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Ost-West-Gehälter-Vergleich Gleiche Bedingungen, weniger Gehalt

Der Mauerfall ist bald 31 Jahre her und die Wiedervereinigung am 3. Oktober auch schon fast 30. Doch wie haben sich in all den Jahren die Gehälter in Ost- und Westdeutschland im Vergleich zueinander entwickelt? Eine aktuelle Studie zeigt: Es gibt nach wie vor große Unterschiede.

Es hat ein paar Jährchen länger gedauert, bis sich die einst abgerockte DDR in die von Altkanzler Helmut Kohl versprochenen blühenden Landschaften gewandelt hat. Oder genauer, der Osten Deutschlands ist zumindest auf einem ganz guten Weg. Was man von Teilen der alten BRD hingegen nicht behaupten kann - etwa in Nordrhein-Westfalen.

Doch abgesehen davon, wie sieht ein Ost-West-Vergleich bei den Gehältern aus? Die Analysten von Gehalt.de sind dieser Frage anhand von 143.953 Datensätzen nachgegangen. Ergebnis? Laut der Auswertung beträgt das unbereinigte Gefälle rund 7440 Euro (brutto) im Jahr (16,9 Prozent). Und nur ein Teil der Lücke lässt sich begründen. Nach Abzug von Einflussfaktoren wie Branche, Firmengröße oder Lebenshaltungskosten bleibt eine bereinigte Lücke - trotz vergleichbarer Arbeit - von jährlich 3600 Euro (brutto, 8,1 Prozent). Außerdem sticht im Branchen- und Berufsvergleich vor allem der Industriesektor mit hohen Gehaltsdifferenzen zwischen Ost und West hervor.

Aber genauer: Die Lücke lässt sich zum Teil durch bestimmte Faktoren erklären: 595 Euro (1,4 Prozent) sind auf die Firmengröße und 576 Euro (1,3 Prozent) auf die Branche zurückzuführen. Ein weiterer Faktor ist die Berufswahl - sie macht einen Unterschied von 244 Euro aus (0,6 Prozent). "Im Vergleich zum Osten sind im Westen größere Unternehmen und lukrativere Branchen vertreten, die höhere Gehälter zahlen. Die strukturellen Unterschiede zwischen neuen und alten Bundesländern erklären, warum mehr als drei Prozent des Lohngefälles auf die Faktoren Firmengrößen, Branchen und Berufe zurückzuführen sind", so Dr. Philip Bierbach, Geschäftsführer von Gehalt.de.

Lebenshaltungskosten und Personalverantwortung

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Zudem spielt das Geschlecht eine Rolle: 150 Euro (0,3 Prozent) stehen hiermit in Zusammenhang. Dazu Bierbach: "Die DDR-Historie prägt Ostdeutschland bis heute, denn immer noch sind in den neuen Bundesländern traditionell mehr Frauen berufstätig als in den alten. Da in Deutschland Frauen bei gleicher Arbeit immer noch niedrigere Gehälter als Männer beziehen, bestärkt dies den Gehaltsunterschied zwischen Ost und West." Darüber hinaus wurden in der Untersuchung die Lebenshaltungskosten berücksichtigt, die laut Institut für Wirtschaftsforschung im Osten und Westen stark voneinander abweichen. So lassen sich 2300 Euro (5,3 Prozent) des Gehaltsunterschieds auf diesen Faktor zurückführen. Andere Faktoren wie Ausbildung, Berufserfahrung oder die Position haben einen sehr geringen Einfluss - zusammengefasst kommen sie auf 0,02 Prozent.

Die Lohnlücken variieren zudem danach, ob Beschäftigte Personalverantwortung tragen oder nicht. Unter Fachkräften beträgt die Lohnlücke insgesamt rund 6400 Euro (15,6 Prozent), wovon sich 8,4 Prozent auf den regionalen Faktor zurückführen lassen. Bei Führungskräften hingegen ist die Lohnlücke kleiner und liegt unbereinigt bei rund 11.300 Euro (12,3 Prozent). Rund 2.400 Euro (2,6 Prozent) lassen sich hier auf den regionalen Unterschied zurückführen. Die Gehalts-Lücke ist in der Metallindustrie am höchsten (24,5 Prozent), während sie in der Forschung vergleichsweise niedrig ist (8,8 Prozent).

Quelle: ntv.de, awi