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Blaualgen, Salmonellen, FSME Gefahr lauert auch beim Deutschland-Urlaub

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Die Grenzen zu den Nachbarländern sind offen, aber die Mehrheit der Deutschen macht lieber Urlaub im eigenen Land in diesem Jahr.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die ersten Bundesländer läuten mit den Sommerferien die Urlaubssaison ein. Die Ziele dürften wegen der Corona-Krise begrenzt sein: auf Deutschland und die EU-Staaten. Der Impfpass muss dafür nicht überholt werden, aber auch im eigenen Land lauern Gefahren.

Die Kanarischen Inseln, das Rote Meer in Ägypten oder auch die türkische Riviera - die sonst bei Deutschen so beliebten Urlaubsziele werden in diesem Sommer wegen der Corona-Krise das Nachsehen haben. Stattdessen steuern die meisten Reisenden eher Küstenregionen und die Alpen an. Ganz unbedacht sollten Sie aber nicht in den Urlaub in Deutschland starten.

Die Ostsee ist coronabedingt bei den Deutschen quasi an die Spitze der Reiseziele geklettert, dahinter folgt mit der Nordsee ebenfalls eine Destination im eigenen Land. Das geht aus einer repräsentativen Online-Studie des Sinus-Instituts und YouGov hervor. Was das Coronavirus angeht, sind die Menschen inzwischen routiniert, was Vorsichtsmaßnahmen wie regelmäßiges Händewaschen, Mund-Nase-Schutz und Mindestabstände angeht. Doch Gefahren für die eigene Gesundheit lauern nicht nur wegen Covid-19 oder beim Urlaub im fernen Ausland, sondern auch quasi vor der eigenen Tür - hier ein Überblick:

Gefahr im Essen durch Salmonellen und Campylobacter

Sommerzeit ist auch Hochsaison für bakterielle Lebensmittelinfektionen. Salmonellen werden vor allem durch unzureichend erhitzte Eier oder eihaltige Speisen sowie durch rohes oder nicht durchgebratenes Fleisch übertragen. Da reicht es schon, wenn Lebensmittel beim Picknick oder Grillen nicht gut gekühlt werden oder Keime vom Fleisch auf Salat geraten. Die Folgen können Durchfall, Kopf- und Bauchschmerzen, Fieber oder Erbrechen sein. Hauptquelle für Campylobacterinfektionen ist unzureichend erhitztes Geflügelfleisch.

FSME droht vor allem im Süden Deutschlands

Corona-Auflagen hin oder her: Zecken halten keinen Abstand. Die kleinen Blutsauger können den Erreger der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) übertragen, einer virusbedingten Hirnhaut- oder Gehirnentzündung. Dieses Jahr wurden bereits mehr als 40 Fälle gemeldet. 2019 registrierte das Robert-Koch-Institut (RKI) bundesweit 444 Erkrankungsfälle, das war ein deutlicher Rückgang um 140 Fälle beziehungsweise fast ein Viertel gegenüber dem Vorjahr. Insgesamt schwanken die FSME-Erkrankungen aber von Jahr zu Jahr.

Als FSME-Risikogebiete gelten derzeit 164 Kreise in Deutschland. Dazu zählen fast ganz Bayern und Baden-Württemberg, aber auch Teile von Hessen, Rheinland-Pfalz, Thüringen, Sachsen, Niedersachsen und dem Saarland. Wer dort Urlaub macht, sollte sich impfen lassen. Muss es schnell gehen, können zwei Impfungen im Abstand von 14 Tagen gegeben werden. Doch Zeckenforscher befürchten, dass sich der FSME-Virus auch verstärkt im Norden ausbreiten wird.

Borreliose durch Zecken-Biss

Am häufigsten übertragen Zecken die von Bakterien verursachte Lyme-Borreliose, die Nervensysteme und Gelenke schädigen kann. Die Schätzungen zu den Krankheitsfällen schwanken sehr stark zwischen 40.000 und 120.000 pro Jahr. Borrelien in Zecken gibt es in ganz Deutschland, wobei die Belastung regional sehr unterschiedlich sein kann. Eine Schutzimpfung dagegen gibt es nicht. Früh erkannt, lässt sich die Infektion aber gut mit Antibiotika behandeln.

Am besten sollten Spaziergänger in Wald, Feld und Wiese lange Kleidung und feste Schuhe tragen. Über die Hosenbeine gestülpte Strümpfe erschweren den Zecken die Suche nach nackter Haut. Antizeckenmittel bieten nur einen begrenzten Schutz für einige Stunden. Nach einem Ausflug ins Freie sollte jeder seinen Körper gründlich absuchen. Dies gilt auch für Kinder nach dem Spielen.

