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Teure Erfrischung Bio-Mineralwasser nur Geldschneiderei?

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Die Verwendung des Begriffes "bio" ist dann erlaubt, wenn strengere Vorgaben für das Mineralwasser definiert werden.

(Foto: imago/Ulrich Roth)

Bio boomt - Mineralwasser auch. Da liegt es nahe, Verbrauchern Bio-Mineralwässer anzubieten. Doch kann Wasser überhaupt bio sein? Und wieso kostet das kühle Nass mit Siegel deutlich mehr als anderes Mineralwasser, obwohl beide aus derselben Quelle stammen? Die Verbraucherzentrale Hamburg sieht die Sache denn auch kritisch.

Bei Mineralwasser handelt es sich eigentlich nur um Regenwasser, welches durch Gesteinsschichten bis zur Quelle gesickert ist. Auf dem Weg in die Tiefe kann das Wasser dann Mineralien aufnehmen. Gute Sache also, aus einem rein natürlichen Vorgang.

Doch immer mehr Mineralquellen bieten ihr Wasser auch in Bio-Qualität an. Dieses muss dann höhere Standards erfüllen als normales Mineralwasser. Zusätzlich sollen die Hersteller Vorgaben für mehr Umweltschutz und Nachhaltigkeit umsetzen. Das Wasser ist daher oft teurer. Doch in manchen Fällen kostet Bio-Wasser selbst dann mehr, wenn es aus ein und derselben Quelle stammt wie das normale Mineralwasser des Abfüllers. Das hat die Verbraucherzentrale Hamburg (vzhh) im Rahmen einer Stichprobe herausgefunden.

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So ist das kühle Nass der Marke Vilsa mit Bio-Siegel bis zu 60 Prozent teurer. Bei der französischen Wassermarke Volvic betrug der recherchierte Preisaufschlag 34 Prozent. "Warum Verbraucher für eine Flasche mit Bio-Label mehr zahlen müssen, obwohl sie kein anderes Wasser bekommen, können wir nicht nachvollziehen", sagt Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg. "Das ist Geldschneiderei!"

Mineralwasser kann auch ohne staatliches Siegel "bio" sein

Der Verbraucherschützer wünscht sich denn auch bei Bio-Mineralwässern grundsätzlich mehr Transparenz. Bislang können sich Mineralbrunnen nur von zwei privatrechtlichen Anbietern zertifizieren lassen, die unterschiedliche Kriterien zur Bewertung heranziehen. Rein rechtlich betrachtet ist Bio-Mineralwasser kein Bio-Lebensmittel. Mineralwasser fällt nicht unter die EU-Öko-Verordnung, denn es ist kein landwirtschaftlich erzeugtes Lebensmittel. Aus diesem Grund kann es kein staatliches Bio-Siegel bekommen. "Beim Bio-Mineralwasser wird das Bio-Siegel im wahrsten Sinne des Wortes verwässert. Wo Bio draufsteht, muss Bio drin sein!", findet Valet. "Wir brauchen auch für Mineralwasser eine staatlich kontrollierte Bio-Kennzeichnung." Immer mehr Siegel und Label mit unterschiedlichen Anforderungen würden Verbraucher eher verwirren als nützen und das Vertrauen in Bio untergraben.

Trotzdem kann ein Mineralwasser "bio" sein, wie der Bundesgerichtshof im Jahr 2012 entschieden hat. Die Verwendung des Begriffes "bio" ist dann erlaubt, wenn strengere Vorgaben für das Mineralwasser definiert werden. Demnach erwarten Verbraucher von einem als "Bio-Mineralwasser" bezeichneten Mineralwasser, dass es nicht nur unbehandelt und frei von Zusatzstoffen ist, sondern im Hinblick auf Rückstände und Schadstoffe deutlich unterhalb der für natürliche Mineralwässer vorgesehenen Höchstwerte liegt. Mineralwässer, die die gesetzlichen Grenzwerte deutlich unterschreiten, unterscheiden sich von den Mineralwässern, bei denen der Gehalt an Rückständen und Schadstoffen nahe an diesen Werten liegt.

Richtigstellung der vzhh  

Die Verbraucherzentrale Hamburg hatte in der Pressemitteilung "Bio-Nepp beim Mineralwasser?" vom 22. Juni 2020 zum Thema Bio-Mineralwasser den Satz veröffentlicht "Bei der französischen Wassermarke Volvic betrug der recherchierte Preisaufschlag 34 Prozent." Diese Aussage ist nicht zutreffend. Die Hamburger Verbraucherschützer stellen richtig: Es gab keinen Preisaufschlag bei der Volvic Bio-Mineralwasserflasche.

Die Verbraucherzentrale Hamburg bittet um Entschuldigung für die fehlerhafte Aussage.

Quelle: ntv.de, awi

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