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Baby an Bord Darf der Chef Beginn der Elternzeit festlegen?

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Bei der Elternzeit handelt es sich um einen arbeitsrechtlichen Anspruch gegenüber dem Arbeitgeber.

(Foto: imago/blickwinkel)

Die einen nehmen ihre Elternzeit gleich nach der Geburt des Kindes, die anderen erste Monate später. Nach dem Gesetz haben Arbeitnehmer bei der Terminwahl einigen Spielraum. Doch darf der Chef auch mitreden?

Steht Nachwuchs ins Haus, planen viele werdende Eltern eine Auszeit. Darf der Arbeitgeber dann festlegen, wann die gesetzliche Elternzeit beginnt?

"Nein", sagt Johannes Schipp, Fachanwalt für Arbeitsrecht aus Gütersloh. Denn die Elternzeit wird nicht vom Arbeitgeber festgelegt. Vielmehr muss der Arbeitnehmer ein Schreiben an den Arbeitgeber richten, in dem er die geplante Elternzeit verlangt und den Zeitraum dafür festlegt.

Elternzeit rechtzeitig einreichen

"Wichtig ist, dass das rechtzeitig passiert", erklärt Schipp. Die Fristen für das Schreiben sind im Paragraf 16 des Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetzes (BEEG) festgelegt. "Darin heißt es, dass wer Elternzeit für einen Zeitraum bis zum vollendeten dritten Lebensjahr des Kindes machen möchte, dies mindestens sieben Wochen vorher schriftlich verlangen muss", erläutert der Fachanwalt.

Für den Zeitraum zwischen dem dritten Geburtstag und dem vollendeten achten Lebensjahr des Kindes gilt eine Frist von 13 Wochen. "Der Antrag zählt ab dem Zeitpunkt, ab dem der Arbeitnehmer dies verlangt", so Schipp. Widersprechen kann der Arbeitgeber nicht.

Nur in seltenen Fällen Ablehnung möglich

Von dieser Regel gäbe es zwar eine Ausnahme, die jedoch im Alltag kaum relevant sei, sagt Schipp. Wie Paragraf 16 des BEEG festlegt, kann die Elternzeit auf drei Zeiträume verteilt werden. Plant ein Arbeitnehmer einen der Zeiträume zwischen dem dritten und dem achten Lebensjahr des Kindes zu nehmen, könne der Arbeitgeber das unter Umständen verweigern. Dies gelte aber lediglich, wenn dringende betriebliche Erfordernisse vorliegen, was für Arbeitgeber nur in seltenen Fällen begründbar sei, so Schipp.

Grundsätzlich handelt es sich bei der Elternzeit um einen arbeitsrechtlichen Anspruch gegenüber dem Arbeitgeber. Dieser muss seinen Mitarbeitern ermöglichen, nach bis zu drei Jahren Elternzeit pro Kind ins Unternehmen zurückzukehren.

Johannes Schipp ist Vorsitzender des Geschäftsführenden Ausschusses der Arbeitsgemeinschaft Arbeitsrecht im Deutschen Anwaltverein.

Quelle: n-tv.de, awi/dpa

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