Quallen lauern beim Schwimmen an Nord- und Ostsee

Unangenehm kann für Schwimmer in Nord- und Ostsee eine Begegnung mit der Gelben Haarqualle, auch Feuerqualle genannt, werden. Ihre Nesselkapseln können mit ihrem Gift allergische Reaktionen und Hautrötungen hervorrufen. Gelbe Haarquallen sind im Oberflächenwasser der Ostsee eher selten, gelangen durch Wind aber manchmal in die Badebereiche. Die betroffenen Stellen sollten mit Meerwasser abgespült werden. Auch Sand kann auf die betreffende Stelle aufgetragen und nach dem Antrocknen vorsichtig abgeschabt werden, zum Beispiel mit einem Messerrücken. Schmerzen können durch Kühlung gelindert werden.

Vibrionen lösen schwere Infektionen aus

Vibrionen sind natürlicher Bestandteil salzhaltiger Meere und kommen vor allem im Boden vor. Sobald die Wassertemperatur über 20 Grad Celsius steigt, vermehren sie sich sprunghaft. Vibrionen können beim Baden oder Wasserwaten in verletzte Haut eindringen und in seltenen Fällen schwere Wundinfektionen hervorrufen. Diese ist an einer Rötung, Schwellung oder Blasenbildung erkennbar. Die Infektion kann auch Fieber, Schüttelfrost, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall oder im schlimmsten Fall eine Blutvergiftung verursachen.

In den vergangenen Jahren gab es an der Ostsee zahlreiche Erkrankungen und auch einige Todesfälle. Gefährdet sind vor allem Menschen mit geschwächtem Immunsystem oder mit chronischen Krankheiten.

Blaualgen sorgen für Haut- und Schleimhautreizungen

Manche Badegewässer sind durch Cyanobakterien, sogenannte Blaualgen, verunreinigt. Explosionsartige Blaualgenblüten treten vor allem in den Sommermonaten bei hohen Wassertemperaturen auf. Eine Gewässerbelastung mit Cyanobakterien ist an der eingeschränkten Sichttiefe, einer bläulich-grünen Trübung des Wassers, Schlierenbildung oder Algenteppichen an der Oberfläche zu erkennen. Bei starker Belastung raten die Gesundheitsbehörden vom Baden in dem trüben Wasser ab. Es kann zu allergischen Haut- und Schleimhautreizungen kommen. Beim Verschlucken von Wasser können Durchfälle auftreten.

Sonnenbrand: Eincremen und Mittagssonne meiden

Nicht zuletzt sollten sich Urlauber vor Sonnenbrand schützen. Generell sollte die Mittagssonne zwischen 11 Uhr und 15 Uhr gemieden werden. Die Wahl des Lichtschutzfaktors beim Sonnenschutzmittel richtet sich nach dem Hauttyp, empfohlen wird mindestens Lichtschutzfaktor 15. Für Kinder gibt es den Faktor 50 plus. Das Mittel sollte mindestens eine halbe Stunde vor dem Gang in die Sonne aufgetragen und regelmäßig erneuert werden.

Legionellen - gefährliche Keime im Wasserhahn

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Wochen, teilweise Monate waren Hotels, Ferienwohnungen, Sportanlagen und Schwimmbäder geschlossen - optimale Lebensbedingungen für Legionellen, sich dort in den Wasserleitungen einzunisten. Bei unsachgemäßer oder fehlender Wartung könne es nach der Corona-Pause zu einem erhöhten Wachstum dieser Bakterien in Trinkwasseranlagen gekommen sein, warnt das Robert-Koch-Institut. Legionellen können bei Menschen schwere Krankheiten auslösen - von grippeartigen Beschwerden bis hin zu schweren Lungenentzündungen. Die Erreger werden häufig durch zerstäubtes Wasser übertragen, etwa in Duschen, Whirlpools, durch Luftbefeuchter oder über Wasserhähne.

Bevor eine Dusche benutzt oder Wasser aus einem Hahn getrunken wird, am besten die Leitungen und Armaturen einige Minuten mit heißem Wasser durchspülen. Bei Temperaturen von mehr als 60 Grad werden Legionellen abgetötet. Das senkt das Infektionsrisiko. Übrigens empfiehlt sich das auch bei der Rückkehr nach zwei Wochen Urlaub in die eigenen vier Wände.

Quelle: ntv.de, joh/AFP/dpa

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