Ratgeber

Steuern sparen Den Fiskus an Krankheitskosten beteiligen

Krankheitskosten geltend machen

Krankheitskosten sollte man geltend machen ...

(Foto: Andrea Warnecke/dpa-tmn/dpa)

Mit einer guten Planung überspringen Sie Ihren Eigenanteil bei Krankheitskosten leicht und sparen dank privater Zuzahlungen, Therapien oder Brillen Steuern. Wie das geht, erfahren Sie hier.

Die eigene Gesundheit und das eigene Wohlbefinden genießen höchsten Stellenwert. Noch schöner ist es, wenn Gesundheit und finanzielle Vorteile Hand in Hand gehen - und das ist möglich. Welche Möglichkeiten Steuerpflichtige haben, um den Fiskus an den eigenen Krankheitskosten zu beteiligen, erklärt der Gastbeitrag. Der Hintergrund: Krankheitskosten sind grundsätzlich absetzbar.

Richtig gehört: Ausgaben für Hilfsmittel wie Zahnspangen, Brillen, künstliche Befruchtung, Therapien oder Kuren lassen sich absetzen. Allerdings müssen Steuerpflichtige stets einen Teil ihrer Ausgaben selbst tragen - den sogenannten Eigenanteil. Inwieweit Ausgaben abziehbar sind, hängt vom Einkommen und der familiären Situation, also Familienstand und Kindern, ab. Nach diesen Faktoren berechnet sich die zumutbare Belastung, der Eigenanteil. Erst wenn Steuerpflichtige diesen überschreiten, zählen die zusätzlichen Kosten in der Steuererklärung.

Daniel Schollenberger ist Steuerexperte des Portals Steuertipps.de von Wolters Kluwer.

Daniel Schollenberger ist Steuerexperte des Portals Steuertipps.de von Wolters Kluwer.

Unterschieden wird zwischen Kosten, bei denen eine Rechnung oder Verordnung genügt, und solchen, für die es beispielsweise ein Attest braucht.

Wo Rechnung und Verordnung ausreichen

Bei einer Vielzahl von Krankheitskosten sind Rechnung oder Verordnung ausreichend, um sie geltend zu machen. Dazu gehören etwa Arznei- und Verbandsmittel.

So sind Zuzahlungen zu rezeptpflichtigen Medikamenten abzugsfähig, Verhütungsmittel ausgenommen. Als Nachweis genügt der Zahlungsbeleg der Apotheke. Arzneien, die die Kasse nicht zahlt, sollten sich Steuerzahler möglichst vom Arzt auf einem Privatrezept verordnen lassen und dieses dann als Quittung behalten. Privatpatienten legen ihrer Kasse eine Rezeptkopie und die Abrechnung vor. Zahlt diese nur ein günstigeres Präparat, können sie Aufpreis abrechnen. Chronisch Kranke hingegen reichen einmalig eine (Dauer-)Verordnung ein.

Für anerkannte Therapien gilt diese Art des Nachweises ebenfalls. Als anerkannte Therapien lassen sich neben schulmedizinischen auch homöopathische, anthroposophische und heileurythmische Behandlungen sowie Phytotherapien abrechnen.

Künstliche Befruchtungen zählen steuerlich mit, wenn ein Arzt zuvor die Unfruchtbarkeit von Mann oder Frau feststellt. Voraussetzung ist allerdings eine Ehe oder eingetragene Partnerschaft. Bei einer empfängnisunfähigen Frau, die in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung lebt, kommen zudem die Aufwendungen für eine künstliche Befruchtung mit Spendersamen einschließlich der Kosten für die Bereitstellung und Aufbereitung des Spendersamens hinzu (BFH, Az. VI R 47/15).

Fahrt zu Arzt oder Apotheker nicht vergessen

Auch beim Thema Zahnersatz gibt es einige Kosten, die anerkannt werden. Dazu gehören etwa Zuzahlungen für Inlays, Kronen, Implantate oder die Zahnspange für das Kind. Als Nachweis genügt die Rechnung. Achtung: Prophylaktische Behandlungen sind Privatsache.

Ein wichtiger Kostenpunkt sind für viele Steuerzahler zudem Hilfsmittel und Sehhilfen. Und hier gilt, dass diese per Kaufquittung oder Verordnung nachweisbar sind. Zu den Hilfsmitteln gehören Hörgeräte, Gehhilfen, Prothesen, Rollstühle oder orthopädisches Schuhwerk. Außerdem ist die Montage von Handläufen oder der Einbau eines Treppenliftes absetzbar (BFH, Az. VI R 61/12).

Beim Thema Sehhilfen ist der Steuerpflichtige jedoch auf das Wohlwollen des Finanzamts angewiesen: Bei Brillen und Kontaktlinsen bewertet das Finanzamt im Einzelfall, ob die Kosten angemessen sind. Wer aufgrund einer nachgewiesenen schweren Sehschwäche teure Gläser braucht, kann seine Ausgaben voll abrechnen - wer eine ausgesprochene "Luxusfassung" wählt, nicht. Die gute Nachricht: Das Amt darf nicht pauschal auf ein simples Kassengestell verweisen.

Hat der Augenarzt einmal eine Sehhilfe verordnet, ist das später nicht mehr nötig - ein Gang zum Optiker genügt. Steuerzahler sollten die Verordnung aufheben, um sie auf Nachfrage vorweisen zu können. Wer die Erstverordnung nicht mehr hat, lässt sich seine nächste Sehhilfe verordnen - etwaige Gebühren sind abzugsfähig. Und wer von Gläsern oder Kontaktlinsen Abschied nimmt und sich die Augen lasern lässt, braucht als Nachweis dafür nur die Arztrechnung.

Außerdem dürfen Steuerzahler ihre Fahrt zu Arzt oder Apotheker nicht vergessen. Fahren sie mit Bus oder Bahn zum Arzt oder zum Apotheker, sollten sie die Kosten auflisten. Autofahrer rechnen pro gefahrenem Kilometer 30 Cent ab. Vorsicht bei Taxikosten: Diese können nur abgesetzt werden, wenn öffentliche Verkehrsmittel für den Erkrankten nicht zumutbar sind.

Amtsärztliches Attest oder ein Gutachten von MDK

Neben den anerkannten schul- oder alternativmedizinischen Therapien gibt es auch die sogenannten "nicht anerkannten Therapien". Dazu gehören etwa Frisch- oder Trockenzellenbehandlungen, Sauerstoff-, Chelat-, Eigenblut- und Delfintherapien sowie Ayurvedakuren. Für diese Therapien genügt die Quittung nicht.

So ist es auch bei den beliebten Themen Kur und Reha: Hat der Aufenthalt einen eindeutig medizinischen Charakter und steht der Steuerpflichtige unter ärztlicher Kontrolle, zieht der Fiskus mit. Absetzbar sind dann neben der Gebühr für das Attest auch eigene Ausgaben für Medikamente, Behandlungen, Kost und Logis sowie Kurtaxe und Fahrtkosten - jedoch maximal in Höhe öffentlicher Verkehrsmittel.

Zu guter Letzt fällt die Psychotherapie in diese Kategorie: Ein Attest benötigen sie auch dann, wenn der Therapeut selbst Arzt ist. Wollen Steuerpflichtige die Behandlung nach Auslaufen der Bezuschussung fortsetzen, brauchen sie vorab ein neues Attest.

Daniel Schollenberger ist Steuerexperte des Portals Steuertipps.de von Wolters Kluwer.

Quelle: ntv.de