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Entscheidend für die Haftung ist, dass die Beeinträchtigung des Nachbargrundstücks zumindest mittelbar auf den Willen des Eigentümers  zurückgeht.
Entscheidend für die Haftung ist, dass die Beeinträchtigung des Nachbargrundstücks zumindest mittelbar auf den Willen des Eigentümers zurückgeht.(Foto: picture alliance / Paul Zinken/d)
Freitag, 09. Februar 2018

Nachbarhaus brennt : Eigentümer haften auch für Handwerker

Ein Dachdecker löst bei einer Reparatur ein Feuer aus. Es brennt ab. Auch die Nachbarimmobilie ist betroffen. Da der Handwerker pleite ist, sollen die Eigentümer zahlen, welche den Handwerker beauftragt haben. Der Bundesgerichtshof nimmt diese in die Pflicht.

Der Bundesgerichtshof (BGH) hat entschieden, dass ein Grundstückseigentümer, der einen Handwerker Reparaturarbeiten am Haus vornehmen lässt, gegenüber dem Nachbarn verantwortlich ist, wenn das Haus infolge der Arbeiten in Brand gerät und das Nachbargrundstück dabei beschädigt wird (Az.: V ZR 311/16). Dass der Handwerker zuvor sorgfältig ausgesucht wurde, ändert daran nichts. 

In dem verhandelten Fall war ein Ehepaar Eigentümer eines Wohnhauses. Im Dezember 2011 führte ein Dachdecker in ihrem Auftrag am Flachdach des Hauses Reparaturarbeiten durch. Im Verlauf der mit Hilfe eines Brenners durchgeführten Heißklebearbeiten verursachte er schuldhaft die Entstehung eines Glutnestes unter den aufgeschweißten Bahnen. Am Abend bemerkten die Eheleute Flammen in dem Bereich, in dem der Dachdecker gearbeitet hatte. Der alarmierten Feuerwehr gelang es nicht, das Haus zu retten. Es brannte vollständig nieder. Durch den Brand und die Löscharbeiten wurde das an das brennende Haus unmittelbar angebaute Haus der Nachbarin erheblich beschädigt.

Die Versicherung dieser übernahm zunächst die Regulierung des entstandenen Schadens in Höhe von 97.801,29 Euro, wollte diesen Betrag jedoch vom für den Brand verantwortlichen Dachdecker ersetzt bekommen. Doch hier war nichts zu holen, da der Handwerker zahlungsunfähig war und ein Verbraucherinsolvenzverfahren eröffnet wurde. Nun sollten die Erben der inzwischen verstorbenen Eigentümer den Betrag begleichen. Die Forderung der Versicherung wurde zunächst beim Amtsgericht Magdeburg und beim Oberlandesgericht Naumburg verneint.

Aber nicht beim BGH. Demnach liegt im verhandelten Fall ein verschuldensunabhängiger nachbarrechtlicher Ausgleichsanspruch vor. Dieser besteht immer dann, wenn von einem Grundstück im Rahmen privatwirtschaftlicher Benutzung rechtswidrige Einwirkungen auf ein anderes Grundstück ausgehen, die der Eigentümer oder Besitzer des betroffenen Grundstücks nicht dulden muss, aber auch nicht unterbinden kann. Entscheidend ist, dass die Beeinträchtigung des Nachbargrundstücks zumindest mittelbar auf den Willen des Eigentümers oder Besitzers zurückgeht. Dieser muss laut BGH somit auch für Brandschäden am Nachbarhaus haften, die durch Arbeiten Dritter an seinem Dach entstanden sind. 

Quelle: n-tv.de