Ratgeber

Pilotprojekt in HessenFinanzamt macht die Steuererklärung: Darauf sollten Sie achten

04.03.2026, 10:54 Uhr
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Festsetzungsvorschlag vom Finanzamt erhalten? Dann haben Angeschriebene vier Wochen Zeit, darauf zu reagieren.

In Kassel erstellt das Finanzamt für einfache Fälle automatisch einen Steuer-Vorschlag. Wer allerdings steuerlich relevante Ausgaben melden kann, sollte das auch tun.

Die jährliche Erstellung der Steuererklärung ist für viele ein Ärgernis. Belege müssen sortiert, Formulare gewälzt und Fristen eingehalten werden. Und immer schwingt die Sorge mit, etwas falsch zu machen. Nun dreht ein Pilotprojekt das Verfahren um: Nicht mehr der Bürger erklärt seine Steuer, sondern das Amt erstellt einen fertigen Vorschlag. In Hessen läuft dieses Modell bereits.

Gestartet wurde das Projekt beim Finanzamt Kassel unter dem Titel "Die Steuer macht jetzt das Amt!". Die Idee: Für einfache Fälle - etwa Arbeitnehmer oder Rentner ohne besondere Zusatzeinkünfte - liegen dem Finanzamt ohnehin bereits viele Daten elektronisch vor. Denn Arbeitgeber, Rentenversicherung oder Krankenversicherung übermitteln ihre Informationen digital. Auf dieser Basis erstellt die Behörde einen sogenannten Festsetzungsvorschlag.

Eigene Ergänzungen können sinnvoll sein

"Steuerzahler erhalten diesen per Post oder digital und haben vier Wochen Zeit zur Prüfung", erklärt Daniela Karbe-Geßler vom Bund der Steuerzahler. Wer dem Festsetzungsvorschlag zustimmt oder gar nicht darauf reagiert, erhält automatisch einen Steuerbescheid.

Wer hingegen Werbungskosten, Sonderausgaben, Handwerkerleistungen oder andere steuermindernde Angaben ergänzen kann, sollte das weiterhin selbst erklären - etwa über das bundesweite Online-Finanzamt Elster. Das klassische Veranlagungsverfahren bleibt also bestehen.

Mit dem Festsetzungsvorschlag könnten also gerade Menschen mit überschaubaren Einkommensverhältnissen bei der Steuererklärung entlastet werden. Doch auch sie sollten dabei genau hinschauen: "Die Verantwortung für vollständige Angaben bleibt beim Steuerzahler. Wer zusätzliche Aufwendungen nicht meldet, verschenkt womöglich Geld", sagt Daniela Karbe-Geßler.

Auch andere Länder beobachten das Modell dem Bund der Steuerzahler zufolge genau. In Thüringen plant das Finanzministerium ein ähnliches Verfahren unter dem Projektnamen "Amsel" (Amtsveranlagung). Ein Start wird vorbereitet, konkrete Bescheide wie in Hessen werden dort aber noch nicht verschickt.

Steuererklärung mit nur einem Klick ab Juli

Ungeachtet dessen soll die Steuererklärung per App auf dem Smartphone ab 1. Juli mit nur einem Klick für die ersten Anwendergruppen bundesweit verfügbar sein. Dies sind nach Angaben des bayerischen Finanzministeriums ledige, kinderlose Arbeitnehmer sowie Bezieher von Alterseinkünften. Bayern hatte die Funktion im Auftrag von Bund und Ländern entwickelt und programmiert, sie steht in allen Bundesländern zur Verfügung.

Ab Juli erhalten die Betreffenden dann von den Finanzämtern eine fertige Steuererklärung und eine Vorschau auf den Steuerbescheid mit ihren bei den Finanzbehörden bereits vorhandenen Steuerdaten für das Steuerjahr 2025. Diese Erklärung kann - bei Einverständnis - mit nur einem Klick abgesendet werden. Änderungen oder Anpassungen sind selbstverständlich vor Versand jederzeit möglich. Funktionen und Anwenderkreis der App sollen nach und nach weiter ausgebaut werden.

Aber auch die Steuererklärung per App und mit nur einem Klick ist nicht unumstritten. So warnten etwa Lohnsteuerhilfen Nutzer vor finanziellen Einbußen. Finanziell lohnt es sich möglicherweise, mehr Arbeit zu investieren.

Quelle: ntv.de, awi/dpa

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