Ratgeber

Mehr Elterngeld für Mutter Berechnungszeitraum kann variabel sein

imago65721713h.jpg

Seit dem 1. Juli 2015 können Eltern zwischen dem Basiselterngeld und dem Elterngeld Plus wählen.

(Foto: imago/STPP)

Die Höhe des Elterngeldes bemisst sich in der Regel am durchschnittlichen Einkommen in den letzten zwölf Monaten vor dem Mutterschutz. Doch was gilt, wenn eine Frau wegen einer Schwangerschaft ihren Job verliert? Ein Urteil schafft Klarheit.

Bei der Berechnung des Elterngelds kommt es auf den durchschnittlichen Verdienst der letzten zwölf Monate an. Der Zeitraum kann sich aber ausnahmsweise verschieben, erklärt die Arbeitsgemeinschaft Sozialrecht des Deutschen Anwaltvereins (DAV).

Zum Beispiel, wenn die werdende Mutter nach einem Arbeitsplatzverlust wegen einer Risikoschwangerschaft keinen neuen Job finden konnte. Vermindert sich deswegen ihr Erwerbseinkommen in den Monaten vor der Geburt, wird das ursprüngliche Einkommen herangezogen, entschied das Landessozialgericht Niedersachsen-Bremen (Az.: L 2 EG 8/18).

Der Fall: Einer Hotelfachfrau wurde gekündigt. Sie bemühte sich danach bei zwei Arbeitgebern um eine neue Anstellung durch Probearbeiten. Zu einer Einstellung kam es nicht, denn die Frau wurde mit Zwillingen schwanger: Die Frauenärztin sprach ein Beschäftigungsverbot wegen Risikoschwangerschaft aus. Nach der Geburt berechnete die Behörde das Elterngeld einschließlich des Nulleinkommens in den Monaten zwischen Jobverlust und Geburt. Dadurch verminderte sich das Durchschnittseinkommen der Frau.

Höherer Verdienst angenommen

Das Urteil: Das Sozialgericht stellte sich aber auf die Seite der Mutter. Bei der Bemessung des Elterngeldes müsse beachtet werden, dass es zu dem niedrigeren Einkommen durch die schwangerschaftsbedingte Erkrankung gekommen sei. Es komme daher darauf an, ob die Mutter ohne die Erkrankung nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge mit Wahrscheinlichkeit einen höheren Verdienst erzielt hätte.

Nach Überzeugung des Gerichts hätte die Frau ohne die Risikoschwangerschaft wahrscheinlich eine neue Arbeit gefunden. Sie habe sich als erfahrene Mitarbeiterin in einem Gewerbe mit großem Fachkräftebedarf intensiv bemüht und habe schon zur Probe gearbeitet. Weitere gesundheitliche Einschränkungen hatte sie nicht.

Seit dem 1. Juli 2015 können Eltern zwischen dem Basiselterngeld und dem Elterngeld Plus wählen. Die Höhe liegt bei meist 65 Prozent des Durchschnittsnettoeinkommens des Elternteils vor der Geburt des Kindes. Gezahlt werden mindestens 300 Euro, maximal 1800 Euro. Den Mindestbetrag von 300 Euro können Eltern zum Beispiel beanspruchen, wenn sie studieren oder arbeitslos sind. Bis zu zwölf Monate kann ein Elternteil Basiselterngeld beziehen. Betreut der Partner für mindestens 2 Monate das Kind, verlängert sich die Bezugsdauer von Basiselterngeld für die Eltern auf 14 Monate.

Vom Elterngeld Plus profitieren vor allem Mütter und Väter, die Teilzeit arbeiten wollen. Sie dürfen maximal 30 Stunden in der Woche arbeiten und erhalten Elterngeld Plus zusätzlich zum Gehalt. Das Elterngeld Plus wird für den doppelten Zeitraum gewährt. Das bedeutet, Eltern können einen Monat Basiselterngeld in zwei Elterngeld Plus-Monate umwandeln.

Quelle: n-tv.de, awi/dpa

Mehr zum Thema