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Der Kläger trägt nach Gerichtsangaben die 20 mal 14 Zentimeter große Tätowierung auf der Innenseite seines linken Unterarms.
Der Kläger trägt nach Gerichtsangaben die 20 mal 14 Zentimeter große Tätowierung auf der Innenseite seines linken Unterarms.(Foto: picture alliance / Martin Höke/M)
Mittwoch, 12. September 2018

Löwenkopf kann gezeigt werden : Auch Unterarm-Tätowierte dürfen zur Polizei

Größere Tätowierungen an sichtbaren Körperstellen dürfen nicht automatisch zum Ausschluss vom Polizeidienst führen, entscheidet das Oberverwaltungsgericht Münster. Dennoch ist nicht jedes Motiv erlaubt.

Eine große Tätowierung auf dem Unterarm ist kein Grund, einen Bewerber vom Polizeidienst auszuschließen. Das hat das Oberverwaltungsgericht (OVG) Münster entschieden und damit ein Urteil des Verwaltungsgerichts Düsseldorf aus der ersten Instanz bestätigt.

In dem verhandelten Fall hatte sich ein Mann aus Mülheim 2017 für den Dienst bei der Polizei beworben und war vom Land abgelehnt worden. Er trägt auf der Innenseite des linken Unterarms eine auffällige und 14 mal 20 Zentimeter große Löwenkopf-Tätowierung. 

Das zuständige Landesamt hatte sich bei seiner Ablehnung auf einen Erlass der Landesverwaltung gestützt, der die Reglementierung von zulässigen Tätowierungen bei Beamten regelt. Im Fall des angehenden Polizisten war das Tattoo ein Problem, weil es beim Tragen der Sommeruniform gut sichtbar ist. Seine Autorität und die gebotene Neutralität sei beeinträchtigt, lautete die Kritik.

Das OVG aber lehnte die Berufung des Landes ab. Für eine solche Entscheidung fehle eine gesetzliche Grundlage, welche Tätowierungen im Beamtenverhältnis zulässig sind. Ein Erlass der Verwaltung sei nicht ausreichend, heißt es in der Begründung des Gerichtes. Der Kläger wurde in der Zwischenzeit vereidigt und arbeitet als Polizist. Das Land hatte ihn vor der Urteilsverkündung unter Vorbehalt in das Beamten-Verhältnis übernommen. Das Land behielt sich aber ausdrücklich vor, ihn im Falle eines Erfolges im Hauptverfahren zu entlassen.

Die Entscheidung des Gerichtes ist auch der Tatsache geschuldet, dass sich bereits rund 15 Prozent der Erwachsenen in Deutschland Tinte unter die Haut haben jagen lassen, welche auch vom Dienstherrn bei der Einstellung junger Bewerber berücksichtigt werden muss. Dies gilt laut Urteil auch für Tätowierungen an sichtbaren Stellen. Jedweder Körperschmuck, der durch die Kleidung bedeckt ist, hat den Arbeitgeber ohnehin nicht zu interessieren. Verboten bleiben hier jedoch Tätowierungen mit extremistischen, entwürdigenden, sexistischen oder gewaltverherrlichenden Bildern.

Quelle: n-tv.de