen, der Vienna City Marathon wird gestrichen. Abpfiff im ganzen Land.

Es ist der Nachhall des Paukenschlags, den der Bundeskanzler am Dienstag gesetzt hat: "Wir haben immer gesagt", sagte Sebastian Kurz, "es wird der Tag kommen, wo wir weitere Maßnahmen setzen werden müssen - und heute ist es so weit." Veranstaltungen ab 100 (drinnen) beziehungsweise 500 (draußen) wurden verboten, die Grenze nach Italien für den Personenverkehr quasi geschlossen, Universitäten und weiterführende Schulen geschlossen.

Seit diesem denkwürdigen Dienstag legt die Regierung Schritt für Schritt nach: Gottesdienste aller Religionen sowie Taufen und Hochzeiten werden ab Montag abgesagt, alle Schulen werden geschlossen, Kindergartenkinder sollen möglichst zu Hause bleiben. Das Außenministerium hat eine Reisewarnung für alle Länder der Welt ausgegeben, Österreicher sollen möglichst schnell nach Hause kommen. Zuletzt folgte nun die Schließung nicht lebensnotwendiger Teile des Einzelhandels.

Noch schneller als die aktuellen Maßnahmen machen Gerüchte die Runde, etwa über Ausgangssperren. In den sozialen Netzwerken teilen User Bilder von leeren Regalen in den Supermärkten, offenbar sind die Appelle von Sebastian Kurz, auf Hamsterkäufe zu verzichten, nicht in alle Köpfe vorgedrungen. Dabei betont die Regierung immer wieder, dass die Versorgungssicherheit gewährleistet sein wird - und legt den Fokus auf das "Social Distancing": Wenn die Österreicher ihre sozialen Kontakte um ein Viertel einschränken, rechnete der Gesundheitsminister Rudolf Anschober vor, könnte das Ansteckungsrisiko halbiert werden. Für drei, vier, sechs Wochen müssten die Österreicher nun ihre Gewohnheiten umstellen: "Das soziale Leben in Österreich soll auf ein Minimum reduziert werden."

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So ein Sommerloch schubst ja die kuriosesten "Nachrichten" in den Fokus, meistens handelt es sich um Profilierungsversuche irgendwelcher Hinterbänkler oder um exotische Tiere, die sich angeblich in Badeseen herumtreiben.

In Wien brachten es im Juli 2019 plötzlich die sogenannten "Teigtascherlfabriken" zum Stadtgespräch. In mehreren Razzien hoben Beamte in Wiener Wohnungen und Restaurants solche illegalen Küchen aus, in denen am Finanzamt vorbei Dumplings produziert wurden. Geliefert wurden sie als Wan Tan an asiatische Restaurants und Imbisse.

Natürlich rannte im Internet sofort der Schmäh über die angebliche "SOKO Teigwaren", die Satireseite "Die Tagespresse" titelte: "Akute Nachschubprobleme: Teigtascherl-Dealer steigen auf Kärtner Kasnudeln um".

Aber hinter den Razzien steckt ein ernsthaftes Problem: Wie das Finanzministerium jetzt in einer Bilanz bekannt gab, wurden bei 18 Kontrollen 11 illegale Küchen entdeckt, viele davon fernab jeglicher Hygiene-Standards.

In einem Fall fanden die Ermittler Mehlspuren im Treppenhaus, die sie zu einer 40-Quadratmeter-Wohnung führten, in denen sechs Chinesinnen und Chinesen nicht nur Teigtaschen kochten, sondern auch wohnten. Insgesamt wurden bei den Razzien 61 Menschen kontrolliert, mehrere davon hielten sich ohne Papiere in Österreich auf. Auch wenn das Landeskriminalamt keine Hinweise auf Menschenhandel oder organisierte Kriminalität fand: Diese Menschen leben und arbeiten unter unwürdigsten Verhältnissen, damit die beliebten Wan Tan möglichst billig auf der Speisekarte landen. Das kann einem das Lachen über die Teigtascherlfabriken schon mal im Hals stecken bleiben.

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++ Schweres Lawinenunglück am Dachstein: Am Sonntag wurden drei Frauen und zwei Männer aus Tschechien von einem gewaltigen Schneebrett von 150 Metern Breite erfasst. Die Rettungskräfte konnten die Verunglückten nur tot bergen. ++ Ein hochrangiger Mitarbeiter von Sebastian Kurz hatte im Mai 2019 Festplatten aus dem Kanzleramt schreddern lassen - unter falschem Namen und ohne zu zahlen. Die Ermittlungen gegen den Mann wurden schnell eingestellt, nun wurde bekannt: einer der ermittelnden Polizisten ist ÖVP-Lokalpolitiker, die Staatsanwaltschaft wirft ihm "problematische Handlungen" vor. ++ Österreichs Energieriese OMV trennt sich von allen 287 OMV-Tankstellen in Deutschland. Wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte, bleiben andere Geschäfte wie die Raffinerie in Burghausen und die Avanti-Tankstellen erhalten. ++ Watschn im Geisterspiel: Die Fußballer von LASK Linz haben das Hinspiel im Achtelfinale der Europa League gegen Manchester am Donnerstagabend mit 0:5 verloren. Wegen des Corona-Virus waren keine Zuschauer zugelassen. ++

So wie es derzeit aussieht, spielt das Ergebnis aber ohnehin keine Rolle - nur noch ein Wunder kann verhindern, dass die europäischen Wettbewerbe ganz abgebrochen werden. An dieser Stelle schon mal meine Empfehlung für die lange Zeit ohne Fußball: "Nicht wie ihr" vom Wiener Autor Tonio Schachinger, ein Buch über den unbequemen und unglücklichen Starkicker Ivo Trifunovic, der viel vom Leben und von den Menschen versteht, mit sich selber aber nicht so recht klarkommt.

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Servus und Baba, bis nächsten Freitag

Ihr Christian Bartlau

Quelle: ntv.de