Pressestimmen

Joachim Herrmann und das N-Wort "Sensibilität ist angebracht, nicht Hysterie"

50070881.jpg

(Foto: picture alliance / dpa)

Inmitten der emotional aufgeladenen Debatte um den Umgang mit Flüchtlingen sorgt Bayerns Innenminister mit einer verbalen Entgleisung für Empörung. In einer Talkshow nennt er Schlagerstar Roberto Blanco einen "wunderbaren Neger". Die deutsche Presse bezeichnet die Äußerungen des CSU-Politikers als "dumm und blöd", ruft aber zur Gelassenheit auf.

"Sensibilität ist angebracht, aber nicht Hysterie", kommentiert die Zeitungsgruppe Straubinger Tagblatt/Landshuter Zeitung. Würde "jeder Sturm im Wasserglas der politischen Überkorrektheit zur Staats- oder Demokratiekrise hochgejubelt", sei das "für das politische Klima auch nicht förderlich". Es könne sogar das Gegenteil des Beabsichtigten bewirken: "Wenn vor lauter Furcht, etwas Falsches zu sagen, nur noch weich gespültes Wortgestammel abgesondert wird, ist das nicht im Sinne einer offenen politischen Auseinandersetzung."

Das Handelsblatt wertet die Äußerung Herrmanns als Zeichen eines sozialisierten Rassismus: "Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann von der CSU gehört zu der Generation Deutscher, die in ihrer Kindheit 'Negerküsse' oder 'Mohrenköpfe' gegessen hat, das grauenhafte morbid-rassistische 'Zehn kleine Negerlein' gespielt und ebenjenen schwarzen Onkel Tom mit dem kuriosen Namen 'Roberto Blanco' angehimmelt hat. Zu guter Letzt: Das ist die Generation, die es als völlig 'normal' empfand, dass Pippi Langstrumpfs Vater 'Negerkönig' genannt wurde und Jim Knopf aus der Augsburger Puppenkiste 'Negerbaby'. Aus Joachim Herrmann spricht also nicht nur ein vielleicht gar nicht so untypischer bayerischer Schwarzer. Aus ihm tönt womöglich auch jener angelernte sprachliche Rassismus, der in Deutschland einmal absolut salonfähig war."

Die Forderungen nach einem Rücktritt von Bayerns Innenminister vor dem Hintergrund der fragwürdigen Wortwahl hält die Ludwigsburger Kreiszeitung für übertrieben. Dafür gebe es andere Gründe: "Der diskriminierende Begriff ist aus dem Sprachgebrauch verbannt worden. Das weiß eigentlich jeder. Herrmann hat die Bezeichnung in seiner platten Art trotzdem benutzt. Das war dumm und blöd, ist aber passiert. Er hat dies eingesehen. Deshalb sollte man aus der Angelegenheit keine Staatsaffäre machen. Zurücktreten, wie die Linke es fordert, muss er deswegen schon gar nicht. Da gibt es trefflichere Gründe für Herrmann - erinnert sei nur an die über Monate verfehlte Flüchtlingspolitik im Freistaat, die er mit zu verantworten hat. Zugute halten muss man dem Minister außerdem, dass er in der Sendung 'Hart aber Fair' direkt auf einen Film-Einspieler reagiert hat, in dem ein Bajuware betont, er wolle keine Neger in Bayern haben. Das klang wirklich rassistisch. Herrmann wollte dem offenbar entgegentreten, aber äußerst ungeschickt."

Auch der Mannheimer Morgen sieht in Herrmann keinen rechten Sprücheklopfer: "Es war sicher kein guter Einfall von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU), in der TV-Sendung 'Hart, aber fair' den (CSU-freundlichen) Entertainer Robert Blanco unprovoziert und ungefragt als 'wunderbaren Neger' zu bezeichnen. 'Neger' ist nun mal ein rassistisches Schimpfwort. Die Erklärung Herrmanns, er habe auf eine Einspielung reagiert, hilft da auch nicht viel weiter. Die Frage, die sich stellt, lautet also: War das nur eine verbale Entgleisung, oder steckt bei Herrmann eine entsprechende Einstellung dahinter? Das ist beim Innenminister nun wirklich nicht der Fall. Auch aus privaten Gesprächen ist keine Äußerung Herrmanns bekannt, die auf Rassismus oder Ausländerdiskriminierung hindeuten würde. Herrmann ist zwar der Klartext redende 'Schwarze Sheriff' der CSU, aber kein rechter Sprücheklopfer."

Zusammengestellt von Aljoscha Ilg.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema