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Etikettenschwindel Index Select Gericht bemängelt Allianz-Rente

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Verbraucherschützer haben den Eindruck, dass sich der Versicherer vor allem das gute Ansehen von Indexfonds für den Verkauf ihrer privaten Rentenversicherung zunutze machen will.

(Foto: REUTERS)

Während klassische Rentenversicherungen kaum mehr nachgefragt werden, versprechen Vorsorgekonzepte wie die Index Select Rente mehr Renditechancen - bei hoher Sicherheit, betont die Allianz. Verbraucherschützer sehen das anders.

Die Allianz Deutschland AG muss nach einem noch nicht rechtskräftigem Urteil des Landgerichts (LG) München bestimmte Formulierungen hinsichtlich der Wertentwicklung ihres sogenannten Vorsorgekonzepts Index Select unterlassen. Geklagt hatte die Verbraucherzentrale Hamburg (vzhh), die die Art und Weise, in welcher der Versicherungskonzern für seine private Rentenversicherung wirbt, für irreführend und unlauter hält (Az.: 37 O 12326/17).

Indexpolicen gelten als Alternative zu herkömmlichen Lebens- oder Rentenversicherungen. Dabei garantiert der Versicherer nur die eingezahlten Beiträge, dafür investiert er die Überschüsse in Aktien. Verbraucherschützer warnen vor einer "Mogelpackung". Die Verbraucherzentrale Hamburg (vzhh) hat deshalb die Allianz Deutschland AG wegen ihres Produktes Index Select verklagt.

Im Vergleich zu einer herkömmlichen Rentenversicherung sollen beim Vorsorgekonzept Index Select die in der Versicherungsprämie enthaltenen Sparanteile nicht fest verzinst angelegt und als Rentenleistung ausgezahlt werden. Vielmehr orientiert sich die Wertentwicklung des Produkts laut Angaben der Allianz an der Wertentwicklung des Aktienindex EuroStoxx 50. In welcher Höhe und in welcher Form der Anleger aber tatsächlich am Index partizipiert, darüber lasse die Allianz ihre Kunden im Unklaren, bemängelt die vzhh.

Irreführende Werbeaussagen

Und auch das LG kam zu der Überzeugung, dass "die an zahlreichen Stellen des Internetauftritts hervorgehobene Aussage 'Beteiligung an der Wertentwicklung des Eurostoxx 50' sowie die Verwendung des Begriffs 'Indexpartizipation' bei einem Großteil der Verbraucher den Eindruck erweckt, es erfolge (...) eine Anlage in Finanzprodukte, mit der die im Aktienindex gelisteten Werte abgebildet werden". Die Richter sahen in den Formulierungen zur Index Select Rente irreführende Angaben, weil "eine Korrelation des Renditeversprechens (...) mit der Wertentwicklung des Aktienindexes nur sehr eingeschränkt besteht".

"Das vermeintliche Wunderprodukt Index Select ist reine Augenwischerei, (...). Wir freuen uns, dass die Münchner Richter diesen Etikettenschwindel nun gestoppt haben. Gerade bei der Altersvorsorge darf Verbrauchern nicht ein X für ein U vorgemacht werden", so Kerstin Becker-Eiselen von der Verbraucherzentrale Hamburg.

Zudem beklagt die vzhh, dass die Allianz die Wertentwicklung der Index Select Rente durch einen sogenannten Cap, der zum Zeitpunkt der Klageerhebung bei 3,3 Prozent lag, begrenzt. Liegt die Wertentwicklung des Index in einem Monat über dem Cap, werden die Gewinne begrenzt, während monatliche Verluste voll in die Renditebetrachtung einfließen. Die Höhe des Caps wird dabei jährlich neu bestimmt und soll abhängig von den Überschusserträgen sein, mit denen die Versicherung ihre Form der Indexbeteiligung finanziert.

Für Kunden, so der Vorwurf, ist kaum zu durchschauen, wie die Index Select Rente funktioniert. Was am Ende tatsächlich rauskommt, ist selbst für Experten nur schwer zu durchblicken. Laut vzhh ist das Produkt ist eine Black Box für Verbraucher. 

Wie die Allianz n-tv.de mitteilt, wird das Unternehmen die Urteilsbegründung sorgfältig prüfen und entscheidet dann über eine mögliche Berufung. Sie verweist in ihrer Stellungnahme auf den großen Erfolg des Produktes und auch darauf, dass die Allianz kontinuierlich das Feedback von Kunden und Vertrieben, um die Produktinformation im Internet im Sinne der Kunden weiterzuentwickeln.

Auch hatte das Unternehmen nach eigenen Angaben der Verbraucherzentrale seit Juni 2016 wiederholt Gespräche angeboten, um sich zu den Argumenten der Verbraucherschützer fachlich auszutauschen. Dieses Angbot wurde aber von der vzhh nicht wahrgenommen.

Quelle: n-tv.de, awi

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