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Kommt ein Piefke in den Zoo ... Schnitzel-Eklat empört Österreich

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Politik kann so langweilig sein, vor allem wenn Sebastian Kurz mitmacht. Der designierte Ex-Ex-Bundeskanzler ist ja ein Meister der "Message Control", der kontrollierten Kommunikation also. Und er liefert bei den Sondierungsgesprächen mit den Grünen erneut eine Topleistung: Nichts, aber auch gar nichts Substanzielles dringt nach draußen. Das ORF notiert schon verzweifelt Nichtigkeiten wie diese: "Wie lange heute sondiert wird, ist offen. Die Mittagspause hatte sich jedenfalls um rund eineinhalb Stunden verzögert." Nein! Doch! Ohhhhh!

Also können wir uns in Ruhe ein paar weicheren Themen widmen: Heute beschäftigen wir uns mit einem typisch österreichischen "Eklat" um das Österreichischste aller Lebensmittel - und mit dem vielleicht besten Zoo der Welt, den bald ein Deutscher übernehmen wird.

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Panier: Panade

Was muss passieren, damit eine österreichische Zeitung einen "Schnitzel-Eklat" in die Überschrift hyperventiliert? Wer halbwegs mit dem landestypischen Fanatismus in Sachen Kulinarik vertraut ist, ahnt: eh nicht viel.

Anfang der Woche reichte schon eine kleine Auseinandersetzung zwischen einem Polit-B-Promi und seinem Stammwirt für einige aufgeregte Boulevard-Schlagzeilen: Josef Kalina, Ex-SPÖ-Politiker und heute Einflüsterer der Genossen, bekam keinen zweiten Teller, als er sich sein Schnitzel kurzentschlossen mit seiner Gattin teilen wollte. Das Gratisblatt "Österreich" kniete sich sofort in die Hammerstory, bekam Kalina ans Telefon: "Wie schon seit Jahren ging ich abends auf ein Schnitzel ins Gasthaus Oper in der Walfischgasse. Die Portion war mir zu groß, ich bestellte - wie schon sehr oft zuvor - einen zweiten Teller für meine Frau. Das wurde mir rüde verwehrt. Da bin ich gegangen."

Das war, dank der unermüdlichen Arbeit der Redaktion, noch nicht das Ende der Geschichte. Mit Kalinas Beschwerde konfrontiert, entschuldigte sich der Wirt via Zeitungsinterview: "Es ist für uns selbstverständlich, dass ein Gast, der unser Restaurant - insbesondere mit Kindern - besucht, auch das Wiener Schnitzel teilen kann." Danke, "Österreich": Die Staatsaffäre ist beendet, die Schnitzelkultur gerettet.

Wohl um kein anderes Gericht hätte es so ein Aufheben gegeben, das Wiener Schnitzel ist nun einmal die Leibspeise der Österreicher und damit eine nationale Angelenheit. Original aus Kalbsfleisch, goldbraun gebacken, wird es auch oft als "Wiener Schnitzel vom Schwein" serviert, in der etwas billigeren Variante, die vielen Menschen aber ohnehin ebenso gut schmeckt. Die Panier aus Semmelbrösel kann (und sollte) mit Zitrone beträufelt werden, klassischerweise werden ein Erdäpfel-Vogerlsalat (Kartoffeln mit Feldsalat) oder Petersil-Erdäpfel zum Fleisch gereicht.

Welches Erregungspotenzial im Schnitzel steckt, bewies auch der Wahlkampf im Sommer dieses Jahres: SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner musste sich des Eindrucks erwehren, ihre Partei sei nur für die gutverdienenden Hipster aus Wien ("Bobos") da. Also twitterte sie: "Das Schnitzel darf nicht zum Luxus werden". Das Menschenrecht auf Schnitzel und auf den zweiten Teller - das ließe sich in Österreich wahrscheinlich locker mit Zwei-Drittel-Mehrheit in die Verfassung schreiben.

