Pressestimmen

Austrittswelle bei der AfD Petry "auf absurde Weise überfordert"

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Der Führungswechsel kann die aufgebrachte AfD nicht beruhigen: Hunderte Mitglieder verlassen die Partei, darunter auch der abgewählte Gründer Bernd Lucke. Steht die AfD vor der politischen Bedeutungslosigkeit? Die Presse diskutiert den Pyrrhussieg der AfD-Vorsitzenden Frauke Petry, das Bohren dicker Bretter und hat einen Tipp für Lucke parat.

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Die AfD hat bereits Hunderte Ex-Mitglieder. Auch Aslan Basibüyük, der ehemalige Beisitzer im rheinland-pfälzischen Landesvorstand der AfD, hat seine Mitgliedskarte zerschnitten.

(Foto: dpa)

Der Münchner Merkur sieht einen Teil der Schuld bei Frauke Petry. Die neue AfD-Chefin hätte schon im Moment ihrer Wahl "auf absurde Weise überfordert" gewirkt: "Weder stellte sie sich den abstoßenden Pöbeleien ihrer Gefolgsleute gegen den Parteigründer Bernd Lucke in den Weg, noch besaß sie den Anstand, dem geschlagenen und tief getroffenen Rivalen noch einmal das Wort zu erteilen. Das Mikrofon, an das Lucke trat, blieb stumm. So richtig wollen solche Gesten der Demütigung nicht zusammengehen mit Petrys Versprechen von mehr innerparteilicher Demokratie und ihren Appellen an die Lucke-Anhänger, der Partei die Treue zu halten."

Für den Tagesspiegel in Berlin hat der Niedergang der Partei auch mit dem politischen System zu tun: "Dessen Widerständigkeit gegen Rechtspopulisten rührt nicht allein aus der Geschichte. Einerseits ist auch 'Systemparteien' wie der SPD Populismus nicht fremd - was deren Parteichef gerade bei den Themen Pegida und 'Grexit' bewies. Andererseits ist die deutsche Politik in Sachen Einwanderung, dem aktuellen Großthema der AfD, durchaus zu Veränderungen fähig - auch wenn sie eine offene Debatte darüber vermeidet. Das wurde schon 1992 mit der Asylrechtsänderung deutlich und wird in Zukunft mit einem Gesetz zur geordneten Einwanderung der Fall sein. Und das ist schließlich, was die AfD schon immer gefordert hat."

Die Westfälischen Nachrichten orakeln, wie die Zukunft der gespaltenen AfD aussehen könnte und sieh einen Hinweis im Schicksal von Pegida: "Der radikalere Teil dieser 'Wutbürgerbewegung' besteht - deutlich geschwächt - als ostdeutsches Phänomen weiter. Die gemäßigtere Abspaltung ist politisch bedeutungslos. Ähnliches zeichnet sich mit der Austrittswelle für die AfD ab."

"Politik hat seit jeher das Bohren dicker Bretter bedeutet. Was mit Ausdauer, Geduld, Geschichtskenntnis und Toleranz gegenüber Andersdenkenden zu tun hat. All dies zeichnet die neue AfD nicht gerade aus", resümmiert auch die Nürnberger Zeitung. Für Lucke hat das fränkische Blatt einen Tipp parat: Er wäre "schlecht beraten, wenn er eine neue Partei gründen würde. Zu viel Vielfalt tut einer Demokratie auch nicht gut."

Allerdings zeichne sich ab, dass Lucke eine neue Partei initiieren möchte, "sozusagen die Alternative zur Alternative", wie die Volksstimme schreibt. Für das Blatt aus Magdeburg ist es aber "nur schwer vorstellbar, dass es dem Wirtschaftsprofessor gelingt, mit der neuen Partei erfolgreich zu sein." Nach dem verlorenen Machtkampf mit Petry sei er politisch angeschlagen und "der Reiz des Neuen und Unverbrauchten ist schon lange verflogen. Gut möglich, dass Lucke eine neue Partei auch als Instrument für einen Rachefeldzug gegen Petry nutzen wird. Diese hat einen Pyrrhussieg errungen. Auf den Sieg über den Konkurrenten folgen eine Austrittswelle und die Debatte über eine nationalkonservative AfD, die immer weiter nach rechts rückt und zunehmend zum Bolzplatz für Deutschnationale, Pegida-Freunde und Rassisten wird. Sicher ist: Lucke und Petry sind noch lange nicht fertig miteinander."

Zusammengestellt von Katja Sembritzki

Quelle: ntv.de