Ratgeber

Aus Deutschland in die Ferne? Hier ist die Einreise nur erschwert möglich

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Bei einem behördlichen Einreiseverbot liege ein Fall von höherer Gewalt vor.

(Foto: imago images/Rene Traut)

Wegen der Ausbreitung des Coronavirus gibt es an vielen Landesgrenzen verstärkt Einreisekontrollen - inklusive Messungen der Körpertemperatur, Quarantänemaßnahmen bei Verdachtsfällen und Einreisesperren. Für Reisende aus Deutschland gelten unter anderem in diesen Ländern Beschränkungen:

USA: US-Präsident Donald Trump kündigte an, die Grenzen für Ausländer aus Europa zu schließen. "Wir werden alle Reisen von Europa in die USA für die nächsten 30 Tage aussetzen", sagte er. Ausgenommen seien Reisende aus Großbritannien. Aus Europa kommende US-Amerikaner müssten sich entsprechenden Tests unterziehen. Die Maßnahme gilt nach Angaben des Weißen Hauses ab 23.59 Uhr am Freitag (4.59 Uhr MEZ am Samstag).

Italien: Premierminister Giuseppe Conte sagte, Bars und Restaurants sowie fast alle Geschäfte würden geschlossen. Nur Supermärkte und Apotheken seien weiter geöffnet. Im gesamten Land sollen die rund 60 Millionen Einwohner nun möglichst zu Hause bleiben. In ganz Italien sind Fahrten in andere Orte nur eingeschränkt erlaubt. Deutsche können aber weiter ein- und ausreisen. Deutsche Fluggäste erhalten zum Beispiel in Rom bei der Abreise "Aussteigkarten", wo sie Adresse, Telefonnummer und Flugdaten eintragen müssen, um im Notfall gefunden werden zu können. In Österreich werden nun an Grenzübergängen zu Italien, etwa am Brenner, alle Einreisenden kontrolliert.

Zypern: Wer von Deutschland nach Zypern reist, muss damit rechnen, dass er wegen des Coronavirus 14 Tage in Quarantäne verbringen muss. Für Reisende aus Italien, Südkorea und Iran ist sogar eine 14-tägige Quarantäne unter ärztlicher Kontrolle angeordnet worden, berichtete der zyprische Rundfunk.

Malta: Für alle Einreisenden aus Deutschland gilt eine 14-tägige Quarantäne. Zudem werden viele Flüge von und nach Deutschland eingestellt.

Slowenien: Verstärkte Einreisekontrollen und Gesundheitsprüfungen gibt es am Flughafen Ljubljana. Deutsche ohne Wohnsitz in Slowenien müssen an der Grenze ein SARS-CoV-2-Negativzertifikat in slowenischer, italienischer oder englischer Sprache vorweisen, das nicht älter als drei Tage sein darf.

Bosnien und Herzegowina, Nordmazedonien, Tschad und Uganda: Reisende aus Deutschland müssen sich zwei Wochen in Selbst-Quarantäne begeben. Wer sich nicht daran hält, muss mit strafrechtlichen Folgen rechnen.

Russland: Wer aus Deutschland nach Moskau reist, muss selbstständig eine zweiwöchige Quarantäne durchführen. Nach der Ankunft in der russischen Hauptstadt sollen Reisende sich bei einer Hotline melden. Die Bestimmungen gelten bislang nur für Moskau.

Israel: Vom Abend des 12. März an dürfen keine Touristen mehr einreisen - es sei denn, sie können glaubhaft beweisen, dass sie sich für 14 Tage in Quarantäne begeben können. Das ohnehin schon für Deutsche und einige andere Ausländer geltende Verfahren betrifft nun alle Reisenden. Die Ausreise soll Touristen binnen weniger Tage ermöglicht werden. Vor dem 6. März 2020 eingereiste Touristen können nach derzeitigem Stand ihren Aufenthalt in Israel fortsetzen. Wer Symptome zeige, müsse sich sofort beim Rettungsdienst melden, teilte das Gesundheitsministerium mit.

Jordanien: Mit Beginn der kommenden Woche (16. März) dürfen Deutsche, Franzosen und Spanier nicht mehr ins Königreich reisen - und Jordanier diese Länder vorerst nicht mehr besuchen.