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In Zeiten, da gefühlt jeder zweite Bundesliga-Trainer aus Österreich stammt, mag es überraschen, aber in anderen Branchen läuft der Brain Drain auch in die Gegenrichtung: Der Tiergarten Schönbrunn hat seinen neuen Chef in Deutschland gefunden. Dr. Stephan Hering-Hagenbeck übernimmt den Zoo in Wien ab dem 1. Januar 2020.

*Datenschutz

Ein großer Name für einen besonderen Tierpark: Schönbrunn brüstet sich damit, der älteste noch bestehende Zoo der Welt zu sein. 1752 von Kaiser Franz I. zum Amüsement der Habsburger und ihrer Gäste begründet, wurde die Anlage 1778 für die Öffentlichkeit geöffnet. Heute besuchen 2 Millionen Menschen jährlich den Zoo, der im Jahr 2018 stolze 105.000 Jahreskarten an Stammgäste verkaufte. Im Ranking der besten Zoos Europas belegte Schönbrunn 2018 zum fünften Mal in Folge Rang eins.

Diesen Erfolg soll Hering-Hagenbeck weiterführen. Der promovierte Biologe mit der markanten Silberlocke leitete zuletzt Hagenbecks Tierpark in Hamburg, seine Frau Bettina gehört zur berühmten Zirkus- und Tierparkfamilie aus Norddeutschland. Der 52-Jährige machte bei seinem Antrittsbesuch in Schönbrunn klar, dass er weiß, welche Aufgabe er vor sich hat. "Auch dem Piefke ist diese Verantwortung sehr bewusst, es handelt sich hier um ein nationales Denkmal und ein Weltkulturerbe."

Eine Vorwarnung aber schickte er an seine künftigen Kolleginnen und Kollegen: "Ab und zu rutscht mir vielleicht noch ein 'Moin Moin' raus." Die Sprachverwirrung wird aber beiderseitig sein, ein kleiner Tipp deswegen von meiner Seite an Dr. Hering-Hagenbeck: Wenn die Kollegen Sie zu den "Schiraffen" schicken, meinen sie das Giraffen-Gehege.

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++ Liederbuchaffäre 2.0: Wieder ist ein Textbuch mit antisemitischen Liedern aufgetaucht, dieses Mal in der Steiermark, wieder bei einer Burschenschaft, in der ein FPÖ-Abgeordneter Mitglied ist. Die ÖVP fordert schon von FPÖ-Chef Norbert Hofer, von seinem Durchgriffsrecht Gebrauch zu machen und ihn aus der Partei zu schmeißen. ++ Dominic Thiem hat am Sonntag im zehnten Anlauf endlich zum ersten Mal sein Heimturnier in Wien gewonnen. "Völlig surreal" sei das, sagte der 26-Jährige. Nun fehlt dem Weltranglistenfünften nur noch eins, um Thomas Muster als erfolgreichsten Tennisspieler Österreichs aller Zeiten abzulösen: ein Grand-Slam-Titel. ++ Bei der Nordischen Ski WM in Seefeld im Februar wurde Max Hauke auf frischer Tat beim Doping erwischt, das Video von der Razzia verschaffte dem Langläufer traurige Berühmtheit: Es zeigt ihn mit einer Nadel im Arm. Am Mittwoch wurde Hauke vom Landesgericht Innsbruck wegen schweren Sportbetrugs zu fünf Monaten auf Bewährung verurteilt. ++ Die Zahl der Asylgesuche in Österreich ist auf den Tiefststand seit 2010 gefallen: In den ersten drei Quartalen dieses Jahres waren es 9.155 Anträge. ++ Kein Newsletter ohne die Straches: Die FPÖ hat infolge des Bruchs mit ihrem einstigen Chef auch einen Dokumentarfilm mit dem Arbeitstitel "Ein Jahr mit HC Strache" gestoppt. Regisseur Gabriel Barylli hatte laut eigener Aussage einen "liebevollen Ansatz" verfolgt, der in der FPÖ offenbar nicht mehr gefragt ist nach dem Auftauchen des mittlerweile legendären Konkurrenzfilmes mit HC Strache in der Hauptrolle, Arbeitstitel: "Gier und Pofeln in Ibiza". ++

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Servus und Baba, bis nächsten Freitag

Ihr Christian Bartlau

Quelle: n-tv.de

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