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Kontoführungsgebühren voraus? Das Gratiskonto ist tot - fast

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(Foto: imago stock&people)

Genossenschaftsbanken und Sparkassen haben das kostenlose Girokonto faktisch abgeschafft. Nur einige Direktbanken bieten Kunden noch gebührenfreie Konten an. Ganz ohne Gegenleistung kommen Kunden aber auch dort nicht davon.

Besondere Leistungen haben einen großen Makel. Man gewöhnt sich an sie, wenn sie lang genug andauern. So wird das vermeintlich Spezielle über kurz oder lang zur Selbstverständlichkeit. Bestes Beispiel für eine solche Entwicklung: das kostenlose Girokonto.

Es ist noch gar nicht so lange her, da war es für die Deutschen normal, eine monatliche Kontoführungsgebühr zu bezahlen. Erst vor 20 Jahren haben die ersten Banken ein Girokonto ohne Kontoführungsgebühr und Überweisungskosten angeboten, darunter das Gehaltskonto der damaligen BfG Bank sowie der Sparda-Banken Berlin, Frankfurt und München. Fünf Jahre später gab es dann schon 19 Banken mit Gratiskonten in den FMH-Girotabellen. Und mit dem Auftritt der Direktbanken tauchte das kostenlose Konto immer häufiger auf. Das Motiv der Pioniere war klar: Sie wollten den Filialbanken mit kostenpflichtigen Angeboten die Kunden abjagen. Der Plan ging auf. Vorläufig zumindest. Dann rüsteten auch die Traditionalisten auf und setzten auf die Gratisvariante von Online-Konten. Nun war man wieder auf Augenhöhe – mit dem Nebeneffekt, dass Kunden das unentgeltliche Girokonto als Standard erwarteten. Das Besondere war zur Normalität geworden.

Sparkassen als Trendsetter

Max Herbst ist Inhaber der FMH-Finanzberatung, die seit 1986 unabhängige Zinsinformationen erstellt.

Max Herbst ist Inhaber der FMH-Finanzberatung, die seit 1986 unabhängige Zinsinformationen erstellt.

Inzwischen müssen Kunden aber wohl erneut umdenken – denn das kostenlose Girokonto ist ein Auslaufmodell. Vorreiter dieses Trends sind diesmal allerdings nicht die Direktbanken, sondern die Sparkassen. Der Chef des Sparkassen- und Giroverbands, Georg Fahrenschon, lässt seit einiger Zeit keine Gelegenheit verstreichen, um auf die Not der Geldhäuser hinzuweisen und um Verständnis für immer neue, höhere Kosten zu werben. Tenor: Den Sparkassen gehe es so schlecht, dass höhere Gebühren einfach nicht zu vermeiden seien.

In welchem Maß Kunden dieses Verständnis tatsächlich aufbringen, wird sich im Laufe der kommenden Monate beweisen müssen. Zwar erheben nicht nur die Sparkassen, sondern auch die Genossenschaftsbanken inzwischen wieder fast ausnahmslos Gebühren. Vereinzelt finden sich aber noch immer Geldhäuser, die Gratiskonten im Angebot haben. Sie setzen weiterhin darauf, dass kostenbewusste Kunden zu ihnen überlaufen. Die Umstände dafür könnten kaum besser sein: Seit Oktober erleichtert ein neues Gesetz den Girokontowechsel deutlich

Erste Direktbanken schränken Services ein

Allerdings müssen sich auch die Direktbanken in Zeiten niedriger Zinsen und sinkender Margen die Frage stellen, wie lange es sich noch lohnt, an diesem Modell festzuhalten, und ab wann das Gratiskonto zum Verlustgeschäft wird.

Die ersten Direktbanken zeigen sich auch schon kostensensibler im Hinblick auf die Inklusiv- Leistungen, die sie Neukunden anbieten. Die DKB etwa, eine der ganz großen Direktbanken und auch Vorreiter des kostenlosen Girokontos mit weltweiter kostenloser Bargeldversorgung über die VISA-Karte, hat ihre Preisleistungsverzeichnis ab dem 01.12.2016 geändert. Dabei kündigt sie an, dass der Kontonutzer ein Jahr lang wie ein Aktivkunde mit leicht verbesserten Bedingungen eingestuft wird und erst nach 12 Monaten (also frühestens ab 01.12.2017) als Standardnutzer geführt wird, wenn keine 700 Euro monatlicher Geldeingang festgestellt wird. Bei der ersteren ist der Dispozins um 0,6 Prozentpunkte höher, das Bezahlen in Fremdwährungen kostet 1,75 Prozent mehr als bei Aktivkunden.

Marktführer ING-DiBa wirbt zwar immer noch um Neukunden und zahlt Wechslern einen Startbonus von 75 Euro. Um in den Genuss dieser Prämie zu kommen, muss das Konto aber als Gehaltskonto geführt werden – und es müssen in den ersten 4 Monaten zweimal hintereinander mindestens 1000 Euro Gehalt auf dem neuen Konto eingehen. In den anderen Fällen lässt sich das DiBa-Konto zwar kostenfrei nutzen, der Startbonus entfällt dann aber.

Je schlechter das Gehalt, desto teurer das Konto

Auch viele andere Banken haben Gehaltskunden im Blick, weil sie darauf setzen, dass mit ihnen noch andere Geschäfte möglich sind. Das kostengünstige oder gar kostenfreie Girokonto dient ihnen als Hebel, um an anderer Stelle Geld zu verdienen. Da ist es nur konsequent, dass all jene, die die Mindestvorgabe beim Geldeingang unterschreiten, zu Kunden zweiter Klasse degradiert und mit Gebühren belastet werden, die bei Gutverdienern nicht anfallen. Aus diesem Grund sollten gerade Personen mit wechselndem Gehalt (Teilzeitbeschäftigte und Aushilfskräfte) die Konditionen ihres Kontoanbieters genau unter die Lupe nehmen.

Auf die Spitze treiben die Banken ihre Praxis bei den sogenannten Basiskonten für finanzschwache Personen, die sie – dank eines neuen Gesetzes – seit einigen Monaten anbieten müssen. Das Problem ist nur: Der Gesetzgeber hat zwar dafür gesorgt, dass jedermann ein Konto bekommen kann. Er hat aber nicht vorgeschrieben, dass diese Basiskonten kostenfrei sein müssen. Banken dürfen daher einen finanziellen Ausgleich für ihre Dienstleistungen verlangen. Und von diesem Recht machen sie regen Gebrauch – wohl auch, um die unbeliebte Klientel abzuschrecken. Diese Praxis wird vermutlich solange anhalten, bis Verbraucherschützer erfolgreich dagegen klagen.

Fazit: Das kostenlose Girokonto ohne Wenn und Aber wird es bald nicht mehr geben. Das allein wäre noch in Ordnung, wenn die erhobenen Gebühren auch ein Plus an Service zur Folge hätten. Aktuell aber sieht es eher so aus, dass viele Banken ihre Kontomodelle verteuern, ohne den Service oder Dienstleistung auch nur minimal zu verbessern – vor diesem Hintergrund sind Kunden gut beraten, die neuen, vereinfachten Wechselmöglichkeiten konsequent auszuschöpfen.

Quelle: n-tv.de

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