China: Derzeit müssen Deutsche laut Auswärtigem Amt bei Einreise oder nach einer innerchinesischen Reise damit rechnen, zu einer zweiwöchigen Quarantäne verpflichtet zu werden. Insbesondere geschehe dies bei Einreise nach Shanghai. Für Peking gilt seit 11. März 2020 eine Quarantänepflicht für Einreisende aus allen Ländern. Hongkong verhängt ab 14. März für alle Personen, die sich in den 14 Tagen vor der Einreise in Nordrhein-Westfalen aufgehalten haben, eine 14-tägige Zwangsquarantäne.

Bhutan, El Salvador, Guatemala, Jamaika, Kasachstan und Saudi-Arabien: Unabhängig von Gesundheitsprüfungen gilt in diesen Ländern derzeit eine Sperre für Reisende aus Deutschland und weiteren betroffenen europäischen Staaten.

Nepal: Das asiatische Land vergibt seit Dienstag keine Visa mehr für Deutsche direkt bei der Ankunft. Vor ihrer Abreise müssen sie sich bei der nepalesischen Botschaft um ein Visum bewerben und einen negativen Covid-19-Test beilegen.

Malediven: Zwei Ressort-Inseln sowie eine von Einheimischen bewohnte Insel dürfen wegen einiger Verdachtsfälle vorübergehend weder betreten noch verlassen werden.

Mongolei: Sämtliche Flugverbindungen sind zunächst bis zum 28. März ausgesetzt. Auch eine Einreise auf dem Landweg ist nicht mehr möglich. Es besteht daher faktisch eine Ein- und Ausreisesperre.

Malawi: Deutschland wird durch die Behörden in die Kategorie der "High Risk Countries" eingestuft. Einreisende aus Deutschland werden daher zu einer Hausquarantäne verpflichtet.

Liberia: Für Einreisende aus Deutschland ist eine 14-tägige Quarantäne in einem staatlichen Beobachtungszentrum des westafrikanischen Landes vorgesehen.

Ruanda: Einreisende, die Symptome aufweisen, müssen einen Coronavirus-Test machen. Unabhängig vom Ergebnis wird Quarantäne angeordnet. Reisende aus Deutschland ohne Symptome unterliegen 14 Tage einem täglichen Monitoring.

Kiribati, Marshallinseln und Samoa: Die pazifischen Inselstaaten haben ein Einreiseverbot für Deutsche verhängt.

Grundsätzlich gilt: Bei einem behördlichen Einreiseverbot liege ein Fall von höherer Gewalt vor, erklärt der Reiserechtsexperte Ernst Führich aus Kempten. Es handele sich um einen unvermeidbaren, außergewöhnlichen Umstand. Sowohl eine Pauschalreise als auch ein einzelner Flug ließen sich kostenfrei stornieren. Schadenersatz oder Ausgleichszahlungen nach der EU-Fluggastrechteverordnung seien aber ausgeschlossen.

Weil Israel die Einreise bei fehlendem Quarantänenachweis verweigere, müsse die Fluggesellschaft einem Passagier schon am Abflughafen in Deutschland den Zutritt zum Flugzeug verweigern, ergänzt der Rechtsanwalt Paul Degott aus Hannover. Die Beförderung kann somit nicht stattfinden. Der Experte für Reiserecht kommt ebenfalls zu dem Schluss: Flugpassagiere bekommen das Geld für ihr Ticket zurück.

Geld zurück bei abgesagter Pauschalreise

Pauschalreisende sind immer abgesichert: Kann der Veranstalter eine Reise wegen behördlicher Anordnungen nicht wie geplant durchführen, haben Kunden das Recht, kostenlos vom Vertrag zurückzutreten. Das heißt, sie bekommen ihr angezahltes Geld vom Veranstalter zurück.

Wegen der weltweiten Ausbreitung des neuartigen Coronavirus besteht die Gefahr, dass weitere Länder ähnlich drastische Maßnahmen ergreifen und Urlauber damit kalt erwischen.

Was, wenn bei mir im Urlaub das Coronavirus nachgewiesen wird?

Das Auswärtige Amt stellt klar: "Wenn eine Infektion festgestellt wird, entscheiden die Behörden des jeweiligen Landes, welche Maßnahmen ergriffen werden. Die Behörden können dabei wie auch in Deutschland Quarantänemaßnahmen anordnen. Diese gelten auch für Reisende und müssen befolgt werden."

Quelle: ntv.de, awi/dpa